Regatta-News

„Wir haben das Geld noch nicht gefunden“

07.03.2002 Tatjana Pokorny, Fotos: R. Tomlinson - Das Volvo Ocean Race läuft für die illbruck-Challenge bestens, die America’s-Cup-Zukunft ist jedoch ungewiss

Fotograf: © R. Tomlinson
John Kostecki

Die im Volvo Ocean Race mit 29 Punkten führende „illbruck“ startet gut gerüstet in die fünfte Etappe. In einem Interview mit YACHT online äußerte sich Skipper John Kostecki über die kommende Etappe und die Cup-Zukunft.

Die 4450 Seemeilen lange Hatz führt die acht teilnehmenden Yachten ab Samstag (9. März) entlang der südamerikanischen Küste durch die Karibik bis zum Südzipfel Amerikas nach Florida. Für den Flauten-Poker durch den Golf-Strom und die Doldrums (Kalmengürtel am Äquator) wurde die „illbruck“ in Rio einer Radikaldiät unterzogen. Man hat abgespeckt, einiges an Ausrüstung vom Boot geholt und diverse Segel aussortiert. Auch am Essen wird gespart: Es gibt auf der nächsten Etappe nur noch einen Snack pro Person und Tag statt wie bislang drei.
Entsprechend leichter und schneller wollen US-Skipper John Kostecki und sein Team ihr Ziel erreichen. Mit sieben Punkten Vorsprung verfügt die illbruck-Challenge über ein dickes Punktepolster gegenüber der zweit platzierten Amer Sports One (Finnland/Italien), die auf der kommenden Etappe nur bei einem Totalausfall der deutschen Yacht und dem gleichzeitigen Sieg der ärgsten Rivalin aufzuholen wäre.
Yacht online sprach vor dem Start zur fünften Etappe am Sonnabend mit „illbruck“-Skipper John Kostecki.

Etappe fünf bringt als küstennahes Rennen möglicherweise engere Duelle mit sich als die vorherigen Etappen. Ein Segelstil, den Sie mögen. Freuen Sie sich besonders auf diese 4450 Seemeilen, die sie erstmals seit dem vergangenen Jahr wieder in die Heimat führen?

Wir werden Etappe fünf segeln wie alle anderen Etappen. Es ist nichts Besonderes geplant, auch wenn es in mein Heimatland geht. Bislang sind aus unserer Sicht alle Etappen eng gelaufen. Wir waren während der ganzen Zeit immer in der Nähe von anderen Booten. Deswegen erwarte ich, dass dies auch für den Rest des Rennens so bleibt. In diesem Sinne ja: Ich freue mich auf diese engen Rennen.

Wie bewerten Sie das Verhältnis von Taktik und Bootsgeschwindigkeit bei diesem Meeres-Marathon?

In diesem Rennen liegen die Geschwindigkeitspotentiale der Yachten sehr eng beeinander. Ich würde der Taktik 80, der Geschwindigkeit etwa 20 Prozent an Wertigkeit einräumen. Das hängt natürlich auch von der Länge einer Etappe ab. Je länger sie ist, je wichtiger wird die Geschwindigkeit. Es kann aber sehr leicht ein etwas langsameres Boot eine Etappe gewinnen so wie „Brunel Sunergy“ im vergangenen Rennen wenn es den richtigen Kurs findet.

Glauben Sie, dass die Frauen-Crew auf Amer Sports One im Verlaufe des Rennens einmal aufs Siegerpodest steigen wird?

Unglücklicherweise sind die Mädchen mit Verspätung in die Vorbereitung auf dieses Rennen gegangen. Es fehlt ihnen auch an Management. Lisa McDonald hat alle Hände voll zu tun und erhält wenig bis gar keine Hilfe von irgend jemandem. Ich bin überrascht, dass Grant Dalton (Red.: Teamkollege innerhalb der Nautor Challenge) ihr nicht mehr hilft.

Ohne die Möglichkeit, in gemischten Teams von der Erfahrung der männlichen Teamkollegen zu profitieren, werden die Frauen den Männern noch eine Weile hinterher segeln. Glauben Sie an gemischte Teams in der Zukunft des Hochseesegelns?

Nein, ich glaube nicht, dass wir jemals gemischte Crews erleben werden.

Wen zählen Sie für den Rest des Rennens zu ihren stärksten Gegnern?

Nicht Amer One. Ich denke, es sind Tyco und Assa Abloy, auch wenn deren Ergebnisse das nicht so direkt wiederspiegeln.

Drei ihrer Mannschaftskollegen Projektmanager Glen Bourke, Pressesprecherin Jane Eagleson und Vorschiffsmann Tony Kolb wurden in Rio Opfer von Raubüberfällen, die glimpflich verliefen. Tony Kolb berichtete, dass zwei Shore-Mitglieder sich mit Denghe-Fieber infiziert haben. Haben die Vorfälle ihre Vorbereitungen beeinträchtigt?

Kostecki: Bei uns hat sich bislang niemand mit Denghe-Fieber infiziert. Wir hatten einige Teammitglieder mit kurzfristigen Magenproblemen, aber das hat unsere Vorbereitungen für Etappe 5 nicht beeinträchtigt.

Würden Sie nach den Erfahrungen in Rio den Veranstaltern raten, noch einmal dorthin zurückzukehren?

Ich persönlich bevorzuge kleinere Häfen, weil man dort mehr Unterstützung erhält und es scheint, als seien dort mehr Leute involviert. Natürlich ist mir aber auch klar, dass wir Zwischenstopps brauchen, die für Volvo gut sind. Deswegen würde ich in Zukunft den Hafen unterstützen, für den Volvo sich entscheidet.

Die Gerüchteküche brodelt. Es wird berichtet, dass die illbruck-Challenge auf der Suche nach den rund 18 Millionen Mark Sponsorengeldern für das geplante America´s Cup-Engagement zumindest teilweise fündig geworden ist. Die Rede ist von rund drei Millionen Euro. Wie ist der tatsächliche Stand der Dinge?

Wir haben das Geld für den America´s Cup bis jetzt nicht gefunden. Aber ja, wir hoffen es zu bekommen. Wir haben ein großartiges Team und ein fast fertiges Boot. Es wäre sehr enttäuschend für alle in Deutschland und unser Team, wenn wir nicht an den Rennen um den nächsten America´s Cup teilnehmen könnten.

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