America's Cup
Wieder vor Gericht
„In einem Versuch, den 33. America's Cup möglichst rasch zurück aufs Wasser zu bringen, was vom Golden Gate Yacht Club (GGYC) konsequent torpediert wird, hat die Société Nautique de Genève beschlossen, Richter Cahn darum zu ersuchen, die Daten für den 33. America’s Cup festzulegen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Alinghi.
„Dieser Entscheid folgt im Anschluss an das ergebnislose Treffen vom Mittwoch zwischen Vertretern der SNG und des GGYC. Nachdem alles versucht worden war, um eine Einigung zu erzielen und die Diskussionen mit dem GGYC an einem toten Punkt angelangt waren.“
In dem Brief an Richter Cahn beziehen sich die Alinghi-Anwälte auf eine Klausel, auf die sich beide Parteien geeinigt hätten. Sie sei zwar nie richtig ausgefertigt und dem Gericht eingereicht worden, aber niemand habe je in Frage gestellt, dass die zehnmonatige "Notice period" während der Verhandlung nicht ausgesetzt würde.
Besonders ärgerlich finden die Anwälte einen BMW-Oracle-Vorschlag, der wohl nur als Witz gemeint sein kann. Wenn Alinghi in der Zeit keinen neuen Kat bauen könne, sollten sie mit dem kürzlich erworbenen 40-Fuß-Kat gegen ihren 90-Fußer antreten.
„Je nachdem wann und wie Richter Cahn der Forderung der SNG nachkommt, besteht die Hoffnung, dass weitere gerichtliche Schritte unnötig sein werden“, heißt es in der Pressemitteilung. „Die SNG behält sich alle Rechte als Gewinner des America's Cup und als prozessführende Partei vor den Gerichten von New York vor.“
BMW Oracle hält sich nach dem Treffen eher bedeckt. Sprecher Tom Ehman sagt: “Wir bleiben bei unserer Meinung, dass die Regeln bezüglich des Timings sehr klar sind. Je eher wir das Deed-of-Gift-Rennen machen, desto eher kommt der Americas Cup zurück in die Spur.“
In der offiziellen Mitteilung heißt es: „Im Gegensatz zu den Ausführungen des Verteidigers, nicht rechtzeitig fertig zu werden, steht die Aussage von Ernesto Bertarelli. Im Dezember sagte er den Medien, Alinghi bereite sich schon auf ein Rennen im Juli 2008 zwischen Mehrrumpfern vor. Er bezeichnete sie als `wunderschöne Monster´.“
Außerdem weist Ehman die Aussage zurück, es gäbe eine gesonderte Einigung, die "Notice period" auszusetzen und das Rennen auf Juli 2009 zu verschieben. „Das ist einfach nicht wahr.“
Grant Dalton, Managing Director vom Emirates Team New Zealand, äußert sich heute drastischer. „Gebt den Cup ab“, fordert er Alinghi auf. „Alinghi hatte genauso viel Zeit, ein Boot zu bauen, wie BMW Oracle.“ Offenbar sei man zu sehr vom Sieg vor Gericht überzeugt gewesen.
„Wir glauben daran, dass BMW Oracle mit der Americas-Cup-Gemeinschaft zusammenarbeiten wird, den Cup wieder zu dem zu machen, was er im vergangenen Sommer war.“
Noch 2008 könnten Regatten mit den alten Cuppern gesegelt werden. Nächstes Jahr würden die ersten 90-Fußer auf dem Wasser sein und 2010 fände dann der Cup mit allen Herausforderern statt. Alinghi müsse nur das Richtige tun und ein positives Umfeld schaffen, damit alle weitermachen könnten.
Mit Mascalzone-Latino-Chef Vinzenco Onorato meldet sich heute ein weiterer Alinghi-Kritiker zu Wort. In einem sechsseitigen offenen Brief mahnt er, dass die Schweizer sich nicht als arme Opfer verkaufen dürften.
Das „schändlich unsportliche Protokoll“ sei der Grund für die derzeitige Situation. „Oracles gerichtliche Herausforderung war eine tapfere Rettungsoperation für die älteste Sport-Trophäe.“
Alinghi habe dagegen die schwache ökonomische Position der Herausforderer ausgenutzt, um seinen Willen durchzusetzen. So sei das Team New Zealand mit finanziellen Versprechungen bis hin zu einer Option auf die Oracle-Basis in Valencia zur Akzeptanz des Protokolls gebracht worden.
„Alinghis Plan war es, den Cup und die Herausforderer zu kontrollieren, um die ökonomische Kontrolle zu bekommen.“ Gegen diesen ausgeklügelten Plan seien die früheren Regelauslegungen des New York Yacht Clubs Kinderkram gewesen.
Onorato beschreibt seine Schlichtungsbemühungen. Er habe den Sommer 2007 damit zugebracht, eine Einigung zwischen Oracle und Alinghi zu erreichen. Dabei habe er im Gegensatz zu Alinghis Erklärungen viel Gesprächsbereitschaft bei Russell Coutts erfahren.
Er habe sogar ein alternatives Protokoll erarbeitet und von Coutts die Garantie erhalten, dass die Klage sofort fallen gelassen werde, wenn Alinghi diesem Protokoll zustimme. Aber Alinghi habe nicht einmal eine Antwort für nötig gehalten.
Stattdessen habe es Bestrebungen gegeben, ihn ein für allemal aus dem Cup-Geschäft zu verbannen. Ein anderer italienischer Herausforderer sei unterstützt worden, und Alinghi habe in Aussicht gestellt, diesmal vermutlich nur ein Syndikat pro Nation akzeptieren zu wollen.
„Daraufhin haben wir entsprechend des Protokoll-Diktats gemeldet.“ 50.000 Euro Startgeld seien bezahlt worden. Aber das ACM habe verlangt, den Unterstützungsbrief für BMW Oracle vor dem New Yorker Gericht zu widerrufen.
Das hat den italienischen Reeder offenbar sehr getroffen. Er vergleicht den Vorgang mit den Machenschaften unter der Inquisition. Eine solche öffentliche Entsagung eines Italieners sei zuletzt von Giordano Bruno verlangt worden. Der Philosoph postulierte unter anderem die Unendlichkeit des Weltraums und wurde 1600 in Rom verbrannt, weil er nicht widerrufen wollte.
Aber Onorato hat auch eine konkrete Vorstellung, wie es weitergehen könnte: „Um das Überleben des Cups zu sichern, sollten wir hoffen, dass Oracle gewinnt.“ Dann müsse man Louis Vuitton als Sponsor zurück ins Boot holen.
2009 oder spätestens 2010 könne der 34. Cup stattfinden mit den Booten der vergangenen Regatta. Jedem Team dürfe nur ein Neubau erlaubt werden. Der 35. Cup fände dann mit der 90-Fuß-Klasse statt.
Eine solche Vision dürfte auch die Zustimmung des deutschen Teams bekommen. Schließlich haben Schümann und Co noch eine schnelle Alinghi-Yacht im Stall stehen, die noch nicht offiziell zum Einsatz gekommen ist.










