Bordbuch der "Uca"

Wieder kalt, aber Stimmung top

02.07.2003 - YACHT-Herausgeber Jörn Bock berichtet von Bord der "Uca"

01.07. Deutsche Zeit 21.00. Uhr (Bordzeit 19.00), Wind aus 355°, 15 Knoten, Kurs über Grund 70 Grad, Geschwindigkeit 12,5 Knoten, Besegelung: Großsegel und Genua IV.

Eigentlich hatten wir gedacht, die kalten Nächte lägen hinter uns, aber der Norder bescherte uns fast noch einmal Frost.

Erst jetzt haben wir die Uhr um 4 Stunden vorgestellt, um so den Wachrhythmus erhalten zu können. Immerhin passt jetzt das Licht zur Uhrzeit. Die Mahlzeiten wurden dem Licht ebenfalls angepasst. Das Bordleben läuft seit vier Tagen ohne Störungen, das liegt am Kurs und der Besegelung. Noch immer heißt unser Kompasskurs 70 Grad, und noch immer ist die Vier unser Vorsegel.

Was anderes können wir eigentlich auch am Wind nicht bieten. Nach dem Spiunglück ist die "Uca", was die Vorsegelgarderobe anbetrifft, ein bisschen waidwund.

Die Vier ist mit Tauwerk am Vorstag festgebunden, von oben bis unten, und das hält nicht nur das Segel in Position, sondern auch das Tuffluff-Vorstag zusammen. Zum Bergen müssen wir sie losschneiden. Mittlerweile haben wir die Genua 5 und den Reacher mit Spectra-Tauwerkstücken im Vorliek ausgestattet (Gurtband angenäht, Löcher hineingebrannt und dort kurze Tauwerkenden hindurchgezogen, die als Stagreiter funktionieren), um sie bei Bedarf am Rodvorstag setzen zu können. Denn wenn die Vier geborgen ist, fällt das Tuffluff-Kunststoffstag auf Nimmerwiedersehen ins Wasser.

Wir sind eigentlich auf alles, so gut es geht, vorbereitet. Die Genua Vier wird durchhalten, sie hält locker einen Winddruck von 24 Knoten aus und sollte bis Fair Isle oben bleiben. Das sind noch 450 Seemeilen. Der Wind hat mittlerweile wie angekündigt von NNO auf Nord gedreht, sodass wir gute Fahrt machen. Mehr als 20 Knoten sind nicht angekündigt, und bei Fair Isle sollte eigentlich dann der Spi hoch und eine schnelle Fahrt nach Hause möglich sein.

Ein kleines Problem haben wir noch. Gestern ist der Mantel des Großfalls beim Reffen gerissen. Jetzt verläuft das Fall, das unter Deck aus dem Mast kommt, quer durch den Salon nach draußen ins Cockpit auf eine Winde. Reffen können wir nicht, und auch das Auswechseln des Falls unter diesen Seebedingungen ist unmöglich. Aber bis Fair Isle muss es so gehen. Unter Spi können wir in Ruhe im Masttopp arbeiten, das Groß oben festsetzen und ein neues Fall einziehen.

Der Navigator Juan Vila war 24 Stunden mit Grippe und Schüttelfrost außer Gefecht, jetzt ist er wieder am Arbeitsplatz, den er im Übrigen höchstens für ein paar Minuten am Tag verlässt. Er arbeitet an Wetter- und Kursmodellen, die Informationen schickt ihm unser Landberater Chris Bedford aus den USA per E-Mail.

Vilas Prognose: Morgen um 16 Uhr UTC sind wir nahe den Hebriden, Donnerstag um 14 Uhr runden wir Fair Isle, in der Nacht von Freitag auf Samstag Zieleinlauf. Damit sind die Chancen, die Segelzeit der "Zaraffa" noch zu unterbieten, intakt. Unsere letzten Gegner der Startgruppe 2, "Team 888", liegen an die 80 Seemeilen zurück; der Schoner "Windrose" 800 Seemeilen.

Wir versuchen jetzt, noch möglichst viele Yachten der Startgruppe 1 zu überholen. Über 30 sind es bereits, aber wir haben bisher keine davon gesehen.

Eine kalte Nacht kündigt sich an. Eine letzte Bekleidungsvariante - Ölzeug, Faserunterwäsche und Faserjacke plus Midlayer-Bekleidung sowie Snowboard-Handschuhe - ist meine letzte Waffe aus dem Rucksack. Mehr habe ich nicht.

Ansonsten ist die Crew wohlauf, der Eigner pflegt nach einem Sturz durch den Salon auf die Sitzbank ein dickes Hämatom, und die Leidenden der letzten sehr unruhigen Tage bei hoher See sind auch alle wieder mit 100 Prozent Leistung dabei.

Stimmung top, hätte jedoch gern mal ein Getränk mit Kohlensäure statt entsalztes Wasser mit Fruchtgeschmack, Tee oder Instantkaffee.

The Fight goes on! Jörn Bock

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