America’s Cup

Wie geht es weiter?

07.04.2009 Carsten Kemmling, Fotos: ACM - Ernesto Bertarelli und Larry Ellison müssen sich jetzt einigen. Aber das ist schwer vorstellbar

Fotograf: © ACM
Der Cup im neuen Licht

Es ist verdächtig ruhig im America’s-Cup-Lager nach der Entscheidung der sechs New Yorker Richter am Donnerstag vergangener Woche. Alinghi ließ nichtssagend verlautbaren, dass man jetzt auf dem Wasser kämpfen und mit Ellison „die Modalitäten des Wettkampfs diskutieren“ wolle. Von den Amerikanern gibt es bislang keine Reaktion.

Vielleicht ist es schlau. Jede Art von Stellungnahme hätte zwischen den Zeilen wohl eine Portion unpassender Häme transportiert. So geht es jetzt nur noch um Fakten. Wie, wo und wann wird der 33. America’s Cup ausgetragen? Nichts ist sicher.

Die Richter haben festgestellt, dass die Deed of Gift mit dem Wort „having“ in „having an annual regatta“ die Vergangenheit meint. Das disqualifizierte den von Alinghi akzeptierten spanischen Challenger of Record Club Nautico Espanol de Vela, der von Kritikern als Alinghi-Marionette gesehen wird.

Der Verein, für den das Desafio-Syndikat startet, wurde neu gegründet, und konnte deshalb in der Vergangenheit keine Regatta ausrichten. So banal wie es klingt ist es wohl auch. Aber diese Interpretation des Wörtchens „having“ genügte als Stolperstein für die Spanier und damit auch für Alinghi.

Jetzt dürfen sich die Schweizer wieder mit Larry Ellison herumschlagen. Mit ihm müssen sie sich über die Modalitäten des 33. Cups einigen. Wobei das Wörtchen „einigen“ bisher im Sprachschatz der beiden Milliardäre nicht vorkam.

Im Moment spricht alles dafür, dass es binnen zehn Monaten zu einem exklusiven Duell der beiden Kontrahenten mit gigantischen Multihulls kommt. BMW Oracle testet zur Zeit sein 20 Millionen Dollar teures 90-Fuß-Monster in San Diego.

Alinghi soll ein halbfertiges Schiff in seiner Halle am Genfer See stehen haben. Viele gehen davon aus, dass es sich um eine 115-Fuß-Katamaran-Yawl handelt. Laut Deed of Gift darf ein Zweimaster länger als das maximale 90-Fuß-Maß sein.

Allerdings hat BMW Oracle immer betont, eine Regatta für alle Teilnehmer zu favorisieren. Dann müsste man sich mit Alinghi auf die Regeln, das so genannte Protokoll, einigen.

Alinghi hat mit den eingeschriebenen 18 Herausforderern in den vergangenen Monaten ungeachtet des ausstehenden Verfahrens einige Modalitäten geklärt. So wurden die Eckdaten der neuen zukünftigen Cupper-Klasse definiert.

Aber das ist jetzt alles hinfällig. Denn BMW Oracle war von den Diskussionen ausgeschlossen. Es wäre schon eine große Geste, wenn Larry Ellison ohne Not seinen fest gebuchten Platz im Finale zugunsten eines Multi-Challenger-Events aufgibt. Bei dem muss er erst einmal das Finale erreichen, um gegen Alinghi antreten zu dürfen.

Die Situation ist verfahren. Und es gibt noch genügend Möglichkeiten vor Gericht zu ziehen. So sind Ort, Datum, und die Rechmäßigkeit des US-Tris nicht klar. Aber laut US-Prozessbeobachter Cory Friedman beinhaltet das abschließende Urteil eine deutliche Nachricht für Alinghi: „Kommt nicht wieder hierher.“ Einigt euch.

Bertarelli und Ellison dürften daran interessiert sein. Gerüchten zufolge sollen die Anwaltskosten der beiden seit Juli 2007 500000 US Dollar pro Monat betragen. Irgendwann muss selbst ihnen einmal das Geld ausgehen.

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