Imoca

Vom Regattamodus zum Überlebensmodus

15.12.2011 Johannes Erdmann, Fotos: Vincent Curutchet / Macif, Racetracker / www.transatbtob-imoca.org - Im Nordatlantik braut sich ein schwerer Sturm zusammen. Die Rennleitung verkürzte deshalb das BtoB-Rennen. François Gabart siegte

Gabarts "Macif"
Fotograf: © Vincent Curutchet / Macif

Gabarts "Macif"

Die Entscheidung kam überraschend und spontan. Von Westen nähert sich ein breites Tiefdruckgebiet, das heute im Verlauf des Tages die acht Imoca Open 60 treffen wird, die sich im Verlauf des BtoB-Rennens auf dem Weg vom karibischen St. Barth nach Frankreich befinden. Wind mit im Durchschnitt 50 Knoten wird erwartet, in den Spitzen mit bis zu 60 und 70 Knoten. Gefährlich daran ist außerdem, dass die Windrichtung innerhalb von Minuten von Südwest auf Nordwest drehen und gefährliche Kreuzseen hervorrufen wird. Vorausgesagt sind Wellen von acht Metern Höhe. Wenn sich die Schiffe dann dem Festland und der ursprünglichen Ziellinie nähern, kommt dazu der plötzliche Anstieg des Kontinentalschelfs, wodurch die Wellen kürzer werden und sich brechen.

Gestern Abend um 19 Uhr UTC verkündete die Rennleitung daher die Verkürzung der Regattabahn. Das Rennen endet nun etwa 300 Meilen westlich von Vigo beim letzten Sicherheitsgate. Die Vorgabe der Rennleitung ist, das Gate in Nord-Süd-Richtung zu durchqueren, dann vom Regattamodus in den Überlebensmodus zu schalten und den sichersten Weg nach Hause zu wählen.

Da braut sich was dickes zusammen …
Fotograf: © Racetracker / www.transatbtob-imoca.org

Da braut sich was Dickes zusammen …

Die Teilnehmer zeigten sich verständnisvoll, Vincent Riou (PRB) sagte: "Ich finde diese Entscheidung sehr intelligent, denn die Segelverhältnisse werden immer riskanter und stellen eine Gefahr für die Teilnehmer des Rennens dar." Mike Golding (Gamesa) kommentierte: "Ich werde so schnell wie möglich über die Linie fahren und das Großsegel bergen. Dann geht es nur unter Vorsegel nach Hause." Auch er beobachtet die Wetterverhältnisse auf dem Bordcomputer und hat sehr viel Respekt vor dem, was sich zusammenbraut: "Das wird ein außergewöhnlicher Sturm. Ich habe noch nicht viele dieser Art gesehen." Auch er hält die Entscheidung der Rennleitung für richtig: "Natürlich liegt die Verantwortung für die Sicherheit an Bord bei jedem Skipper, aber das Verlangen nach einem Sieg kann vielleicht auch dazu führen, falsche Entscheidungen zu treffen – und in diesen Bedingungen wäre das fatal."

Als erstes Schiff ging gestern Abend um 23.11 (UTC) die "Macif" des 28-jährigen François Gabart über die Ziellinie. Er beendete das Rennen nach 3.168 Seemeilen, 9 Tagen und 9 Stunden auf See, bei einem Durchschnitt über Grund von 14,07 Knoten. Für ihn, der einen Start bei der Vendée Globe 2012 anpeilt, ist es der erste Sieg bei einem Einhandrennen in der Imoca-Klasse. Das Transat Jacques Vabre beendete er zuvor als Vierter. "Es ist einfach ein großartiges Gefühl", kommentiert Gabart seinen Sieg über Satellitentelefon, "ich habe genau wie jeder andere Teilnehmer von diesem Moment geträumt, aber konnte nicht absehen, dass es wirklich dazu kommen würde. Ich konnte mit den anderen Booten gut mithalten, die fast alle zu den Favoriten der Vendée Globe gehören. Das schafft Hoffnung für das kommende Jahr."

Das Rennen kann auf der Website www.transatbtob-imoca.org und auf dem Racetracker verfolgt werden.

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