Kieler Woche
Volles Programm auf allen Bahnen
Von Sailing Team Germany bis "Hydroptère", von Boris Herrmann bis Jochen Schümann, von Göran Petersson bis Jule und Lotta Görge – das größte Segelfest der Welt bietet ab kommendem Wochenende alle Facetten des Segelsports.
Die Deutsche Segelnationalmannschaft, das Audi Sailing Team Germany, wird sich bei der Kieler Woche das erste Mal gemeinschaftlich und komplett der Öffentlichkeit präsentieren. Das schnellste Segelschiff der Welt, die französische "Hydroptère", nimmt Kurs auf Kiel, der Präsident des Welt-Seglerverbandes (Isaf), Göran Petersson (Schweden), und Isaf-Vorstandsmitglied Nazli Imre (Türkei) reisen zum Isaf Sailing World Cup, der zum zweiten Mal im Rahmen der Kieler Woche stattfindet. DSV-Präsident Rolf Bähr, der zweifache Americas-Cup-Sieger Jochen Schümann, Ocean Racer Tim Kröger (segelt TP 52 für Audi) und Boris Herrmann (Portimão-Global-Ocean-Race-Sieger) sind bei der Kieler Woche 2010 ebenfalls vor Ort.
Dazu kommen die Weltbesten in den zehn olympischen Disziplinen, der paralympischen Disziplin 2.4 mR, den Startern in 15 Internationalen Klassen, der Deutschen Seesegelmeisterschaft, den Offshore-Regatten in sechs Einheitsklassen, den Marinekuttern und der Windjammerparade. Das alles zusammen ist die größte Regattaveranstaltung der Welt. 5.000 Teilnehmer, 2.000 Boote, 400 Starts, 50 Nationen, 40 Klassen, zehn Bahnen, neun Tage.
Das Programm:
Olympischer Teil/Isaf Sailing World Cup (19. bis 23. Juni)
Traditionell stark besetzt ist das Starboot-Feld. Dort treffen die deutschen Hoffnungen Alexander Schlonski/Frithof Kleen (Rostock), Robert und Philipp Stanjek (Berlin), die frischgekürten Europameister Johannes Polgar/Markus Koy (Hamburg) und Johannes Babendererde/Timo Jacobs (Lübeck/Kiel) auf Ausnahmesegler wie Robert Scheidt (Brasilien), der zweimal olympisches Gold und zweimal olympisches Silber holte, Fredrik Loof (Schweden/zweimal olympische Bronze), Xavier Rohart (Spanien/2004 Bronze in Athen) und den Vorjahressieger aus Kiel Mark Mendelblatt (USA) mit John van Schwarz (USA). Mendelblatt ist nicht der einzige Kieler-Woche-Sieger 2009, der seinen Titel verteidigen will.
Im 470er werden es Sime Fantale/Igor Marenic (Kroatien) versuchen. Die Kroaten gewannen 2009 alles, was es zu gewinnen gab. Neben dem Kieler-Woche-Titel siegten sie bei der Europameisterschaft und Weltmeisterschaft. Der australische Goldmedaillengewinner von Qingdao Malcolm Page ist zu Mathew Belcher ins Boot gestiegen und gehört genauso wie Lucas Zellmer/Heiko Seelig (Berlin/2009 Vize-Europameister) zu den Favoriten in Kiel.
Im Finn bekommt es der Kieler-Woche-Titelverteidiger Rafal Szukiel (Polen) mit dem amtierenden Weltmeister Jonas Høgh-Christensen (Dänemark), dem amtierenden Europameister Ivan Gaspic Kljakovic (Kroatien), dem Silbermedaillengewinner von 2008, Railey Zach (USA), und dem Silbermedaillengewinner von 2004 und Weltmeister von 2007 Rafael Trujillo (Spanien) zu tun. Die deutschen Hoffnungen liegen auf den Schultern von Jan Kurfeld (Warnemünde).
Im Laser ruhen die deutschen Hoffnungen auf den Europameisterschafts-Vierten Philipp Buhl (Sonthofen) und Simon Grotelüschen (Kiel), der bei der Europameisterschaft vor Tallinn Platz sieben belegte.
Im Laser Radial wird die Amerikanerin Paige Raily (amtierende Europameisterin) versuchen, ihren Kieler-Woche-Sieg zu wiederholen. Eine starke Konkurrentin ist die Bronzemedaillengewinnerin von 2008 Lijia Xu (China). Neben den Kielerinnen Franziska Goltz und Lisa Fasselt dürften die DSV-Offiziellen besonders auf Chiara Steinmüller (Berlin/nach 2009 zum zweiten Mal die deutsche Hoffnung bei den Isaf-Jugend-Weltmeisterschaften in der Türkei/8. bis 17. Juli) und Constanze Stolz (Düsseldorf/vertritt Deutschland bei den Olympischen Spielen der Jugend in Singapur/14. bis 26. August) achten.
Neben den vier ausländischen Kieler-Woche-Siegern von 2009 gehen auch die drei deutschen wieder ins Rennen. Lennart Briesenick-Pudenz/Morten Massmann (Flensburg) sicherten sich 2009 das Gelbe Trikot im 49er, Moana Delle (Kiel) siegte auf dem RS:X-Surfbrett und Heiko Kröger im 2.4mR.
Moana Delle und die 49er-Crew haben dabei starke Konkurrenz aus dem eigenen Land. Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann (Kiel/49er) möchten Deutschland genauso bei den Olympischen Spielen 2012 vertreten wie die Silbermedaillengewinnerin von 2000 auf dem RS:X-Brett Amelie Lux. Und dieser Zweikampf auf dem RS:X-Surfbrett dürfte besonders interessant werden. Beide Surferinnen aus Kiel haben dasselbe Ziel vor Augen: Olympische Spiele 2012 vor Weymouth (England). Die Kieler-Woche-Siegerin des Vorjahres und Jugend-Weltmeisterin von 2007 Moana Delle ist zurzeit wohl die Nummer eins in Deutschland. Doch die Silbermedaillengewinnerin von 2000 Amelie Lux (Kiel/33) will es noch einmal wissen. Was Michael Schumacher in der Formel 1 kann, kann Amelie Lux im olympischen Surfen schaffen. Nach einem reduzierten Trainingsjahr 2010, Lux ist in der 21. Woche schwanger, will sie ab Mitte 2011 das Ziel Olympische Spiele anpeilen.
Internationaler Teil (24. bis 27. Juni)
Ab Donnerstag, 24. Juni, geht es dann in 15 internationalen Klassen um Kieler-Woche-Ehren. Besonders groß ist der Andrang im 420er mit über 160 Meldungen. Auch die Nachwuchsklasse 29er ist stark vertreten. Hier ist der mitveranstaltende Verein Kieler Yacht-Club das Maß der deutschen Dinge. Ob die Kieler auch dem internationalen Vergleich standhalten, wird sich zeigen. Und nach der Kieler Woche gibt es für Jule und Lotta Görge bei der Isaf-Jugend-WM (Istanbul/8. bis 17. Juli) die zweite Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Die Zwillinge setzten sich in der deutschen gemischten Ausscheidung souverän gegen die konkurrierenden Jungs und Mädchen durch.
Im 505er kommt es zum ewig jungen Duell der Kieler-Woche-Spezialisten. Wie im Vorjahr ergibt sich das Aufeinandertreffen der Kieler-Woche-Giganten Wolfgang Hunger (17 Siege) mit Vorschoter Julien Kleiner und Jacob und Jørgen Bojsen-Møller (16), die bisher die meisten Kieler-Woche-Siege hamsterten. Mit Jens Findel/Johannes Tellen (Kiel), den Brüdern Martin und Rainer Görge (Kiel) sowie den Weltmeistern von 2007 Morten Ramsbæk/Jan Saugmann (Dänemark) und Meike Schomäker (mit Hungers langjährigem Vorschoter und 505er-Fachmann Holger Jess vom Wittensee) sind allerdings zahlreiche Crews im Rennen, die den Dauerkonkurrenten das Spiel verderben können. Neue Konkurrenz erwächst im 505er mit der Nachwuchscrew Florian Kemper/Michael Krause (NRV/KYC/Hamburg). Die Deutschen Meister im 49er bekommen die „Five“ von der Klassenvereinigung gestellt. „Wir möchten dem Nachwuchs dabei helfen, in die Klasse einzusteigen“, so Klassenboss Jürgen Waldheim (Berlin).
Ein Wiedersehen gibt es zudem mit der nationalen Klasse Kielzugvogel, die ihr 50-jähriges Bestehen feiert. „Es war der klare Wunsch der Klasse, wieder in Kiel dabei zu sein. Daher haben wir den Antrag gestellt, als Jahresklasse aufgenommen zu werden. Und es hat geklappt“, freut sich Kielzugvogel-Klassenboss Jürgen Reichardt (Essen).
Offshore-Teil (19. bis 26. Juni)
Die Wiederaufnahme des traditionellen Auftaktes nach Eckernförde, die zweite Hälfte der Deutschen Seesegelmeisterschaft und die eigene Bahn für Einheitsklassen kennzeichnen den Offshore-Bereich der Kieler Woche. Nach vierjähriger Abstinenz kehrt die Kieler Woche damit zum alten Ritual zurück und startet am Samstag von Kiel nach Eckernförde. „Eckernförde ist sehr froh und glücklich, wieder ein Teil der Kieler Woche zu sein", freute sich Bürgermeister Jörg Sibbel, „und unser Landprogramm wird die Segler überzeugen."
Nach dem ersten Teil der IDM der Seesegler vor Helgoland folgt die Inshore-IDM im Rahmen des Kiel-Cups (Montag, den 21. Juni, bis Mittwoch, 23. Juni). Geplant sind an die neun Up-and-Down-Wettfahrten. Kiel war bereits 1996, 1997, 2000, 2003 und 2008 Austragungsort der Seesegel-IDM.
Ein völlig neues Angebot gibt es an die One-Design-Yachten der Seebahn, die weniger Spaß an den Langstrecken, den Offshore-Regatten, haben. Für X-99, CB 66, J 80, Melges 24, Streamline und Albin Express wird auf dem Sektor Foxtrott eine Extrabahn ausgelegt. Die Sieger dieser Regatten dürfen neben den drei Siegern in den ORCi-Klassen erstmals auch um den Kaiserpokal kämpfen. Alle Kiel-Cup-Sieger werden am Mittwoch bei einer Känguru-Regatta gegeneinander antreten. Gestartet wird nach Berechnung versetzt: zunächst die langsamsten Yachten, zum Schluss die schnellsten. Wer zuerst im Ziel ist, hat den Kaiserpokal und damit die Kieler Woche der Seeregatten gewonnen.
All das ist inzwischen Routine, aber zur Ruhe setzen sich die Veranstalter nicht. Und während die Kieler Woche 2010 auf Hochtouren läuft, werden schon die Weichen für 2011 gestellt. Dann endet der Isaf Sailing World Cup in Kiel, dann ist die Farr-30-EM integrierter Bestandteil der Kieler Woche, und die Kieler Woche zählt zum dreiteiligen Ausscheidungsmodus für die deutsche Nationalmannschaft (zusammen mit Weymouth und der Klassen-WM).
Regattatermine der Kieler Woche 2010
19.—23. Juni: olympische Klassen/Isaf Sailing World Cup
470er, 49er, 2.4mR open, Damen Matchrace/Elliott 6m, Finn-Dinghy, Laser, Laser radial W, Neil Pryde RS:X, Starboot
24.—27. Juni: Internationale Klassen
29er, 420er, 505er, Contender, Drachen, Europe, Flying Dutchman, Folkeboot, Formula 18, H-Boot, Hobie 16, J 24, OK-Jolle, Platu 25; Kielzugvogel
19.—26. Juni: Seebahn
19.—20. Juni: Welcome Race von Kiel nach Eckernförde und zurück (ORC-Club, ORCi)
19.—23. Juni: Kiel-Cup Foxtrott: (X-99, Streamline, Albin Express, J-80, Melges 24, CB 66) 21.—23. Juni: Kiel-Cup Alpha: ORC (ORCi) / IDM-Seesegeln (Inshore)
23. Juni: Kaiserpokal (Finalwettfahrt aller Kiel-Cup Gruppen)
24.—25. Juni: Silbernes Band, Langstrecke (ORCi, ORC-Club)
26. Juni: Senatspreis, Mittelstrecke (ORCi, ORC-Club)










