America's Cup
Überzeugende Vorstellung
Das America´s Cup Team von Larry Ellison ist als einziges noch ungeschlagen. Bis jetzt haben die Mannen um Chris Dickson eine überzeugende Leistung abgeliefert. Technisch nicht so erdrückend wie befürchtet, dafür aber seglerisch sehr stabil.
Besonders unter Druck, wenn das Team hinten lag, schaffte es mehrfach noch die Wende. Dabei half ein schnelles Boot, aber mehr noch gute Taktik. Dabei hatten Kritiker gerade das personelle Gefüge in Frage gestellt. Würde Ellison, der immer an Bord ist, wieder das Personalkarussell drehen sobald es einmal eng wird? Würde Chris Dickson die Nerven verlieren, wenn seine Mannschaft Fehler macht?
Bisher war das nicht der Fall. Dabei knirschte es durchaus im Gebälk. Kaum zwei Jahre ist es her, dass Taktiker John Kostecki aussortiert wurde. Und als in der Folge Chris Dickson wieder das Ruder übernehmen wollte, hatte auch Steuermann Gavin Brady genug.
Plötzlich wurde es knapp in der Afterguard. Auf dem Markt gab es nur noch wenige Profis, die in Frage kamen. Team New Zealand Taktiker Bertrand Pacé wurde mehr in die Pflicht genommen. Und der Däne Sten Mohr stieß neu zum Team.
Kritiker hatten geglaubt, und vielleicht gehofft, dass bei BMW Oracle wieder die bekannte hire and fire Politik einsetzten würde. Außerdem hieß es, Chris Dickson könnte als CEO, Skipper und Steuermann des Teams überlastet sein. Wenn das so ist, merkt man es bisher nicht.
Vielmehr scheint es sogar, als funktioniere die Afterguard gerade unter Druck sehr gut. Ein Faktor dafür ist Gavin Brady, der Taktiker. Nachdem er das Team im Ärger verlassen hatte ist er inzwischen wieder in dieser Position zurück. Er verdrängte Bertrand Pacé.
Es hieß, der gute Kontakt zu Larry Ellison habe das ermöglicht. „Ich hatte immer eine gute Beziehung zu Larry“, bestätigt Brady im Interview mit YACHT online. Im vergangenen Jahr coachte er den Boss, um dessen Steuerkünste zu verfeinern. Im vergangenen Jahr nahm Ellison mit Brady als Taktiker sogar am World Tour Match Race in San Francisco teil und machte eine überraschend gut Figur. Das brachte dem Oracle Chef viel Respekt.
„Es war klar, dass Larry mich gerne auch auf dem Cupper sehen wollte“, sagt Brady. „Aber nach den schlechten Ergebnissen in 2005 wollte er auch eine deutliche Änderung sehen.“ Deshalb musste Kostecki gehen. „Aber ein Großteil des Problems hatte auch mit dem Boot zu tun. Unser gutes Schiff die 76 war in dem Marseille-Sturm beschädigt worden. Die 71 funktionierte einfach nicht so gut.
Aber ich stand immer mit Chris in Kontakt auch als ich nicht mehr zum Team gehörte. Schließlich sind wir in Neuseeland fast Nachbarn und befreundet. In meiner Jugend bin ich häufig gegen ihn gesegelt.“
Während seiner Abwesenheit von BMW Oracle segelte Brady viel im Transpac 52 Zirkus. Unter anderem mit Russell Coutts als Taktiker. „Die Tür zum Team war immer offen, aber wir mussten erst eine neue Position für mich finden. Denn es war schon klar, dass Chris steuern wollte. Ich lebe ja nicht im Fantasieland.“
Das Opfer war Bertrand Pacé. Aber Brady beteuert: „Ich arbeite eng mit Bertrand zusammen. Er ist einer der besten die ich kenne. Er macht einen super Job für uns.“ Die Ergebnisse bestätigen, dass es tatsächlich gut läuft. Besonders die Siege in den engen Rennen geben dem Team viel Selbstvertrauen.
Zumal auch der zweite Steuermann Sten Mohr nicht auf die Stimmung drückt. Der ehemalige Weltranglisten-Erste kann mit seinem unverhofften, späten Engagement zufrieden sein, und macht beim Inhouse-Training dem Vernehmen nach eine gute Figur.
Die gute Nachricht für die Gegner: Unschlagbar erscheint BMW Oracle nicht. Die Geschwindigkeit ist gut, aber nicht hoffnungslos überlegen. Die Amerikaner, die ihre Neukonstruktion, den Mast ohne die oberste Saling (Jumper), einsetzen, haben aber auch noch nicht ihre Schokoladenseite zeigen können. Die wird sich eher im oberen Windbereich zeigen.










