America's Cup
Übel mitgespielt
Es läuft nicht gut für das United Internet Team Germany. Nun kommt auch noch Pech dazu. Im Rennen gegen die Franzosen wurden sie das Opfer eines Schiedsrichter-Fehlers. Das hat Chief Umpire Brad Dellenbaugh verlautbart, der Bruder von Team-Germany-Taktiker Dave.
Es geht um das Duell gegen Areva Challenge, als Team Germany nach einem intensiven Wendeduell mit 19 Wenden auf der ersten Kreuz zum Überholmanöver angesetzt hatte. Die Franzosen wollten die Deutschen daran hindern, hinter ihrem Heck zu passieren und auf die rechte Seite zu gelangen.
Sebastian Col wendete vor dem Bug von Jesper Bank. Der Däne luvte an und kollidierte mit dem Franzosen und erhielt von den Schiedsrichtern eine Strafe aufgebrummt. „Die Schiedsrichter erkannten später, dass die Entscheidung falsch war“, sagt Brad Dellenbaugh, der selber nicht das Rennen gepfiffen hat.
Die Fehlentscheidung sei auf die falsche Bedienung des neuartigen Lichtsystems zurückzuführen, dem so genannten Umpire Signal System (USS). Bei dieser Auflage des America´s Cups wurde erstmalig eine Box auf jedem Cupper installiert, über die die Schiedsrichter mit den Seglern kommunizieren.
Das funktioniert so: Wenn die Umpire zum Beispiel meinen, ein Team hätte rechtzeitig eine Überlappung zum Gegner hergestellt und dadurch Luvrecht erhalten, drücken sie auf ihrem Motorboot einen Knopf. Dann leuchtet auf beiden Yachten ein Licht auf, und die Skipper wissen, wer ausweichen muss und wer Wegerecht hat.
Im Fall des Deutsch-Französischen Duells waren sich die beiden Schiedsrichter darüber einig, dass Bank das Luvrecht also die Vorfahrt erhalten hatte. Sie wiesen den dritten Mann auf dem Boot an, den entsprechenden Knopf zu drücken mit den Worten „no 17.1“ – so heißt die Regel. Der überhörte allerdings das „no“ und drückte den falschen Knopf.
Die Regeln sehen aber vor, dass die Schiedsrichter entsprechend der Situation entscheiden müssen, die das Signalsystem anzeigt. Deshalb mussten sie Bank den Penalty geben. „Das Luvmanöver kam so schnell, dass sie das USS Lichtsignal nicht korrigieren konnten“, sagt Dellenbaugh.
„Aber danach war ihnen klar, dass sie einen entscheidenden Fehler begangen hatten. Sie fragten über Funk, ob man das Rennen abbrechen könnte. Aber das geht in diesem Fall nicht. Deshalb gaben sie einige Zeit später den Franzosen einen Penalty und hoben damit die Bestrafung für die Deutschen auf.“
Obwohl auch diese Korrektur laut Dellenbaugh eigentlich nicht möglich war – die Schiedsrichter hätten bei ihrer Fehlentscheidung bleiben müssen – half die Entscheidung den Deutschen nicht mehr. Denn das gelbe Blinklicht auf dem Umpire-Boot, das den Penalty anzeigt, erlosch erst auf der zweiten Kreuz.
Da hatten Team-Germany-Taktiker Dave Dellenbaugh schon die Deckung der zurückliegenden Franzosen aufgegeben, um einen möglichst großen Vorsprung herauszusegeln. Etwa 130 Meter sind nötig, um den Strafkreis so zu absolvieren, dass man danach noch vor dem Gegner liegt. Er musste das Risiko eingehen, um die nötigen Meter zu gewinnen. Aber der Versuch schlug fehl. Der Wind drehte stark, Team Germany geriet in Rückstand und verlor.
Wolf Dietz, der für das deutsche Team mit dem Vorfall befasst war, ärgert sich. „Da wurde uns übel mitgespielt. Aber man kann nichts gegen die Tatsachenentscheidungen unternehmen. Wir haben daraus gelernt, dass wir noch mehr auf diese Lichtbox achten müssen. Bei dem Luvmanöver hatte das niemand getan. Sonst hätten wir die Kollision wohl vermieden.“










