America's Cup
Team Germany auf Eis gelegt
Dem Streit der Milliardäre Bertarelli und Ellison um die Art der Fortführung des America's Cups fielen jetzt auch die deutschen berechtigten Ambitionen zum Opfer. Die Verträge sämtlicher Mitarbeiter enden am 31. März und werden nicht verlängert. Diese Entscheidung trafen die drei Hauptsponsoren United Internet, die Audi AG und Porsche Consulting angesichts der rechtlichen Unsicherheiten im laufenden 33. Cup-Zyklus bei ihrem Krisengipfel am Montag in Ingolstadt.
"Wenn man nicht segeln kann, macht es keinen Sinn, Segler zu haben", erklärte Teamsprecher Michael Mronz der YACHT, "Es gibt angesichts der Rechtsstreitigkeiten und der ungewissen Zukunft einfach zu viele Fragezeichen. Wir haben keine Grundlage, auf der wir weitermachen könnten. Es ist ja noch nicht einmal klar, ob es 2011 oder noch später mit mehr als einem Herausforderer weiter geht."
Die bittere Entscheidung birgt aber laut Mronz auch eine positive Botschaft: "Für die Zukunft haben sich alle drei Partner klar dazu bekannt, weitermachen zu wollen. Eine bessere Aussage lässt sich angesichts des Theaters derzeit nicht treffen."
Sportchef Jochen Schümann hatte bis zuletzt für den Weiterbetrieb des Teams gekämpft, das nun vorerst ohne Anstellung und ohne Heimatbasis dasteht. Der zweimalige America´s Cup-Sieger sagte der YACHT: "Es ist hart, ohne Training und Entwicklung weiter nach vorne zu kommen. Die Entscheidung unserer Partner ist verständlich, aber nicht richtig und für uns als Team natürlich schwer zu akzeptieren."
Eine Kerntruppe in Schümanns Team bemüht sich seit Monaten intensiv um Alternativ-Projekte für die Saison 2008. Im Gespräch ist eine Grand Prix-Serie auf den bisherigen America´s Cup-Yachten der Version V in mehreren europäischen Hafenstädten nach dem Vorbild des 2006 mit großem Erfolg vor Kiel ausgetragenen German Sailing Grand Prix sowie mögliche Einsätze auf der TP52 "Platoon" des Hamburger Unternehmers Harm Müller-Spreer.
"Kommt die Grand Prix-Serie zustande und ist attraktiv, dann gibt es seitens der Partner durchaus Interesse, dort mitzumachen", stellte Mronz in Aussicht. Das Basiscamp der deutschen Mannschaft in Valencia wird aber vorerst geschlossen. "Wir sind dort ohnehin nicht mehr Mieter, sondern von der Stadt Valencia nur noch geduldet."
Die Hoffnungen auf eine Grand Prix-Serie noch in diesem Jahr hält Team Germanys Marketing-Chef Mirko Gröschner, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, indes für berechtigt: "Es gibt Interesse von vier europäischen Veranstaltern. Der erste will noch nicht genannt werden, die anderen sind Kiel, Triest im segelbegeisterten Italien und natürlich Valencia." Diese Städte sehen sich laut Gröschner in der Lage, 2008 Grand Prix-Regatten auszurichten. Das Interesse von nationalen Sponsoren an der Mitwirkung sei sehr groß.
"Die offene Baustelle sind eher die Teams, jedes ist ob der schwierigen Lage und der ungewissen Zukunft in einer unterschiedlichen Situation. Ich bewerte die Chancen für die Grand Prix-Serie aber trotzdem als sehr, sehr gut." Laut Gröschner gibt es auch Anfragen neu entstehender Cup-Teams zur Teilnahme an den Grand Prix-Veranstaltungen.
Im rechtlichen Ringen um die Macht im America´s Cup zwischen Cup-Verteidiger Alinghi und dem US-Segelrennstall BMW Oracle Racing wartet die Segelwelt nun schon mehr als einen Monat auf eine Entscheidung des am Obersten New Yorker Landesgericht zuständigen Richters Herman Cahn, der ursprünglich ein schnelles Votum in Aussicht gestellt hatte. Seine Entscheidung jedoch ist in jedem Fall berufungsfähig und so könnte sich der erbitterte Streit zwischen den Cup-Giganten noch Monate hinziehen.
Für zusätzliche Komplikationen sorgte eine von Team New Zealand in der vergangenen Woche gegen Alinghi eingereichte Schadenersatzklage in zweistelliger Millionenhöhe. Die Klage gilt sogar unter Alinghi-Kritikern als moralisch bedenklich, denn es war ausgerechnet Alinghis Eigner und Boss Ernesto Bertarelli, der Team New Zealand die Teilnahme an der letzten 32. Cup-Auflage mit einem privaten Millionen-Darlehen erst ermöglichte. Team Germany hingegen hegt derzeit keine Absichten, Team New Zealand auf diesem Weg zu folgen und ebenfalls Schadenersatz zu fordern.










