Regatta

Sternstunde für Scheidt/Prada

13.07.2009 Pascal Schürmann, Fotos: Rolex Baltic Week - Starboot-EM: Geglückte Revanche für Silbermedaillengewinner von Qingdao

Fotograf: © Rolex Baltic Week
Europameister Scheidt/Prada

Stehende Ovationen während der Rolex Baltic Week 2009 für die neuen Segeleuropameister im Starboot Robert Scheidt und Bruno Prada. Vor Kiel verwies das unter brasilianischer Flagge segelnde Duo die Olympiasieger Iain Percy und Andrew Simpson aus Großbritannien auf Rang zwei. Beste Deutsche waren die fünftplatzierten Lübecker Johannes Babendererde und Timo Jacobs.

Insgesamt 89 Crews hatten in der ältesten olympischen Bootsklasse fünf Tage lang vor Kiel-Schilksee ihren neuen Europameister ermittelt. Am Ende trennten gerade einmal fünf Punkte die drei Top-Teams vor dem letzten Rennen.

Das entschieden mit Sekundenvorsprung Babendererde/Jacobs für sich, dicht gefolgt von Lööf/Tillander vor Scheidt/Prada sowie Percy/Simpson. Für viele rief das Erinnerungen an das spannende Medaillenrennen der Olympischen Spiele 2008 wach.

Die strahlenden Sieger aus Südamerika, die für Verwirrung sorgten, weil die weltoffene Starbootklasse kontinentale Titelträger von überall zulässt, genossen das Blitzlichtgewitter im feinen Ambiente der Rolex Baltic Week. Scheidt und Prada erhielten nicht nur die Oskar-Meier-Trophäe, sondern jeder auch eine Rolex-Armbanduhr.

"Es war eine großartige Regatta mit den härtesten Rennen seit August 2008", so der Steuermann, "viel Wind und starke Gegner verlangten uns auf dem Wasser alles ab."

Die Überlegenheit der Crews auf den Podiumsplätzen beeindruckte auch die Verfolger. "Ab Platz vier beginnt bereits die Silberflotte", meinte Johannes Babendererde. Mehr als 40 Punkte separierten das unglaubliche Trio vom "Rest der Welt".

"Wir drei puschen uns gegenseitig bis ans Limit", versuchte Fredrik Lööf eine Erklärung für die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Stare, "das stachelt alle regelrecht an." Fredrik Lööf und Johan Tillander aus Schweden waren am Ende punktgleich mit Percy/Simpson auf dem dritten Platz gelandet. Obwohl er sich wieder "nur mit Bronze" zufrieden geben musste, weil er in der detaillierten Endabrechnung einen vierten Platz weniger als die Briten zu Buche stehen hatte, war der Steuermann zufrieden. Lööf: "Mit einem neuen Vorschoter sofort wieder in der absoluten Weltspitze mitzumischen, verblüfft mich selbst."

Um an die Leistung der Top-Teams anzuknüpfen, ist es für die einheimischen Hoffnungsträger noch ein Stück. Dennoch: Zwei Crews unter den Top Sechs untermauert, dass die so genannte Königsklasse schon immer eine deutsche Domäne war.

Babendererde und Jacobs haben nicht zuletzt durch ihren Tagessieg am Ende und einen zweiten Platz zu Beginn Kontakt zur Weltspitze aufgenommen. Dass sie beinahe drittbeste Europäer geworden wären, was die A-Kader-Förderung des Deutschen Segler-Verbands (DSV) ab 2010 bedeutet hätte, trübte deren Bilanz nicht. "Natürlich hätten wir das gerne in Kiel klar gemacht", meinte Johannes Babendererde, "aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben."

„Das ist ein wunderbares Ergebnis für die beiden“, freute sich auch die designierte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner für das junge Team aus Lübeck. „Ich habe schon vermutet, dass sie nach den letzten guten Ergebnissen hier vor Kiel punkten würden, doch auch ich war überrascht, dass es gleich so gut lief - meinen Glückwunsch!“

Auch die Titelverteidiger Robert Stanjek (Berlin) und Markus Koy (Hamburg) vom NRV Olympic Team beeindruckten Stegenwalner mit Platz sechs: „Das war ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Jahreshöhepunkt Weltmeisterschaft und ganz sicher eine hervorragende Motivation dafür.“

Das drittbeste deutsche Team musste nach wechselvoller Serie mit Platz 23 zufrieden sein: Die Neueinsteiger Johannes Polgar und Tim Kröger aus Hamburg konnten nach Licht und Schatten erst am letzten Tag mit einem dritten Rang glänzen und ihre Möglichkeiten andeuten. „Ich hätte mir für die Mannschaft ein besseres Ergebnis gewünscht, aber die beiden segeln erst seit kurzem gemeinsam und sind neu im Starboot. Sie haben mit schönen Einzelergebnissen gezeigt, was in Zukunft möglich sein könnte.“

Eine schwarze Serie erlebten nach zuletzt herausragenden Ergebnissen Alex Schlonski (Rostock) und Frithjof Kleen (Berlin), die nach zwei Frühstarts und Materialpech mit Platz 28 nicht zufrieden waren. „Eine Serie zum Vergessen“, sagte Vorschoter Kleen, „das wollen und müssen wir bei der Weltmeisterschaft in Varberg besser machen.“

Stegenwalner, die sich als EM-Teilnehmerin auf dem Wasser ein Bild vom Leistungspotenzial der DSV-Teams machen konnte, sagte: „Diese beiden haben ebenfalls mit guten Einzelergebnissen gezeigt, was sie drauf haben. Sie sind als Team noch nicht lange dabei, und es ist bei dieser Serie einfach nicht gut für sie gelaufen, aber da ist sicher noch einiges zu erwarten.“

Ende Juli gibt es die nächste Chance auf eine A-Kader-Qualifikation bei der WM in Varberg/Schweden.

Endstand der Rolex Baltic Week/Starboot-Europameisterschaft 2009
1. Robert Scheidt/Bruno Prada (Brasilien) 18 Punkte
2. Iain Percy/Andrew Simpson (Großbritannien) 22
3. Fredrik Lööf/Johan Tillander (Schweden) 22
4. Flavio Marazzi/Enrico de Maria (Schweiz) 63,5
5. Johannes Babendererde/Timo Jacobs (Lübeck) 64
6. Robert Stanjek/Markus Koy (Berlin/Hamburg) 66
7. Mark Mendelblatt/Mark Strube (USA) 69
8. Xavier Rohart/Pierre Alexis Ponsot (Frankreich) 56
.
23. Johannes Polgar/Tim Kröger (Hamburg) 145
.
28. Alexander Schlonski/Fritjof Kleen (Rostock/Hamburg) 191
29. Alexander Hagen/Kai Falkenthal (Hamburg/Kiel) 193

Die vollständige Ergebnisliste unter www.rolex-baltic-week.com

Impressionen von der Regattabahn gibt es hier.

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