Kieler Woche

Hungers Rekordfahrt ist eingeläutet

21.06.2012 Tatjana Pokorny, Fotos: Christophe Favreau, okPress - Nicht Jochen Schümann oder Willy Kuhweide, sondern Wolfgang Hunger ist König der Kieler Woche. Und Laser-Ass Buhl greift nach KiWo-Titel 2

Kieler Woche
Fotograf: © Christophe Favreau
Hunger/Kleiner wollen es wissen. Ein Sieg in der 505er-Klasse wäre Hungers 20.

Seit heute jagt er wieder einmal seinen eigenen Rekord: Wolfgang Hunger will zum 20. Mal die Kieler Woche gewinnen. Im 505er tritt er mit Vorschoter Julien Kleiner an. Die KiWo-Flotte der schnellen Gleitjollen ist mit 52 Teilnehmern gut besetzt, die Starter kommen aus sieben Nationen. Hungers Eröffnung konnte sich sehen lassen: Der Routinier startete mit zwei Tagessiegen und einem zweiten Rang blitzschnell in die Serie vor der eigenen Haustür.

Man konnte es am Donnerstag in Kiel erleben: Der siebenmalige Weltmeister Hunger ist immer noch hungrig. Dabei hat er die neun Kieler-Woche-Siege von Jochen Schümann und die zehn Kieler-Woche-Titel von Willy Kuhweide längst überflügelt. Als vorletzten Rekordhalter überholte Hunger 2008 die 15 Siege von Gerd Eiermann. Dann gruben ein paar findige Rechercheure noch weiter im Archiv und ermittelten, dass der dänische Flying-Dutchman-Steuermann Jorgen Boisen-Møller mit 16 Siegen in der Statistik führte. Auch diese Bestmarke knackte Hunger 2009. Seitdem baut er seinen Vorsprung munter aus. Wer soll ihn jemals schlagen?

Hungers Wegbegleiter und Konkurrent Holger Jess, der seinen ehemaligen Steuermann im Boot von Europameisterin Meike Schomäker erneut herausfordern will, kennt die stärkste Waffe des Orthopäden und Sportmediziners aus Strande: "Wolfgang Hunger war und ist ein außergewöhnlich guter Segler, weil er verstanden hat, was beim Regattasegeln wirklich zählt: schnell sein!"

Das sei, so Hunger selbst, heute sogar noch wichtiger als zu seiner olympischen Zeit im 470er in den achtziger und neunziger Jahren, weil die Rennen heute nur noch halb so lange dauern würden. „Ich konnte damals während einer eineinhalbstündigen Wettfahrt noch nachtrimmen, die Einstellungen von Mast und Segel den Bedingungen besser anpassen, doch dafür fehlt den Seglern heute in 35- bis 45-minütigen Kurzrennen auf den knappen Bahnabschnitten einfach die Zeit. Man muss also mit optimaler Grundgeschwindigkeit in ein Rennen gehen, gerade in den kleinen olympischen Feldern, sonst kann man gleich zu Hause bleiben.“

Hunger sagt, das Regattasegeln habe ihm Selbstbewusstsein für sein Leben, Freude am Sport und viel Leidenschaft geschenkt. Seinem 20. Kieler-Woche-Sieg jagt er nicht hinterher. Weltmeistertitel stuft er bis heute als bedeutender ein und versteht seinen Kieler-Woche-Einsatz auch deswegen als gute Vorbereitung für die 505er-WM im Juli vor La Rochelle. Dennoch gehört der Kieler-Woche-Rekord zu Hungers Leben: „Über die Jahre ist er mir ans Herz gewachsen und wertvoll geworden."

Phiipp Buhl
Fotograf: © okPress
Philipp Buhl: Kann er nach dem Laser-Triumph auch im Flying Dutchman siegen?

Einen Abstecher gönnt sich Olympiateilnehmer Tobias Schadewaldt, der nach seinem Kieler-Woche-Sieg im 49er an der Seite von Hannes Baumann im 49er nun auch noch in der anspruchsvollen Gleitjolle 505er angreift. Sein Auftakt konnte sich mit Platz sechs nach drei Wettfahrten sehen lassen. Noch besser machte es Lasersegler und Kieler-Woche-Sieger Philipp Buhl, der nun mit Adalbert Netzer im Flying Dutchman ohne einen Tag Pause ein zweites Mal in rascher Folge nach dem Titel greift. Das bayerische Duo lag nach dem ersten Tag auf Platz drei.

In der Einhand-Jolle Contender lieferte sich am Donnerstag Weltmeister und Tatort-Autor Jan von der Bank am ersten Tag des internationalen KiWo-Teils ein Duell mit dem Dänen Jesper Nielsen, dass er zunächst für sich entscheiden konnte. Mit 54 Starts konnte Wettfahrtleiter Peter Ramcke an einem Kieler Kaisewetter-Tag alle geplanten Starts über die Bühne bringen. "Das war ein Traumstart", sagte Ramcke, "und wir werden wohl auch an den kommenden Tagen nicht unter Schwachwind leiden."

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