America's Cup
Segel-Krimi
Gestern sangen die Deutschen Fans im Fußballstadion „Ihr seid nur ein Möbellieferant!“ als Poldi die Schweden aus der WM schoss. Heute zeigten die Skandinavier, dass es auch wenn es mit dem Fußball etwas hapert, das Segeln ganz gut funktioniert. In einem historischen, unglaublich spannenden Rennen besiegten sie America´s Cup Verteidiger Alinghi.
Es war das Rennen des Tages. Bei herrlichen Segelbedingungen mit einer 16 Knoten starken Seebrise, zeigten die Schweden, warum sie plötzlich bei wenig Wind so langsam geworden sind. „Wir haben den Leichtwindspeed gegen Starkwindspeed eingetauscht“, sagte noch Taktiker Stefan Rahm nach der überraschenden Niederlage gegen Mascalzone Latino vor zwei Tagen eher scherzhaft.
Aber genau das scheinen die Techniker und Bootsbauer in den knapp eineinhalb Monaten zwischen Act 11 und 12 bei ihrer „Örn“ umgesetzt zu haben. Denn im Rennen gegen Alinghi konnten sie heute durchaus die Geschwindigkeit der Schweizer halten. Beim Start gerieten sie zwar sehr unter Druck, konnten aber in letzter Sekunde vermeiden, abgedrängt zu werden. Sie eröffneten das Rennen mit einem knappen Rückstand, hatten aber die rechte Seite der Bahn.
Was jetzt alle erwarteten, passierte nicht. Alinghi konnte auf der linken Seite trotz mehrfacher Wenden nicht durchbrechen. An der Luvtonne schaffte es Magnus Holmberg sogar die Champions mit einem geschicktn Stopp-Manöver zu düpieren. Er zwang seinen Namensvetter auf dem gegnerischen Boot zu zwei ungeplanten Wenden mit angebautem Spibaum und holte dabei mehr als zwei Bootslängen Vorsprung heraus.
Danach setze Alinghi im Gegensatz zu den Schweden einen symmetrischen Spinnaker, konnte den 80 Meter-Rückstand auf 50 Meter verkürzen, bis sich die Schweden mit einer Scheinhalse aus der drohenden Abdeckung lösten. Aber am Leetor holte sich Alinghi Steuermann Peter Holmberg knapp die Innenposition und drängte Victory Challenge mit einem besseren Spinnaker-Bergemanöver in die Außenkurve.
Trotzdem konnten sich die Schweden auf der rechten Seite so gut halten, dass sie eine sichere Leestellung behaupten konnten und Alinghi wieder nach links wenden musste. Bis zur Luvtonne konnten sie die Führung knapp halten bis sie auf die Steuerbordbug-Anliegelinie wendeten. Alinghi kam von links, unterwendete knapp und hielt sich parallel zu den Schweden.
In dieser Position hätte Alinghi, bei diesem Act erstmalig mit Sportdirektor Jochen Schümann an Bord, den Zweilängenkreis in der Außenkurve erreicht und hinter Victory gerundet. Deshalb versuchte Steuermann Peter Holmberg aus einer starken Position die Schweden in drei spektakulären Luvmanövern auszubremsen. Aber die zeigten eine perfekte Bootsbeherrschung und behielten so viel Geschwindigkeit im Schiff, dass sie in Luv über die Schweizer rutschen konnten und als erste die Luvmarke rundeten.
Trotz der Hektik gelang ihnen auch ein erstklassiges Spisetz-Manöver, so dass sie weitere zehn Meter zwischen sich und die Angreifer bringen konnten. Alinghi holte mit seinem symmetrischen Spinnaker aber wieder bis auf eine Bootslänge auf und wartete mit dem finalen Angriff auf die Halse der Schweden. Denn die ist mit einem asymmetrischen Spi langsamer, weil der flatternd vor dem Vorstag geschiftet wird.
Die Schweden setzten zu diesem Manöver an, Alinghi ging mit, aber wieder war es nur eine Scheinhalse. Victory drehte das Heck nicht durch den Wind, sondern segelte weiter auf die linke Seite des Vorwindkurses, Alinghi steuerte alleine nach rechts. Und dort wurden aus 40 Meter Rückstand 120 Meter.
Jubelnd rissen die Schweden ihre Arme nach oben und feierten ihren historischen Sieg. Ein toller Tag für die Skandinavier, insbesondere weil sie im zweiten Rennen des Tages ein fast eben so knappes Rennen gegen die starken Südafrikaner gewannen. Erst als Schosholoza bei einem Luvmanöver unter Spi eine Leine brach, sicherten die Schweden einen 35 Sekunden-Sieg.
Jochen Schümann sagt nach der Niederlage: „Unser eigentlicher Fehler war, dass wir beim Start nicht wie geplant die rechte Seite bekommen haben. Wir wussten, dass der Wind nach rechts drehen würde und so konnten wir auf der linken Seite nicht den nötigen Vorsprung herausholen, der nötig gewesen wäre, um vor den Schweden zu passieren. Dieser kleine Fehler wirkte sich auf das gesamte Rennen aus.
Wir kamen nie nach rechts, weil Victory diese Seite immer blockieren konnte. Und bei den Chancen, die sich uns im Verlauf des Rennens boten, sind wir nicht volles Risiko gegangen. Vielleicht haben wir das ein wenig zu leicht genommen. Aber jetzt ist das passiert, was ich immer sage, was aber niemand glauben will. Wir sind nicht so schnell, dass wir um die anderen herumfahren können. Wenn wir nicht gut segeln, sind auch wir schlagbar.“
Das deutsche Team hatte nach einer deutlichen Niederlage gegen Neuseeland im ersten Rennen überraschend gute Karten gegen die Italiener von Luna Rossa. Nach einem unorthodoxen Vorstart, bei dem Jesper Bank mehrfach um das Startschiff kreiselte, gelang zwar kein optimaler Start etwas zu spät in Lee vom Gegner. Aber nach einer starken Linksdrehung war Team Germany zurück im Spiel und hatte plötzlich sogar eine Führung von 68 Metern, die zum ersten Gewinn eines „first cross“ führte. Die Deutschen passierten vor den Italienern.
Aber nach mehreren Wenden, mit denen Bank die rechte Seite deckte, drehte er eine Wende zu nah am Gegner und erhielt einen Penalty. Als nach einem verunglückten so genannten dial-down-Manöver nahe der Luvtonne, die Italiener auch noch die Innenposition erreichen konnten, war das Rennen verloren.
„Da haben wir die Anliegelinie etwas falsch getroffen“, sagt Jesper Bank. Aber die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Tim Daase, zweiter Vorschiffsmann, sagt warum: „Endlich hatten wir mal ein spannendes Rennen, bei dem wir lange gut mithalten konnten.“
Flight Seven
1
Luna Rossa beat Areva Challenge
DELTA 00.43
2
Emirates Team New Zealand beat United Internet Team Germany
DELTA 01.59
3
Desafío Español 2007 beat Mascalzone Latino-Capitalia Team
DELTA 01.20
4
BMW ORACLE Racing beat +39 Challenge
DELTA 00.48
5
Victory Challenge beat Alinghi
DELTA 00:21
6
Shosholoza won, China Team did not finish
CHN DNF
Flight Eight
1
Luna Rossa beat United Internet Team Germany
DELTA 02.00
2
Mascalzone Latino-Capitalia Team beat Areva Challenge
DELTA 01.02
3
Emirates Team New Zealand beat Desafío Español 2007
DELTA 00.43
4
BMW ORACLE Racing won, China Team did not start
CHN DNS
5
Alinghi beat +39 Challenge
DELTA 02.03
6
Victory Challenge beat Shosholoza
DELTA 00.35
1.Platz
Emirates Team New Zealand (NZL 84) 8 Siege
2
Alinghi (SUI 75) 7
2
BMW ORACLE Racing (USA 87) 7
2
Luna Rossa Challenge (ITA 86) 7
5
Mascalzone Latino-Capitalia Team (ITA 77) 5
6
Desafío Español 2007 (ESP 88) 4
6
Victory Challenge (SWE 63) 4
8
Shosholoza (RSA 83) 3
9
+39 Challenge (ITA 59) 2
10
Areva Challenge (FRA 60) 1
11
United Internet Team Germany (GER 72) 0
11
China Team (CHN 79) 0










