Regatta-News
Schwere See, gnadenloser Kurs
Vor gut einem Tag war es die Flaute, die sie an den Rand der Verzweiflung brachte. Jetzt hält sie eine Sturmfront vom Schlaf ab - und lässt sie um ihren Tri bangen. Dabei ist das Ziel mit weniger als 600 Meilen zum Greifen nah.
Schwer vorstellbar, was die 28-jährige derzeit durchmacht. In ihrem letzten kurzen Anruf über Satellitentelefon war im Hintergrund deutlich das Schlagen der Rümpfe in der schweren See hörbar - und die Anspannung fühlbar, unter der Ellen MacArthur derzeit steht.
Hält das Schiff, das bisher keine ernsten Ausfallerscheinungen gezeigt hat, dann muss sie nur noch sicher durch die Nacht kommen - und der Rekord ist ihr sicher: Schnellster Mensch solo nonstop um die Welt!
Dazwischen liegen jedoch horrende Seen und ein grausamer Kurs. Am Wind durch den letzten Sturm auf ihrer langen Reise. Längst segelt die Britin konservativ, um nicht unnötig Bruch zu riskieren. Doch auch mit durchgerefftem Groß und Stagfock sind die Bedingungen gnadenlos. Hinter den bereits an die 5 Meter hohen Wellen fällt B&Q Castorama, der 75-Fuß-Tri, regelrecht ins Bodenlose. Deshalb ist an Schlaf nicht zu denken.
Als sie vor 48 Stunden hinter den Azoren fast zum Stillstand kam, war es der Mangel an Wind und der damit einhergehende Ausfall der Autopiloten, der sie ans Ruder und weg von ihrer Koje zwang. Jetzt bringt sie der Sturm aus ihrem Schlafrythmus.
Auch wenn die Meldungen ihres Shore Teams allzu dramatisch klingen und das ohnehin furiose Finale unnötig dramatisieren - die nächsten Stunden heißt es noch einmal Daumendrücken. Ab morgen dann erwartet Ellen ruhigeres Wetter. Verglichen mit der bevorstehenden Nacht verheißt es "easy cruising" bis ins Ziel.
Die Zeit von Francis Joyon wird mit Sicherheit fallen, sehr wahrscheinlich um 2 Tage. ETA derzeit irgendwann Montag.










