Jacques Vabre

Rumpfschaden: "Concise 2" gibt auf

08.11.2011 Dieter Loibner, Fotos: Alexis Courcoux, Mirabaud, Gamesa Sailing Team - Es war wild auf dem Atlantik, und mehr als ein Drittel des Feldes hat bereits aufgegeben. Gestern erwischte es die sensationellen Youngsters

Transat Jacques Vabre
Fotograf: © Alexis Courcoux

Schluss mit Rauschefahrt: Bei „Concise 2" traten Sprünge im Rumpflaminat auf, die die beiden führenden Engländer zur Aufgabe zwangen

Sie waren die Sensation, die beiden jungen Briten Sam Goodchild, 21, und Ned Collier-Wakefield, 23. Vom Start weg waren sie in der Class 40 stets ganz vorn dabei, hatten einen Sturm mit fast 70 Knoten Wind abgewettert und waren sogar in Führung gegangen. Dann brach das Boot. Vielmehr erlitten sie den Modeschaden dieser Tage: Risse im Rumpf, hervorgerufen durch das Vollgasfahren in aberwitzig hohen Seen.

Transat Jacques Vabre
Fotograf: © Mirabaud

Hut ab: Der Open 60 „Mirabaud" brettert mit Motorboot-Speed die Wellen runter, dabei sind nur zwei Segler an Bord, die steuern und Strippen ziehen

Früher hätte man bei Mörderwind und -wellen beigedreht, doch heute gibt es keine Auszeit mehr. Also: Durch auf Gedeih und Verderb. Wenn das Schiff hält, gut. Wenn nicht, heißt’s im besten Fall reparieren. Oder den nächsten Hafen anlaufen. Oder gleich den Rettungshubschrauber bestellen, wie die Crew von „Cheminées Poujoulat”, einem der gestrauchelten Favoriten der Imoca-60-Klasse mit Skipper Bernard Stamm.

Transat Jacques Vabre
Fotograf: © Gamesa Sailing Team

Routine: Jean-Pierre Dick hat dieses Rennen schon zweimal gewonnen und liegt bei den Open 60 derzeit in Führung

Auch wenn „Concise 2” nicht mehr regattatauglich ist, war sie fit genug, um unter Stagsegel Kurs auf die 120 Meilen entfernten Azoren zu nehmen. Natürlich dominierte bei den beiden Seglern erstmal Enttäuschung, weil sie um den Lohn ihrer Mühe gebracht wurden und den Kampf um die Führung mit der Aufgabe des Rennens bezahlen mussten. Und wie zum Hohn wurde dann auch das Wetter besser.

„Verheerend”, war der Kommentar Goodchilds. „Es war lange mein Traum … Zweite für die längste Zeit, dann sogar in Führung gegangen … das schmerzt umso mehr.” Als schwacher Trost bleibt die Anerkennung der gezeigten Leistung und die Gewissheit, dass man von diesen beiden sicher noch einiges hören wird.

Deutschlands Class-40-Teilnehmerin Anna Maria Renken segelte mit Jakica Jesih auf „Gust Buster” mit stark reduzierter Segelfläche tapfer auf Platz 10 einher. Über den offiziellen Pressedienst ließ Renken mitteilen, Konservierung der Kräfte sei erstes Gebot, um die nächsten Fronten abwettern zu können. „Wir müssen nach Süden, um aus diesem Schietwetter zu kommen und auf das Boot und uns selbst aufpassen. Um den Platz werden wir uns Gedanken machen, wenn wir im Ziel sind.” Bis dorthin, in Puerto Limon in Costa Rica, haben sie noch etwa 3.800 Meilen vor sich.

Bei den Class 40 liegt derzeit „Aquarelle.com” mit Yannick Bestaven und Eric Drouglazet vorn, während bei den Imoca 60 das Duo Jean Pierre Dick/Jérémie Beyou auf „Virbac-Paprec 3“ führt. Der Vorsprung auf Alex Thomson/Guillermo Altadill auf „Hugo Boss” betrug beim letzten Positionsreport gestern 8,3 Meilen. Bei den beiden Multi-50-Trimaranen macht „Actual” das Rennen.

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