Personalie
Olympia-Aus für Schümann
Der Traum von einer Olympiamedaille wird ein Traum bleiben. Die Berlinerin segelte vor zwei Jahren in China als Vierte denkbar knapp am Edelmetall vorbei. 2012 wollte sie erneut angreifen, sah jetzt jedoch keine reelle Chance mehr, in die Weltspitze vorzustoßen.
Schümann hat erkannt, dass die ins Visier genommene dritte Olympiakampagne nicht auf einem für sie akzeptablen Niveau durchzuhalten ist. Die vom Weltseglerverband neu gewählte Disziplin Matchrace für Frauen auf wenig verbreiteten Booten vom Typ Elliott 6m hält Schümann für „realitätsfern“. Sie urteilt auf Basis eigener Erfahrungen: „Das System bietet Neueinsteigern kaum Chancen zum Aufstieg, ist nicht olympiawürdig.“ Aber auch ohne die Matchrace-Einführung wäre das Grundproblem geblieben: „Es war immer hart, eine erfolgreiche Olympiakampagne zu stemmen. Doch jetzt ist es verdammt hart geworden. Es funktioniert heute nur noch als Vollprofi in Vollzeit mit anständigem Budget. Das können nur die allerwenigsten leisten.“
Mit Schümann tritt eine der erfolgreichsten Sportlerinnen ab, die der deutsche olympische Segelsport je hatte. Drei Mal wurde sie Vize-Weltmeisterin, zweimal nahm sie Kurs auf Olympische Spiele. Einmal blieb sie wider Erwarten in der nationalen Ausscheidung hängen, verlor 2004 das Duell gegen Dauerrivalin Kristin Wagner. Dafür revanchierte sie sich vier Jahre später, qualifizierte sich in der Yngling für die Olympischen Spiele 2008. Ihr furioser Endspurt aber kam nach missglücktem Auftakt in chinesischen Gewässern zu spät. Es blieben die Holzmedaille für Platz vier und unvergessliche Eindrücke. „Es gibt nicht viele Menschen, die es zu den Spielen schaffen. Für mich wird der Einlauf ins Olympiastadion immer als magischster Moment meiner Segelkarriere in Erinnerung bleiben“, sagte Schümann nach dem wichtigsten Wettbewerb ihres Lebens.
Die ehemalige Aktivensprecherin bewies ihre Leistungsstärke auch abseits der olympischen Bühne: Im Herbst 2007 siegte sie bei der YACHT Meisterschaft der Meister auf der Hamburger Außenalster.
Ihrer Hamburger Matchrace-Rivalin Silke Hahlbrock, die nach dem Rücktritt Schümanns die Olympischen Spiele 2012 nun ohne Konkurrenz im eigenen Land ansteuert, sagt Schümann jede erdenkliche Unterstützung zu: „Wenn Silke meine Erfahrung nutzen möchte, werde ich da sein. Ich hatte die Chance, auf hohem Niveau trainieren zu dürfen. Da gibt es einige Tricks zu verraten.“
Es ist ein Abschied mit Wehmut. „Es ist auf der einen Seite schön, auf eine so erfolgreiche Karriere zurückblicken zu dürfen. Auf der anderen Seite ist es ein seltsames Gefühl, den olympischen Zirkus nach so langer Zeit zu verlassen. Ich freue mich aber darauf, mich nun auch anderen Herausforderungen des Lebens zu stellen. Segeln wird in meinem Leben trotzdem immer eine wichtige Rolle spielen.“
So wie vom 19. bis 24. Mai, wenn sie erstmals im Match Race Germany startet. Auf dem Bodensee tritt Schümann über Pfingsten im Grand Prix von Deutschland als Außenseiterin im Kampf gegen Matchrace-Welt- und Europameister an. Das Steuer überlässt sie Kathrin Kadelbach, mit der sie im vergangenen Jahr die Deutsche Matchrace Meisterschaft im gemischten Feld überzeugend gewann. Schümann selbst übernimmt die Rolle der Taktikerin. „Eine spannende Aufgabe, auf die ich mich riesig freue“, sagt Schümann.
Ein Interview mit Ulrike Schümann zu ihrem Ausscheiden veröffentlicht die YACHT in Ausgabe 8/2010, die ab 31. März am Kiosk erhältlich ist.










