News
Nur noch eine Medaillenchance
Marc Pickel und Ingo Borkowski mussten heute ihre Medaillenträume begraben. Es besteht zwar noch eine theoretische, aber sehr unrealistische Medaillenchance im Starboot. Besser sieht es für Johannes Polgar und Florian Spalteholz aus.
Ihnen fehlen zwar acht Punkte auf Bronze, doch das sind im doppelt gewerteten Medalrace nur vier Plätze. So, wie es bisher bei den Tornados gewürfelt hat, ist das durchaus machbar, auch wenn das Duo gleichzeitig auf die Verfolger achten muss. Theoretisch kann selbst die jetzt achtplatzierte Mannschaft noch Bronze holen.
Wesentlich besser wäre die Ausgangslage gewesen, wenn Polgar/Spalteholz nicht in der ersten Tageswettfahrt Pech gehabt hätten. Sie führten nach dem ersten Vormwindgang auf dem zweiten folgte dann der Knockout: von Platz zwei fielen sie auf Rang 13 zurück.
"Das war mein größtes Powererlebnis dieser Spiele", sagte Steuermann Polgar sichtlich geschafft an Land. "Wir sind einfach stehen geblieben. Bis dahin lief alles gut, wir waren auf der richtigen Seite, unser Konzept ging auf. Auch als es passierte, lagen wir eigentlich gut, hatten frischen Wind, die nachfolgende Konkurrenz hatte die Marke schon etwas überstanden, alles sah sicher aus. Dann sind wir komplett stehen geblieben, alle fuhren vorbei."
Auch in der dritten Tageswettfahrt führten Polgar/Spalteholz bis nach der zweiten Kreuz, mussten dann noch zwei Konkurrenten passieren lassen. Für das morgige Medalrace hofft Polgar: "Vielleicht haben wir Glück, sind lachender Dritter, wenn die anderen vor uns taktieren. Es ist auch mehr Wind angesagt, das würde uns liegen." Bei der Anspielung auf den Segel-Thriller der 49er lacht er: "Für die Zuschauer wäre das gut, und wenn das Ergebnis das gleiche ist, schlage ich sofort ein."
Allein diese beiden Wettfahrten zeigen, wie schwierig das Revier Fushan-Bucht ist. Wäre es bei den beiden ersten Plätzen geblieben, würde die Mannschaft jetzt auf Platz zwei, nur zwei Punkte hinter den Führenden rangieren.
Deshalb konnte sich Polgar auch nicht über die jetzige Ausgangsbasis freuen: "Wenn uns vorher jemand angeboten hätte, dass wir vor dem Medalrace vierte sind, hätte ich das angenommen. Jetzt aber fühlt sich dieser Platz komisch an."
Eine der größten Niederlagen dieser Spiele mussten die Österreicher Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher hinnehmen, und auch dies ist ein Indiz dafür, wie schwierig die Bedingungen waren. Als zweimalige Goldmedaillengewinner angereist, erreichten sie mit Platz zehn gerade noch das Medalrace, aber auch wenigstens die Bronzemedaille können sie nicht mehr erreichen.
Eine ähnliche Bilanz wie bei den Tornados können auch Marc Pickel und Ingo Borkowski ziehen. Würde man nur die besten Einzelergebnisse jeder Wettfahrt zählen, lägen sie jetzt auf Rang drei. "Hätte, wenn und aber — was nützt das jetzt?" lautete Pickels Kommentar. Sichtlich enttäuscht musste er nach einem Blick auf das Gesamtklassement realisieren: "Keine Chance! Was sollen wir da machen, das haben wir heute vergeben. Bronze wäre das neunte Weltwunder."
Zum Bronzeplatz fehlen 15 Punkte, acht Plätze. Rechnerisch wäre zwar noch eine Medaille drin, aber realistisch ist diese Rechnung nicht. Dabei wäre viel mehr möglich gewesen.
In der ersten Tageswettfahrt war das Duo nach der Startkreuz fünfte, wurde zehnter. In der zweiten Wettfahrt führten sie sogar an der Luvmarke, es reichte aber nur zu Platz sechs, zwischenzeitlich war es sogar rang zwölf. "Es waren heute die Vormwindgänge", so Pickel. Der Kurs lag nicht symmetrisch und wir hatten starken Strom. Man musste an der Luvmarke sofort halsen, konnte dann bis zum Leefass auf diesem Bug durchfahren. Zweimal hatten wir jedoch nach der Luvmarkenrundung jemanden in Lee, konnten nicht sofort halsen, mussten zwei, drei längen weitersegeln. Das reichte schon. Dieses Revier bestraft jeden Fehler sofort, wir wurden heute zweimal bestraft."
Die Serie von Pickel/Borkowski gleicht einem Jojo. Bis zur sechsten Wettfahrt wechseln sich die Rennen, in denen Plätze gewonnen wurden regelmäßig mit denen ab, in denen Gegner vorbei zogen. Dann der Bruch. Ab der siebten Wettfahrt war die Zielplatzierung immer schlechter als die beste Position an einer Bahnmarke, zwischenzeitlich gut gemachtes konnte nicht gehalten werden. In einem Weltklassefeld wie bei den Starbooten reicht es dann am Ende nicht. Ein kleiner Trost bleibt vielleicht die Tatsache, dass die Entscheidung gegen das selbst entwickelte und gebaute Leichtwindboot die richtige war. Trainingspartner und Mentor John Dane III, der das Boot übernahm, hat mit Platz elf das Medalrace verpasst.
So bleibt den deutschen Kielbootseglern nur das Motto: "Wir werden unser persönliches Medalrace segeln."
Neben dem für Deutschland interessanten Renngeschehen gab es heut zwei Medaillenentscheidungen. Jian Yin holte bei den Surferinnen das erste Segelgold in der Geschichte der Olympischen Spiele für China. Italiens Darling Alessandra Sensini erweiterte ihren Medaillensatz von einer Gold- und zwei Bronzemedaillen um eine silberne. Bei den Männern triumphierte Weltmeister Tom Ashley und bescherte der Segelnation Neuseeland die erste Goldmedaille.










