Rekordfahrt

Nonstop nach San Francisco

17.12.2012 Johannes Erdmann, Fotos: B. Kils /New York Media Boat - "Maserati" liegt in New York auf Standby. Diesmal will die Crew auf dem Kurs der Klipper rund Südamerika segeln. Mit an Bord: Boris Herrmann

Boris Herrmann vor der Skyline von Manhattan
Fotograf: © B. Kils /New York Media Boat

Boris Herrmann vor der Skyline von Manhattan

Es ist kalt in Manhattan. Ähnlich kalt wie in Deutschland: Nachts um den Gefrierpunkt, tagsüber bis acht Grad plus. Eine Zeit, in der die meisten Segler ihre Schiffe fest verpackt im Winterlager stehen haben. Doch mitten in Manhattan, nur wenige Schritte von Ground Zero entfernt, liegt eine europäische Segelyacht im Becken der North Cove Marina. Eine Rennmaschine. Die bis an die Grenzen der Möglichkeiten gewichtsreduzierte "Maserati" von Giovanni Soldini. Der Italiener plant einen neuen Rekord: Er möchte auf den Routen der alten Handelsklipper von New York nach San Francisco segeln. Nonstop. Und dabei natürlich einen neuen Rekord aufstellen.

Für dieses Abenteuer hat er eine erstklassige Crew zusammengebracht, bestehend aus Profiseglern. Neben einer italienischen Basis-Crew hat er sich auch einige erfahrene Imoca-Segler an Bord geholt. Allen voran den Open-60-Veteranen Sebastien Audigane, der zuletzt im Barcelona World Race mit Kito de Pavant an Bord der "Groupe Bel" aktiv war. Aber auch zwei seiner ehemaligen Kontrahenten sind dabei: der Amerikaner Ryan Breymeyer und der deutsche Boris Herrmann.

Herrmann, der Mitte November noch kurzfristig nach Charleston geflogen und dort an Bord der "Maserati" gegangen ist, schreibt in seinem Blog auf borisherrmannracing.com: "Unser Ziel ist es, einen neuen Weltrekord auf der Route von New York nach San Francisco aufzustellen. 14.000 Seemeilen rund Amerika und rund Kap Hoorn." Der Klipper "Flying Cloud" stellte im Jahr 1854 eine erste Bestmarke für diese Strecke auf, die weit über hundert Jahre ungeschlagen blieb: In 89 Tagen und 8 Stunden erreichte das Schiff Kalifornien. "Navigiert wurde die 'Flying Cloud' von Elenor Creesy, der Ehefrau des Kapitäns, welche das Klima der Regionen ausgiebig studiert hatte", schreibt Herrmann weiter. Nun liegt es jedoch an ihm als Navigator, die damalige Zeit zu unterbieten.

Doch nicht nur weniger als 89 Tage unterwegs zu sein ist das Ziel – der aktuelle Rekord wurde von Yves Parlier im Jahr 1998 mit "Aquitaine Innovations" aufgestellt. Er brauchte auf diesem Open 60 nur 57 Tage und drei Stunden. "Wäre es nicht cool, wenn wir die historische Zeit der 'Flying Cloud' exakt halbieren würden?", schreibt Herrmann im Blog. "Theoretisch ist es möglich mit unserem 70-Fußer. Meine Routine-Simulationen ergeben 42 bis 48 Tage."

Die Crew für die Rekordfahrt ist fast vollzählig an Bord. Doch das Schiff wird noch mindestens zwei weitere Tage auf Standby bleiben, bis die Bedingungen passen. "Wie erwarten das passende Fenster frühestens am 19. Dezember", sagt Soldini. "Am besten wäre es für uns, wenn wir hinter einem Tiefdruckgebiet mit Nordwestwind um 25 oder 30 Knoten hinterherreiten könnten."

Während der Fahrt wird ein Tracker auf maserati.soldini.it ständig über den Fortschritt informieren.

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