Regatta-News

Noch 200 Meilen

24.08.2006 Matthias Beilken - Die ersten Minis werden in gut einem Tag im Ziel erwartet. Isabelle Joschke Zweite, nur 20 Meilen hinter dem Führenden

Neben der Tatsache, dass Miniregatten mit hochgezüchteten, aber nur sechseinhalb Meter langen Yachten gesegelt werden, kommt die absolute Isolation der Teilnehmer als Besonderheit hinzu. Strategische Entscheidungen können nur aufgrund von Vermutungen über das Wetter und die Positionen der Konkurrenz gefällt werden.

Dennoch antizipieren die vorderen Skipper Wetterszenarien, als ob sie digitale Möglichkeiten zur Totalüberwachung an Bord ihrer kleinen Boote hätten. Die deutschstämmige Isabelle Joschke beginnt ihren Endspurt deswegen auf aussichtsreicher Route.

Aus drei verschiedenen Richtungen rasen die vorderen Boote auf Les Sables d'Olonne zu: "Nord", "Halbnord" und "Mitte". Klar ist, dass im Norden mehr Wind weht und Adrien Hardy, der Sieger der ersten Etappe, auf seiner "Brossard" ihn am längsten wird nutzen können. Doch er fährt einen Umweg. Wahrscheinlich ist auch, dass beim Einsegeln der Minis in den Golf von Biskaya an der spanischen Küste weniger Wind wehen wird und den weiter südlich stehenden Minis schwer zu schaffen machen dürfte. Der bisher Führende, David Sineau auf "Bretagne Lapins", verholt sich deswegen offensichtlich auf eine etwas nördlichere Route. Sineau hat Horta mit einem Zeitvorsprung von nur rund 50 Minuten vor Joschke verlassen – Miniregatten werden nach kumulierten Zeiten gewertet –, und Adrien Hardy liegt derzeit nur drei Stunden und 23 Minuten vor Joschke.

Auf Platz 18 im Gesamtklassement (und auf Platz fünf, wenn man die Protos aus der Liste nicht mitzählt), fährt Minitransat-Aspirant Dominik Zürrer mit seinem Pogo. Da er zu den wenigen "Nordausbrechern" gehört hat, segelt er immer noch eine nördliche Route.

Der zweite deutsche Teilnehmer, Henrik Masekowitz aus Hamburg, ist den epochalen Schlenker, dem ein Serienmini zeitweilig den ersten Platz in der Gesamtwertung zu verdanken hat, nicht mitgefahren und segelt auf Platz 40 weiterhin beim Hauptfeld.

Der Grund für das Auslassen solcher strategischen Schlenker dürfte die Isolation der Teilnehmer sein. Zwar gibt es eine vorgeschriebene Funkrunde und einen Wetterbericht auf Ultrakurzwelle (UKW), den jedoch nur die Boote in Funkreichweite der sie verlesenden Begleiter empfangen können. Den Übrigen bleibt nur ein (vorgeschriebener) Kurzwellen-Rundfunkempfänger. Zwar gibt es spezielle Sendungen und Wetterberichte für Minisegler. Aber deren Interpretation hat viel mit Glück zu tun. Dann bleibt nur das – ebenfalls vorgeschriebene – Barometer. Darin, dass Miniregatten in dieser Informationsarmut abgehalten werden, unterscheiden sie sich von allen anderen Extremregatten.

Nicht vergessen werden sollte, dass der Spanier Gérard Marine auf seinem Serienboot vom Typ Pogo 2 "Escar l'escala c.n. Llanca" an siebter Stelle im Gesamtklassement liegt und etwa einen Tag Vorsprung vor dem zweiten Serienboot hat. Auch er gehört zu dem Spitzenfeld, das ab Freitagnachmittag in Les Sables d'Olonne erwartet wird.

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