Seesegeln

Neue Klassengrenzen: fairer mit CDL

02.03.2016 Lars Bolle, Fotos: Pavel Nesvadba/photonesvadba.com - Durch eine neue Einteilung der Startergruppen soll die Chancengleichheit vor allem auf der Startkreuz bei Seeregatten erhöht werden

Start zur ORCi-WM 2014 vor Kiel
Fotograf: © Pavel Nesvadba/photonesvadba.com

Start zur ORCi-WM 2014 vor Kiel. Sehr unterschiedliche Yachten sind in einer Gruppe zusammengefasst

Die Regatta Vereinigung Seesegeln (RVS) hat sich mit dem Deutschen Segler-Verband (DSV) auf neue  Klassengrenzen für 2016 geeinigt. Grundlage ist nicht mehr wie bisher das General Purpose Handicap (GPH), der durchschnittliche Zeit-Vergütungsfaktor laut ORCi-Vermessung, sondern die Class Division Length (CDL), eine längenabhängige Eingruppierung.

Anders als beim GPH gibt der CDL-Wert keine ganzheitliche Auskunft über die Leistungsfähigkeit einer Yacht, sondern bezieht sich ausschließlich auf die Performance an der Kreuz. Hierzu geht in den CDL-Wert neben der vermessenen Wasserlinie die kalkulierte Amwind-Performance einer Yacht bei zwölf Knoten Wind, entnommen aus dem ORCi-Messbrief, mit ein.

Diese Kombination aus physikalischer Größe und berechneter Leistungsfähigkeit behandelt somit das Problem von unterschiedlichen Geschwindigkeitspotenzialen und Schiffsdimensionen. Konkret bedeutet dies, dass durch die Fokussierung der Amwind-Performance zur Klasseneinteilung die Felder bei Up&Down-Regatten deutlich homogener werden.

So sollen nicht mehr wie bisher oftmals geschehen kleinere Yachten, die auf Raumschots- oder Vormwindkursen schnell sind, aber an der Kreuz langsam, mit deutlich größeren, aber an der Kreuz schnelleren Yachten gemeinsam starten. Über den Gesamtkurs könnten diese zwar annähernd schnell sein, weshalb sie bisher in einer Startgruppe zusammengefasst wurden. Eine geringere Geschwindigkeit an der Kreuz führt jedoch zu dem großen Nachteil, schon früh in den Abwinden schnellerer Yachten segeln zu müssen oder eine ungünstige Schlagwahl durch Freisegeln in Kauf zu nehmen. Diese Benachteiligung wird im GPH-Wert nicht berücksichtigt.

Durch die Eingruppierung ähnlich großer und schneller Yachten an der Kreuz in einem Start soll dieser Nachteil später als bisher zum Tragen kommen oder gar vermieden werden.

Die Auswertung der berechneten Ergebnisse ist von der Einführung des CDL-Wertes in keiner Weise betroffen, da es sich bei CDL einzig um eine Kennzahl zur Gruppeneinteilung für die Startgruppen handelt. Die berechneten Ergebnisse werden weiterhin durch die gängigen Scoring-Methoden erstellt.

Die Gruppengrenzen für deutsche ORC-Regatten 2016 lauten:

  • ORC 1:  > 11.6 m
  • ORC 2: ≤ 11.6 m –  > 9.7 m
  • ORC 3: ≤ 9.7 m –  > 8.2 m
  • ORC 4: ≤ 8.2 m

Die deutschen Gruppengrenzen orientieren sich an den Gruppengrenzen der ORCi-Weltmeisterschaft 2016 vor Kopenhagen, sind jedoch um eine zusätzliche Gruppe ORC 4 für Yachten kleiner 30 Fuß ergänzt.

"Es ist uns eine Herzensangelegenheit, die Hand zu den kleineren Yachten auszustrecken und einen Anreiz für junge, sportliche Segler zu setzen, mit ihren Yachten an ORC-Regatten teilzunehmen", so Uwe Wenzel, 1. Vorsitzender der RVS. "Gerade in einer Zeit, in der die Preise für gebrauchte Yachten deutlich sinken, bietet ORCi4 eine echte Chance für den Einstieg ins Seesegeln. Egal ob Platu 25, Banner 28, Hanse 291, Albin Ballad, X-95, Hiddensee oder oder oder: Das Angebot ist vielfältig", so Wenzel weiter.

Eine weitergehende Erläuterung zum CDL-Wert kann auf der Seite der RVS heruntergeladen werden.

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