America's Cup

Neue Drohung von Alinghi

20.03.2008 Carsten Kemmling - Alinghi sieht den 1. Mai 2009 als frühesten Renntermin, hofft aber auf Juli. Wenn BMW Oracle nicht akzeptiert, geht es wieder vor Gericht

Fred Meyer, Vice Commodore des Alinghi-Clubs Société Nautique de Genève, hat BMW Oracle in einem Brief aufgefordert, den 33. America’s Cup nach dem Mai 2009 auszusegeln. Er schreibt zwar, „Wir versuchen zu einem beiderseitigen Einverständnis zu kommen“, wenn das aber nicht funktioniere, „schlagen wir vor, so schnell wie möglich zu Richter Cahn zurückzukehren“.

Es geht um die so genannte „notice period“, die der Herausforderer laut Deed of Gift einhalten muss. Demnach hat der Verteidiger frühestens zehn Monate nach der Abgabe der Herausforderung zum Match bereit zu sein.

Der Golden Gate Yacht Club übergab sein Schreiben am 11. Juli 2007 und nannte darin das Datum 4., 6. und 8. Juli 2008, was einer „notice period“ von zwölf Monaten entspricht.

Nach der Entscheidung von Richter Cahn pro BMW Oracle im vergangenen Dezember erweiterten die Amerikaner die Periode und legten den 1., 3. und 5. Oktober 2008 als Renntage fest. „Das waren die Daten, auf die wir uns mit ihren Anwälten geeinigt haben“, sagt BMW-Oracle-Sprecher Tom Ehman.

Aber Fred Meyer schreibt, die Periode sei während der Zeit der Verhandlungen unterbrochen gewesen und habe erst wieder mit der Entscheidung von Richter Cahn am Montag dieser Woche begonnen. Sie laufe deshalb erst am 7. Januar 2009 ab.

Da die Amerikaner aber ein Rennen in der nördlichen Hemisphäre spezifiziert hätten, erlaube die Deed of Gift nur Renntage zwischen dem 1. Mai und 1. November.

„Wir haben ihnen eine Notice period von 16 Monaten statt 10 gegeben“, sagt Tom Ehman dem Online-Magazin "Daily Sail". „Nun wollen sie zwei Jahre. Wir möchten im Oktober segeln, obwohl Richter Cahn sogar klargemacht hat, das Rennen könne durchaus im Juli 2008 stattfinden. Aber wir stehen zu unserer Vereinbarung.“

Neuer Ärger ist programmiert. Ernesto Bertarelli hat schon deutlich gemacht, dass er im Oktober nicht segeln wird. Das könnte bedeuten, dass er die Kanne kampflos übergeben muss. Vielleicht baut er darauf, dass Ellison das auch nicht will. Schließlich soll der BMW-Oracle-Multihull kurz vor der Vollendung stehen. Und Ellison will ihn sicher segeln sehen.

Es gibt auch noch keine Angaben zum Ort des Geschehens. Die Deed of Gift spezifiziert nicht genau, wann der Verteidiger, den Ort bekanntgeben muss. Ehman glaubt allerdings, dass die bisherigen Interpretationen davon ausgehen, dass es „sehr bald“ geschehen müsse. Alinghi wird dieses „bald“ aber sicher sehr weit ausdehnen.

Es ist der einzige verbliebene Trumpf im Ärmel. Schließlich können sie ein extremes Leichtwindrevier aussuchen und das entsprechende Boot bauen. Oder sie entscheiden sich für Starkwindbedingungen. BMW Oracle kann mit dem Design kaum darauf reagieren.

Ehman macht jedenfalls deutlich, dass im Falle eines Sieges Ellisons Entscheidung steht, den 34. Cup in Valencia mit vielen Herausforderern austragen zu wollen.

Anfang dieses Jahres habe Russell Coutts sich mit dem spanischen König Juan Carlos getroffen und ihm einen Brief von Larry Ellison übergeben, in dem er die Absicht bestätigt, den Cup wahrscheinlich 2011, aber möglicherweise auch 2009 oder 2010 in Valencia austragen zu wollen.

Dann solle es einen konventionellen Cup mit einem fairen Protokoll wie für den 32. Cup geben, vermutlich mit den AC90-Cuppern. „Wir mögen diese Boote“, sagt Ehman. „Aber das muss man natürlich mit den Herausforderern besprechen. Wir wollen das nicht diktieren.“

Die Planung dafür müsse so schnell wie möglich erfolgen, um allen Herausforderern Planungssicherheit zu geben „Deshalb wollen wir das Ding hier auch noch dieses Jahr durchziehen.“

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