America's Cup

Moralischer Druck

26.03.2008 Carsten Kemmling, Fotos: Alinghi - Alinghi und BMW Oracle treffen sich heute zu Gesprächen in Genf, um Ort und Zeit des Cup-Matches zu verhandeln

Fotograf: © Alinghi
Tri-Spezialist Alain Gautier (l.) im Gespräch mit Ed Baird in Lorient

Es ist lange her, dass die beiden Streitparteien sich zusammen an einen Tisch gesetzt haben. Heute um elf Uhr ist es wieder so weit. Die Entscheidung von Richter Cahn, BMW Oracle als Challenger of Record zu bestätigen, hat die Karten neu gemischt.

Das bessere Blatt hält jetzt BMW Oracle in der Hand. Denn die Amerikaner sind mit dem Bau ihres 90-Fuß-Multihulls schon sehr weit fortgeschritten, während das Alinghi-Lager verlautbart, dass man in diesem Jahr auf keinen Fall segeln könne.

„Wie wir bereits klargemacht haben, sind wir nicht in der Lage, dieses Jahr ein Rennen zu segeln“, sagt SNG-Vice-Commodore Fred Meyer. Das sollte im Prinzip nicht das Problem von BMW Oracle sein. Aber Meyer sagt: „Wir sind immer davon ausgegangen, dass die Frist für die Dauer des Rechtsstreites ausgesetzt wird.“

Zehn Monate nach Abgabe der Herausforderung sollte das Match um den 33. America’s Cup starten. Und Richter Cahn hat das Datum in seiner gerichtlichen Anweisung auf den Juli 2008 festgesetzt.

Alinghi behauptet allerdings: „Die Parteien haben sich schon vor Monaten darauf geeinigt, dass die zehnmonatige Vorlaufszeit für die Dauer des Rechtstreits sistiert würde, bis ein endgültiger Beschluss feststeht und die Frist für allfällige Rekurse abgelaufen ist.

Aber wie sie es schon wiederholt getan haben, ändert der GGYC auch jetzt wieder seine Haltung, um den Cup um jeden Preis und mit allen Mitteln für sich zu beanspruchen.“

BMW Oracle bestreitet diese Absprache. Indem man den Oktober 2008 vorgeschlagen habe, sei man Alinghi sogar viel weiter als nötig entgegengekommen.

Alinghi steht mit dem Rücken zur Wand. Sollten die Amerikaner auf einem Rennen in diesem Jahr bestehen, müssten die Schweizer den Cup kampflos abgeben, wenn sie tatsächlich nicht antreten können.

Deshalb übt Alinghi jetzt moralischen Druck auf ihren Gegner aus. „Wir sind erstaunt darüber, dass Larry Ellison, der sich für einen kompetitiven Segler hält, in einem zweitklassigen Rennen segeln oder den Sieg mit juristischen Manövern erringen will“, heißt es in der gestrigen Pressemitteilung.

„Wir wollen ein würdiges Rennen im Geist des historischen Anlasses austragen.“... „Fürchten sie sich einfach davor, Alinghi auf dem Wasser gegenüberzustehen?“... „glaubt der GGYC nicht, dass er gewinnen kann, wenn die SNG eine adäquate Zeitspanne zugesprochen bekommt, um sich auf das Match vorzubereiten?“

Tatsächlich möchte BMW Oracle sicher sein Boot präsentieren. Und wenn Russell Coutts keine Verhandlungsbereitschaft zeigen würde, könnte auch die öffentliche Meinung zu Ungunsten der Amerikaner kippen. Dann hieße es, Ellison wolle sich den Cup wirklich mit allen Mitteln am grünen Tisch holen.

Aber für Coutts sind Zugeständnisse an Alinghi ein zweischneidiges Schwert. Ohne Kenntnisse über den Austragungsort und die Bedingungen konnte er nur einen Allround-Multihull in Auftrag geben.

Je mehr über die Art seines Schiffes durchsickert und je mehr Zeit Alinghi für den Bau bekommt, umso größer ist die Gefahr für Coutts, dem Gegner chancenlos gegenüberzustehen. Er wird Alinghi nur mehr Zeit im Tausch gegen Informationen über den Ort geben.

Während der Verhandlungen laufen aber bei beiden Teams die Vorbereitungen für den großen Multihull-Showdown. BMW Oracle hat bereits drei 40-Fuß-Katamarane im Einsatz. Alinghi segelt mit zwei Kats vor Valencia.

Außerdem wurde bekannt, dass die Amerikaner weiterhin mit dem führenden Multihull-Experten Frank Cammas zusammenarbeiten. Der tauchte zwar überraschend nicht in der offiziellen Crewliste auf, segelt aber in Lorient mit einem BMW-Oracle-Team auf seinem 60-Fuß-Tri „Groupama 2“. Es sind Trainingsrennen gegen „Banque Populaire“ geplant.

Und auch das Alinghi-Segelteam reiste am Dienstag vergangener Woche nach Lorient. Es segelt dort mit Alain Gautier und dessen 60-Fuß-Tri „Foncia“.

Fred Meyer: „Wir schauen dem Meeting mit BMW Oracle erwartungsvoll entgegen und hoffen, dass es gelingt, die verfahrene Situation zu lösen und so dazu beizutragen, dass ein erfolgreicher Event und eine kompetitive Regatta garantiert sind.“...

„Der wichtigste Diskussionspunkt ist das Austragungsdatum. Wenn wir uns auf ein realistisches Datum einigen können, können wir damit beginnen, einen Austragungsort zu finden und alles für die Regatta vorzubereiten.“

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