Quebec - St. Malo

"Mare" verpasst Sieg im Transat knapp

03.08.2012 Jochen Rieker, Fotos: YACHT - Sie waren als Favoriten gestartet und hatten anfangs geführt. Doch nach dem Bruch des Bugspriets blieb für Jörg Riechers & Co nur Platz zwei

Quebec - St. Malo 2012
Fotograf: © YACHT
Die Class 40 "Mare" auf den letzten Meilen nach St. Malo

Die Sieger in der Class 40 gingen schon Freitagmorgen über die Ziellinie vor St. Malo. Halvard Mabire, Mirranda Merron und Chrstian Bouroullec bestätigten ihre bestechende Form. Die drei erfahrenen Segler hatten die Spitze vor einer Woche übernommen und nicht mehr hergegeben.

Sie benötigten mit Ihrer Pogo S2 für die rund 3000 Seemeilen lange Route über den Nordatlantik 11 Tage 17 Stunden und 30 Minuten – ein Schnitt von 10,2 Knoten oder mehr als 240 Seemeilen pro Tag. Neuer Rekord!

Für Mabire ist es der zweite Triumph in Folge. Selbst die Kollision mit einer großen Meeresschildkröte in der vergangenen Nacht, die eines der beiden Ruderblätter beschädigte, konnte die grün-weiße "Campagne de France" nicht nennenswert verlangsamen.

Ein verdienter Sieg, der zudem hart erkämpft war. Denn die Bedingungen waren widrig, das Wetter ungewöhnlich kühl und nass, und die Konkurrenz in der aus vier Booten bestehenden Spitzengruppe war stark.

Bei "Mare" wäre mehr drin gewesen
Bis zuletzt hatte der an Position zwei liegende "Mare"-Skipper Jörg Riechers, der mit Konstrukteur und Class-40-Experte Sam Manuard, US-Profi Ryan Breymaier und dem französischen Mini-Transat-Segler Rémi Aubrun an den Start ging, Druck gemacht. Aber er schaffte es trotz aller Anstrengungen nicht mehr, die Lücke auf Mabire zuzufahren. Am Ende fehlten nicht einmal 20 Seemeilen. "Mare" kam anderthalb Stunden später ins Ziel – nach 11 Tagen 19 Stunden und 1 Minute.

Zwei Faktoren waren dafür verantwortlich, dass es nicht zum Sieg reichte: kleine taktische Fehler in der Anfangsphase, die zu vielen Kurswechseln und am Ende unnötigen Meilen führten. Ryan Breymaier bemerkte halb süffisant, halb genervt in einer Mail von Bord, man merke, dass hier drei Einhandsegler an Bord seien. Jeder folge seiner eigenen Taktik. Zum anderen kostete der Bruch des Bugspriets und der früh geplatzte Spi ein paar Zehntel, weshalb die "Mare"-Crew bei Leichtwind nicht das volle Potenzial des anerkannt schnellen Bootes ausspielen konnte. 

Auch wenn mehr drin gewesen wäre: Die Bilanz von Jörg Riechers ist hervorragend. Nach seinem Sieg bei der Solidaire du Chocolat (Transatlantik Ost-West) und Platz 1 im Atlantic Cup ist er der beste Class-40-Skipper der laufenden Saison. 

Quebec - St. Malo 2012
Fotograf: © YACHT
Im Urlaub zum Sieg: Christian Bouroullec

Positive Bilanz aus deutscher Sicht
Und es gibt mehr, das Mut macht. Die anderen Yachten mit deutscher Crew sind zwar noch nicht im Ziel, dennoch fällt das Fazit schon jetzt positiv aus. Axel Strauss auf der belgischen "Roaring Forty II" von Michel Kleinjans lag Freitagmittag auf einem sehr guten fünften Platz. Die "Red" von Mathias Müller von Blumencron, auf der YACHT-Autor Andreas Lindlahr mitsegelt, hat sich wieder auf Rang zehn vorgekämpft. Und Anna-Maria Renken auf "Sevenstar" lag am frühen Nachmittag nur zwei Plätze dahinter. Abgesehen davon, dass überhaupt noch nie so viele Deutsche bei einem namhaften Transat-Rennen am Start waren, stimmt also auch die Leistung.

Noch etwas scheint sicher nach dieser Neuauflage von Quebec - St. Malo. Die Class 40 hat sich zumindest in Europa als Hochsee-Regattaklasse für Profis wie Amateure vollends etabliert. Überschaubare Budgets, beherrschbare Technik, tolle Leistung: als kleine Schwester der Imoca Open 60 macht diese Klasse einfach Spaß.

Übrigens auch einem ihrer Mitbegründer: Christian Bouroullec, dem ebenso wortkargen wie schlauen Chef von Pogo Structures, der sie vor bald zehn Jahren mit ins Leben gerufen hatte. Der Bretone konnte einfach nicht widerstehen, ging im Urlaub bei Halvard Mabire an Bord – und gewann prompt. Auch eine Art, seine Sommerferien segelnd zu verbringen!

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