Regatta-News

MacArthur: "Da muss sie jetzt durch"

28.01.2005 Matthias Beilken - "B&Q" tastet sich durch die windarme Zone in der Nähe des Äquators - beachtlich schnell

Wer freiwillig in das "wabernde, pulsierende Band" ITCZ einsegelt, dem ist nicht zu helfen. Denn selbst mit modernsten Methoden können Meteorologen nur schwer vorhersagen, wann welches lokale Phänomen auftritt und wo bleiernde Flaute herrscht. Nur 100 Seemeilen nördlich von "B&Q" ist der Weg frei. Dort, so wagen die Experten zu behaupten, wird früher oder später der Nordostpassat einsetzen. "Doch 100 Meilen", so die offizielle Meldung, "können in den Doldrums Tage kosten."

Immerhin hat Ellen MacArthur "die Linie", den Null-Breitengrad, bereits überquert. Und zwar in Rekordzeit (die ITCZ liegt zur Zeit nördlich vom geografischen Äquator): Nur 60 Tage, 13 Stunden und 35 Minuten hat sie gebraucht, um den 75 Fuß großen Trimaran "B&Q" von der Ile d’Ouessant zum Äquator zu segeln - wobei sie aber vorher einmal die Welt umrundet hat. Ein Fahrtenskipper wäre wohl froh, in zwei Monaten auf direktem Weg, also von Norden kommend, den Äquator zu erreichen.

Der Rekord, den MacArthur jetzt aufstellte, ist der vorerst letzte Teilerfolg in einer langen Reihe von Bestmarken, die die Skipperin ihrem virtuellen Gegner Francis Joyon abgejagt hat. Jetzt beginnt die direkte Anfahrt aufs Ziel.

Äquator ausreisend, Meridian von Kapstadt, Kap Hoorn: Jeden von diesen legendären Wegepunkten hat Ellen relativ früher erreicht als Joyon mit dem Riesentri "Idec". Keine einzige Bestzeit ist dem "freundlichen, panikresistenten Segelgorilla", wie Joyon von Bekannten genannt wird, geblieben.

Ob der Weltrekord über alles fallen wird, ob MacArthur Joyons Fabelzeit (rund 72 Tage) ebenfalls unterbietet, steht erst im Ziel, das "B&Q" bis zum 9. Februar erreicht haben muss, fest. Im Moment sieht es gut aus. Sie liegt zwar rund anderthalb Tage vor der Zwischenzeit ihres Gegners. Weiß aber, dass Joyon im Nordatlantik sehr schnell war. Deswegen liegt die Durschschnittsgeschwindigkeit, die sie über die ganze Reise bis ins Ziel zwischen Frankreich und England retten muss, auch noch unter der von Joyon. Bedeute, dass wenn sie in den folgenden Tagen nicht besonders schnell segelt, könnte unter der Zeit von "Idec" bleiben-obwohl sie zur Zeit eindeutig vorne liegt.

"VMG" (Velocity made good) heißt die magische Zahl, die auf Ellens Website (www.teamellen.com) minütlich angegeben wird. "VMG" ist die Annäherungsgeschwindikeit zum Ziel.

Bild: Das Ziel misst das Näherkommen des Bootes - unabhängig von der Richtung, aus der das Boot kommt. Die klassische Betrachtungsweise der Wegpunkte wird also quasi auf den Kopf gestellt. Das "VMG" des Timingsystems von Offshore Challenges bezieht sich also auf den Kurs. Gerade bei auf Fahrtenyachten gängigen Instrumenten wird "VMG" oft als eine Relative auf die Windachse angegeben, bezieht sich also nur auf eine reine Amwind-oder Vormwindkreuz. "WCV" (waypoint closure velocity), "VMC" (velocity made good on course) oder "CMG" (course made good) sind Funktionen, die dem "VMG" des Scoringsystems von Offshore Challenges eher entsprechen würden.

Problem: Die magische Zahl wird auf Ellens Seite gleich zweimal angegeben. Eimal als aktueller Wert, der direkt von Bord kommt. Und einmal als rechnerischer Wert mit dem angehängten Wörtchen "required" - erforderlich. Der echnerische Wert gibt an, wie schnell "B&Q" ab jetzt im Durchschnitt segeln muss, um am Ende den Rekord zu brechen. Und dieser erforderliche Durchschnitt liegt zur Zeit noch weit über der momentanen Geschwindigkeit des Bootes. Auch wenn sie momentan vor der Zwischenzeit ihres virtuellen Gegners Francis Joyon liegt: Ob der Rest der Reise, die Zielgerade sozusagen, ausreicht, um die Durschnittsgeschwindigkeit von "B&Q" über den Wert "required VMG" zu puschen, weiß noch niemand.
Auch Ellen selbst nicht: "Ich bin sehr nervös. Zwar habe ich noch mehrere tausend Meilen vor mir. Aber die natürlichen Wetterhürden minimieren sich doch sehr. Ich bin fraióh, wenn wir aus den Doldrums raus sind".

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