DCNAC-Spezial

Last ship home

15.07.2003 Carsten Kemmling, Fotos: , D. Nerney DCNAC - Die letzten beiden Yachten haben bei der DCNAC das Ziel in Cuxhaven erreicht

Die 13,41 Meter lange Mason 44 "Frisco" von Frederick Voegeli aus Nova Scotia/Kanada

"Wir sind so froh, heil angekommen zu sein", sagt Dagmar Kaifel (47), Co-Skipperin auf der "Brigantia", einer Hallberg-Rassy 49 von der Gemeinschaft für Seefahrt am Bodensee.

Dass sie dabei im Schlussspurt noch die kanadische "Frisco" auf den letzten Platz verweisen konnte, bedeutete der Zahnarzt-Helferin nur wenig. Denn das Regatta-Ergebnis sei mehr und mehr in den Hintergrund getreten.

Schon nach vier Tagen geriet die achtköpfige Crew unter Druck, weil sich ein Segler beim Lösen einer Schot den Finger quetschte, der daraufhin geschient werden musste. Und in der Folge wurde der Segler so heftig seekrank, dass Skipper Hans Wagner den Medico-Service des Veranstalters in Anspruch nahm. Der Arzt riet per Iridium-Handy zu Valium, und nach drei Tagen Dauerschlaf konnte der Patient wieder etwas Nahrung zu sich nehmen.

"Danach zehrten die ständigen Flauten an den Nerven", erzählt Dagmar Kaifel. "Beim Bergfest lagen wir weit hinter unserem Zeitplan." Zwei Crewmitglieder plädierten schon für einen Abbruch des Rennens, weil sie nicht mehr rechtzeitig bei der Arbeit erscheinen würden. "Wir entschieden, noch zwei Tage zu warten. Als dann wieder Wind kam, beschlossen wir, das durchzuziehen."

Es habe sich gelohnt. Ihr persönliches Highlight erlebte die Co-Skipperin, als sie zwei Stunden lang bei 10 Beaufort am Ruder stand. "Das war wie auf meinem Surfbrett. Man glaubt es kaum, aber das schwere Schiff kam auf den riesigen Wellen richtig zum Surfen."

Fotograf: © D. Nerney DCNAC
Die Hallberg Rassy "Brigantia" von Bodensee an der Kreuz

Aufregung erlebte die Bodensee-Crew, als sie zuerst den Hilferuf der später gesunkenen "Monsun" auffing und Kurs auf den Havaristen nahm. Aber nach fünfstündiger erfolgloser Suche nach der Rettungsinsel erfuhren sie, dass ein Hubschrauber die Crew abgeborgen hat. Sie setzten das Rennen fort und erhielten für den Umweg eine Zeitgutschrift.

Dagmar Kaifel war schon einmal mit der ARC auf der Passatroute über den Atlantik gesegelt - kein Vergleich mit der DCNAC, sagt sie: "Es war ziemlich hart. Aber jetzt sind wir froh, es geschafft zu haben. Dumm nur, dass wir die Abschlussparty verpasst haben. Die war eigentlich unser Ziel."
Statt Feiern wird jetzt geputzt. Am Freitag übernimmt die nächste Crew das Schiff der Gemeinschaft für Seefahrt aus Lindau, um damit nach Kiel zu segeln.

Am Mittwoch treffen sich noch einmal alle Segler, die nach der offiziellen Abschlussparty angekommen sind, im Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg. Der Veranstalter hat seinen Clubabend am Mittwoch (16. Juli) ab 18 Uhr ganz ins Zeichen der DCNAC-Nachzügler gestellt. "Bei uns wird jeder, der den Nordatlantik bezwungen hat, gebührend empfangen", verspricht NRV-Vorsitzender Gunter Persiehl.

Dann bekommen die Kanadier von der "Frisco" den Preis für das "Last ship home" überreicht, die Kopie eines Van-Gogh-Gemäldes. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der "Frisco" nach 30 Tagen und 16 Stunden betrug 4,9 Knoten. Zum Vergleich: Die Kieler "Uca" als schnellste Yacht kam auf 11,3 Knoten.

Nachdem zehn Yachten das Rennen aufgeben mussten, erkämpfte sich die Schlusslicht-Crew berechnet immerhin noch den 49. Platz von 53 gewerteten Teilnehmern. In dieser Wertung nimmt endgültig die "Isola Bella" das Tabellenende ein. "Wir haben damit gerechnet, etwa 30 Tage zu segeln", sagte Frederick Vögeli, Skipper der "Frisco", "immerhin sind wir ja das langsamste Schiff mit dem niedrigsten Rennwert gewesen. Schade nur, dass das Willkommensbier mittlerweile warm geworden ist."

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