Eurosaf Sailing Cup

"Laser reloaded": Die Finn-Welle rollt

24.05.2014 Tatjana Pokorny, Fotos: DLR/Guilain Grenier - Philip Kasüske hat die Delta Lloyd Regatta vor Medemblik gewonnen und die aufstrebende junge deutsche Finn-Gruppe ins Rampenlicht geführt

Delta Lloyd Regatta 2014
Fotograf: © DLR/Guilain Grenier

Deutschland vor Holland: So wie in diesem Bild (mit Eike Martens in Führung) begann die Regatta, und so endete sie auch. Mit einem Sieg für Martens Teamkollegen Philip Kasüske, der den großen Favoriten und Olympia-Vierten Pieter-Jan Postma in dessen Heimatrevier düpierte

Delta Lloyd Regatta 2014
Fotograf: © DLR/Guilain Grenier

Nach starkem Auftakt mussten die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel mit Platz sieben zufrieden sein

Die Felder bei der Delta Lloyd Regatta vor Medemblik waren nicht gut besetzt. Eine positive Ausnahme bildete das Starterfeld der 49er, in dem Erik Heil und Thomas Plößel nach anfänglicher Führung mit ihrem neuen Boot Platz sieben belegten. Auch im Finn-Dinghi fehlten viele Größen der Szene. Und dennoch: Der Berliner Philip Kasüske vom Verein Seglerhaus am Wannsee hat mit seinem überraschenden Sieg demonstriert, dass die neu formierte junge deutsche Finn-Gruppe auf dem Weg nach oben ist. Immerhin konnte der 19-Jährige den Olympia-Vierten Pieter-Jan Postma in dessen Heimatrevier auf Platz zwei verweisen – eine starke Leistung! Und das im Stile eines Meisters, denn Kasüske gewann das Medaillenrennen mit kluger Taktik und besserer Bootsgeschwindigkeit souverän, hielt den furios angreifenden Postma bis ins Ziel in Schach und verwies den wesentlich erfahreneren Niederländer dadurch auch in der Gesamtwertung mit zwei Punkten Vorsprung auf den zweiten Platz. Platz drei ersegelte der Australier Jake Lilley. Den deutschen Erfolg machte Eike Martens (22) vom Norddeutschen Regatta Verein mit Platz fünf komplett. 

Delta Lloyd Regatta 2014
Fotograf: © DLR/Guilain Grenier

Ließ sich vom Olympia-Vierten Pieter-Jan Postma nicht einschüchtern: Philip Kasüske besiegte den Niederländer im Medaillenrennen und im Gesamtklassement

Kasüske und Martens waren stark in die von leichten Winden geprägte Serie eingestiegen, hatten abwechselnd die ersten drei Rennen gewonnen und die internationalen Beobachter damit schwer beeindruckt. Die beiden Deutschen lagen nach den ersten beiden Wettfahrttagen auf den Plätzen eins und zwei. Postma, dem leichte Winde weniger entgegenkommen, musste von Platz drei aus angreifen, übernahm zwischendurch die von allen erwartete Führung, die ihm im Schlussspurt aber von Kasüske wieder entrissen wurde, denn der ließ sich vom Holländer nicht beeindrucken.

Per Baggøe, neuer Coach der deutschen Finnsegler, beobachtete und unterstützte seine Schützlinge bei ihrem Einsatz aufmerksam. Mit dänischen Seglern hatte Baggøe bereits vier Olympiamedaillen geholt, bevor er seine neue Aufgabe in Deutschland Ende 2013 übernahm. Kasüske und Martens waren erst im vergangenen Oktober in die neu formierte Finn-Gruppe eingestiegen. Das 2006 von Finnsegler und Weltmeister André Budzien und weiteren Mitstreitern gegründete Finn Team Germany ist ihre neue Heimat. Es soll jungen ehrgeizigen Seglern den Weg an die Spitze des olympischen Leistungssports bahnen.

Eike Martens sagte nach den ersten beiden Tagen in Holland: "Wir sind jetzt fünf Mitglieder im Finn Team Germany, und wir sind zu Hause in Deutschland ziemlich gut, doch im internationalen Vergleich müssen wir uns verbessern. Heute ist ein Tag, der uns zeigt, dass es funktionieren kann." Martens sagte weiter: "Vielleicht schafft es einer von uns noch nach Rio, doch ich denke, dass es ein steiler Weg wird. Wir werden möglicherweise 2020 ins Visier nehmen müssen."

Delta Lloyd Regatta 2014
Fotograf: © DLR/Guilain Grenier

Delta Lloyd Regatta 2014: Eike Martens holt Platz fünf

Coach Per Baggøe erklärte: "Das Finn Team Germany ist ein Langzeitprojekt. Wir haben keine hundertprozentige Sicherheit für 2016, denn ich bin nicht sicher, ob es uns gelingt, schon bei diesem Mal das Land für die Teilnahme zu qualifizieren. Doch es kann klappen, wenn sie sich weiter so verbessern. Ich denke, dass sie schon bald in die Top 20 vorstoßen werden, wenn sie so weitermachen." Baggøes Kampfansage an die Konkurrenz haben seine Schützlinge in Holland mit ihren bemerkenswerten Ergebnissen Nachdruck verliehen. Da geht wieder was bei den Finns, die so lange im Schatten anderer deutscher Segler auf der Stelle traten.

Medemblik-Sieger Kasüske sagte: "Das Finn Team Germany ist eine tolle Unterstützung und eine sehr gute Gruppe. Wir arbeiten intensiv zusammen. Das hilft uns, besser zu werden. Wenn du alleine bist, musst du viel härter und länger für eine Verbesserung arbeiten. Wir pushen uns gegenseitig, und das klappt gut."

Der Neubeginn der Geschichte der Finnsegler erinnert sehr an die Anfänge des Aufstiegs der deutschen Lasersegler: Simon Grotelüschen, Malte Kamrath und Philipp Buhl waren die drei Musketiere, die sich als Gruppe in die Weltspitze vorgearbeitet hatten. Simon Grotelüschen krönte seine inzwischen beendete Karriere mit Platz sechs bei den Olympischen Spielen 2012. Heute zählt der WM-Dritte Philipp Buhl zu den größten deutschen Hoffnungsträgern für die Olympischen Spiele 2016. Zwar fehlt es dem Sonthofener nach den Rücktritten von Grotelüschen und Kamrath an ebenbürtiger Konkurrenz in der Heimat, doch bemüht er sich um Ausgleich dieses Mankos mithilfe der Bildung internationaler Trainingsgruppen.

Nun scheinen die deutschen Finnsegler nach langer Durststrecke endlich am Zug zu sein. Baggøe erklärt: "Ich bin nicht total, sondern angenehm überrascht darüber, wie gut sie hier gesegelt haben. Wir haben sehr viel trainiert, und es ist erst die dritte Regatta, an der wir gemeinsam teilnehmen. Natürlich wollen wir immer besser werden. Die Basis stimmt jetzt: Wir haben neue Boote und neue Segel. Wenn wir die Geschwindigkeit haben, dann sind in kleinen Feldern wie hier schon gute Ergebnisse möglich. Es ist gut für sie, wenn sie mit Postma und Lilley mithalten können."

Hinter dem Projekt der jungen Finn-Gruppe stehen das Finn Team Germany, Per Baggøe in Diensten des Deutschen Segler-Verbandes, der Heinz Nixdorf Verein und das Sailing Team Germany im Schulterschluss. Über Coach Per Baggøe sagt Eike Martens: "Er arbeitet etwas anders als die anderen deutschen Trainer. Er kommt aus Dänemark. Wir haben viel Spaß mit ihm und uns sehr verbessert. Ich denke, er ist ein guter Coach, und ich hoffe, dass er auch in den kommenden Jahren unser Trainer bleiben wird. Er ist entspannt und lässt uns auf unsere Weise und nicht nach strikten Vorgaben an Verbesserungen arbeiten. Deshalb funktioniert es."

Kasüske ist gleicher Meinung: "Per Baggøe hat sehr viel Erfahrung. Es mag im Finn Leute mit spezialisierterem Wissen geben, doch er ist ein wirklich guter Coach. Er sagt uns, dass wir segeln sollen, wir wir es am besten können. Er sagt uns nicht, wohin wir segeln oder was wir tun sollen, sondern gibt uns alle Basisinformationen. Am Ende müssen wir immer alle selbst entscheiden, was wir tun und wohin wir auf dem Wasser segeln." Kasüske gehört das Schlusswort nach dem Sieg beim Eurosaf Champions Sailing Cup: "Wir verbessern uns mit jeder neuen Regatta. Ich hätte nicht gedacht, dass wir schon so gut sein können."

 

 

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