America's Cup

Kommt Schümann?

03.05.2007 Carsten Kemmling, Fotos: Ivo Rovira Alinghi - Abbruch wegen drehender Winde in Valencia. Der achte Segeltag von achtzehn ist ausgefallen. Zeit für Spekulationen um die Zukunft von Team Germany

Fotograf: © Ivo Rovira Alinghi
Feiert Schümann bald für Deutschland?

Es gibt vier Möglichkeiten, warum Segelregatten nicht stattfinden können. Flaute und Sturm hatten wir schon. Heute waren es zu stark drehende Winde. Morgen könnte es Eisgang sein. In Valencia wird nichts mehr ausgeschlossen.

„Der Wettfahrtleiter hatte keine Chance, eine Bahn auszulegen“, sagt Team-Germany-Coach Lutz Patrunky. „Der Wind drehte zu stark, weil zwei Gewitter nacheinander durchzogen.“ Dieses Szenario hatte laut Wetterberater Meeno Schrader eine Wahrscheinlichkeit von wenigen Prozent. Eigentlich waren konstante Winde erwartet worden. Aber in Valencia läuft derzeit alles schief.

Deshalb bleibt genug Zeit für Spekulationen. So diskutiert die deutsche Journaille derzeit über die Zukunft von Team Germany. Kommt Schümann oder nicht? Das ist die große Frage.

Aber genauso klar ist, dass sie zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten kann. Schümann selbst hält sich bedeckt. Er kann die Frage auch kaum noch hören. Was soll er sagen? Er ist bei Alinghi angestellt und seine derzeitige Aufgabe ist der Gewinn des Cups. Er ist zu sehr Profi, um sie aus dem Auge zu verlieren.

Teamchef Michael Scheeren sagt zwar gegenüber YACHT online: „Ich stehe mit Jochen Schümann in Kontakt.“ Gespräche haben stattgefunden. Aber die können naturgemäß wenig konkret sein. Klar, dass Schümann der Wunschkandidat ist. Der Mann bringt alles mit, was dem deutschen Team fehlt.

Aber der deutsche Vorzeige-Segler muss schon klare Argumente vorgelegt bekommen, um sich auf so ein Abenteuer einzulassen. „Die Struktur muss stimmen“, sagte er schon im YACHT Interview. Soll heißen, die Schlüsselpositionen müssen erstklassig besetzt sein. Besonders die Design-Abteilung.

Die Frage ist, was macht Jesper Bank, wenn Schümann kommt? Er hat einen Vertrag bis Ende des Jahres. Und kommt Schümann, wenn Jesper Bank noch da ist? Die beiden beteuern immer wieder, dass sie Freunde sind. Aber wenige können sich vorstellen, dass sie zusammen in einem Team arbeiten könnten.

Bank sagte zwar gestern beim Pressebrunch im Deutschen Haus: "Wir wünschen uns doch alle, dass Jochen Schümann kommt. Das hier war schon immer seine Kampagne. Ich war doch nur der Stellvertreter." Er würde sich auch mit einer Nebenrolle zufrieden geben. Er müsste nicht unbedingt am Steuer stehen. Aber was soll er auch sagen?

Syndikatchef Michael Scheeren stärkt seinem Skipper jedenfalls den Rücken. „Seit Jesper nicht mehr so viele Aufgaben hat, läuft es viel besser.“ Dave Dellenbaugh hat einige Bereiche des Dänen übernommen. Auch auf dem Wasser. Der Amerikaner sagt Bank jetzt als Taktiker, wo er hinsegeln soll.

Das geht nicht immer gut, wie im Rennen gegen Areva, funktionierte aber in den ersten Duellen der Round Robin besser als noch vor einem Jahr bei den Act Match Races. „Ich bin nie in dieser Rollenverteilung gesegelt“, sagt Bank. „Es ist eine andere Art zu segeln. Ob ich jetzt besser steuere, kann ich aber nicht sagen.“

Zumindest im Vorstart passte es bisher äußerst selten. Die Genialität, die man vielleicht von einem zweifachen Olympiasieger hätte erwarten können lieferte Bank bisher nicht. „Das stimmt. Aber ich kann mir nicht vornehmen, genial zu sein, und dann klappt es“, sagt der Däne.

Viel liegt auch an dem Boot. Es beschleunigt schlecht. Da hat es der Steuermann schwer im Vorstart zu glänzen. Häufig kann der Gegner früh Druck aufbauen. Und wenn dann noch zweifelhafte Penalties verteilt werden, geht gar nichts mehr.

Für Michael Scheeren ist der Fall klar: „Wir liefern teilweise gute Rennen ab. So große Nachteile mit der Geschwindigkeit haben wir nicht, auch wenn etwas mehr Speed natürlich helfen würde. Dennoch liegen absolut neben dem Plan. Ich habe mich auch schon gefragt, warum bekommen wir nicht auch mal ein paar Rennen geschenkt? Ist das nur fehlendes Glück? Nein, ich denke das sind einfach die fehlenden fünf Prozent, die uns auf jedem Gebiet fehlen.“

Jetzt werde vor allem ein guter Sportdirektor gesucht. Das könnte natürlich Jochen Schümann sein. Und die Chancen steigen, wenn es stimmt, dass er vielleicht gar nicht bei Alinghi an Bord sein könnte. Aber erst nach dem Cup Finale besteht die Chance, etwas Konkretes zu berichten.

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