Segeln olympisch

Kiter auf der Zielgeraden abgefangen

10.11.2012 Tatjana Pokorny, Fotos: @Marina Könitzer, Marina Könitzer, Archiv/privat - Der Welt-Seglerverband hat sich in seiner Wankelmütigkeit selbst übertroffen: Olympiapremiere der Kiter geplatzt, Surfer wieder auferstanden

Das Tauziehen zwischen Surf- und Kitesport um den Olympiastatus für 2016 ist beendet. Die Generalversammlung der Weltseglerverbandes Isaf hat im irischen Dun Laoghaire alle vorherigen Verbandsbeschlüsse zugunsten der Kiter im Mai und an den vergangenen Tage revidiert und unwiderruflich pro Surfsport und RS:X-Brett für Männer und Frauen entschieden. Damit ist den RS:X-Surfern und -Surferinnen das olympische Comeback in letzter Minute doch noch geglückt, während der Kitesport seine Hoffnungen auf eine olympische Premiere 2016 begraben muss. Ein Kompromissvorschlag, beide Disziplinen in das olympische Programm einzubinden, fand im Verband keine Mehrheit.

Während einigen Kitern die Tränen über das Gesicht liefen, atmeten die Surfer nach langem Bangen auf. Laut jubeln mochte nach dieser mehrmonatigen Achterbahnfahrt der Gefühle kaum jemand. Beide Seiten – Kiter und Surfer – hatten immer wieder betont, dass sie nicht gegeneinander kämpfen wollen.

Moana Delle
Fotograf: © @Marina Könitzer

Moana Delle im Glück: Die Kieler RS:X-Surferin will nun noch einmal vier Jahre ihren olympischen Traum jagen

Moana Delle erfuhr von den Neuigkeiten am Samstag, als sie vom Joggen nach Hause kam. "Unglaublich, unglaublich, unglaublich", so ihre erste Reaktion gegenüber Yacht online, "die Entscheidung übertrifft alle meine Erwartungen. Ich hatte ja schon angefangen, mich mit dem Kitesport auseinanderzusetzen. Ich bin überglücklich. Ja, ich will in Rio noch einmal starten." Auch Toni Wilhelm wird seine Karriere nach der schmerzlich knapp verpassten Olympiamedaille in diesem Sommer voraussichtlich fortsetzen und noch einmal um olympisches Edelmetall kämpfen.

Dorian van Rijsselberge und Toni Wilhelm
Fotograf: © Marina Könitzer

Auch er freut sich: Der Olympia-Vierte Toni Wilhelm will's voraussichtlich noch einmal wissen

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagte bei der Jahrestagung der Isaf in Irland: "Mit Blick auf die von Toni Wilhelm und Moana Delle in Weymouth gezeigten Leistungen freuen wir uns über die Entscheidung. Wir hoffen, dass beide ihre Karriere so mitreißend fortsetzen können und das Sommermärchen in Rio eine Fortsetzung findet." Wilhelm und Delle hatten bei den Olympischen Spielen vor Weymouth als beste DSV-Athleten die Plätze vier und fünf belegt.

Kristin Boese
Fotograf: © Archiv/privat

Bravourös für die Kiter gekämpft, hoch geflogen und am Ende tief gestürzt: Kristin Boese und Richard Branson

Die mehrfache Kite-Weltmeisterin Kristin Boese dagegen war am Samstagabend "zutiefst traurig." Ihre Kritik: "Wie kann eine Entscheidung, die von Spezialisten-Gremien und dem Isaf-Council mehrfach bestätigt wurde, mit einer knappen Mehrheit in der von weniger gut informierten Mitgliedern besetzten Generalversammlung wieder geändert werden? Für mich ist diese Entscheidung nicht nur traurig für das Kiten, sondern vielmehr für den Segelsport und das Image der Isaf."

Bereits gestern hatte es im Council eine Abstimmung zum olympischen Disziplinen-Duell zwischen Kite- und Surfsport gegeben. Bei einer Enthaltung hatte sich 26 Delegierte für eine Revision der Beschlüsse vom Mai und damit pro Surfsport entschieden. Nur zwölf Delegierte wollten bei der Entscheidung zugunsten des Kitesports bleiben. Da aber die für einen Neubeschluss notwendige Drei-Viertel-Mehrheit verpasst wurde, konnte nur noch die Generalversammlung mit einfacher Mehrheit in die Entscheidung eingreifen. Und das hat sie getan – ein historisches Novum.

Für die Kiter bedeutet der Wankelmut der Verbandes einen bitteren Rückschlag. Surfern und Kitern sowie dem angekratzten Ansehen der Isaf wäre mehr damit gedient gewesen, einen Kompromiss zu finden, der beide Disziplinen – möglicherweise als Mixed-Wettbewerbe – berücksichtigt hätte.

Im YACHT-tv-Beitrag kann man die deutschen Olympia-Surfer Moana Delle und Toni Wilhelm in Aktion sehen.

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