Segeln olympisch

Jurczok/Lorenz auf Medaillenkurs

13.02.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Edney/EdneyAP, Jacques Vapillon, Sailing Energy, Laurens Morel/WM2016 Clearwater - Die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz segeln bei der WM vor Clearwater weiter auf Medaillenkurs. Heute beginnt die Hauptrunde

WM 49er, 49erFX, Nacra 17
Fotograf: © Edney/EdneyAP

Mit der Segelnummer 55 auf Medaillenkurs: Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Victoria Jurczok und Anika Lorenz
Fotograf: © Jacques Vapillon

Victoria "Püppi" Jurczok und Anika Lorenz

Am Abend gab es zur Belohnung ein Entspannungsbad im Whirlpool. Das hatten sich die 49erFX-Seglerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz mit einer erneut konzentrierten und überzeugenden Leistung am letzten Tag der WM-Vorrunde verdient. Mit den Rängen 9, 9 und 2 hatte sich die Crew vom Verein Seglerhaus am Wannsee vor Beginn der nach vielen Wetterkapriolen auf zwei Tage verkürzten Hauptrunde Platz zwei hinter den Neuseeländerinnen Alexandra Maloney und Molly Meech als starke Ausgangsposition erkämpft. Hinter den Deutschen lauern nun die brasilianischen Weltmeisterinnen Martine Grael (Tochter des fünfmaligen olympischen Medaillengewinners Torben Grael) und Kahena Kunze als Dritte. Die besten acht 49erFX-Teams trennen vor dem Schlusspurt nur 13 Punkte.

Vor allem in den ersten beiden der drei Rennen war es Jurczok und Lorenz am Freitag gelungen, nach vergleichsweise zurückhaltenden Starts wieder aufzuholen. Mit taktisch kluger Positionierung und guter Bootsgeschwindigkeit punkteten die Berlinerinnen in Winden bis zu 15 Knoten – Bedingungen, die ihnen als eine der leichtesten Crews der Flotte am wenigsten liegen. "Es sind die für Vicky und Anika schwersten Bedingungen, da haben sie am meisten zu kämpfen. Umso eindrucksvoller war die Leistung", sagte Trainer Max Groy, der seinen Schützlingen erneut "herausragendes seglerisches Verständnis" und einen "tollen taktischen Background" attestierte. Mit dem starken Auftritt setzten die beiden Sportsoldatinnen, die in Kiel leben und dort am Bundesstützpunkt trainieren, auch ein Ausrufezeichen hinter die Ambitionen im Kampf um die 49erFX-Olympiafahrkarte. Mit Tina Lutz und Susann Beucke liegen aktuell stärksten Rivalinnen um die Rio-Fahrkarte nach nur acht Vorrundenrennen auf Platz 13.

In die auf nur zwei Tage verkürzte Hauptrunde, die am Sonntag mit den letzten Wettfahrten und dem Medaillenrennen endet, wollen Victoria Jurczok und Anika Lorenz zunächst mit unveränderter Taktik starten. Steuerfrau "Püppi" Jurczok sagte YACHT online: "Wir bleiben bei eher konservativen Starts, also wenig Risiko, wollen erst einmal in der Goldflotte ankommen, denn das ist ja immer ein bisschen was anderes." Vor verfrühten Medaillenhoffnungen warnt Jurczok, mahnt weiter zur Ruhe: "Über die Medaille lohnt es sich noch nicht nachzudenken, denn es ist ja erst die Hälfte der Wettfahrten rum." Für den heutigen Samstag sind drei Hauptrunden-Rennen angesetzt, die ab 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr deutscher Zeit) wieder live im Internet übertragen werden. Dem Kommentatoren-Trio gehört auch der zweimalige Olympiateilnehmer Marcus Baur an, dessen Team "SailTracks" auch für den Einsatz der SAP Sailing Analytics verantwortlich zeichnet, mit deren Hilfe die Rennen verständlicher gemacht werden.

Für die Goldflotte konnte sich nach starkem WM-Einstieg, zwischenzeitlichem Einbruch in leichten Winden und gelungenem Comeback am Freitag auch Leonie Meyer und Elena Stoffers vom Norddeutschen Regatta Verein als 20. qualifizieren. Den Cut verpasst haben die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge (28.) und die junge Nachwuchscrew Ann Kristin und Pia Sophie Wedemeyer (38.) vom Duisburger Yacht-Club.

Erik Heil / Thomas Plößel
Fotograf: © Sailing Energy

Erik Heil und Thomas Plößel starten als Elfte in die Hauptrunde

Bei den 49er-Herren liegen Erik Heil und Thomas Plößel vom Norddeutschen Regatta Verein nach ihren neun Qualifikationsrennen auf Platz elf. An der Spitze ihres Feldes ziehen die neuseeländischen Überflieger Peter Burling und Blair Tuke nach sechs Wettfahrtsiegen, einem dritten und einem elften Rang mit insgesamt nur elf Zählern auf dem Konto einsam ihre Runden. Die zweitplatzierten australischen Olympiasieger von 2012, Nathan Outteridge und Iain Jensen, haben bereits 28 Punkte Rückstand, sich aber zuletzt mit einem Wettfahrtsieg in ihrer Vorrundengruppe etwas näher an die dominanten Kiwis, die sie bei den Olympischen Spielen im Kampf um 49er-Gold noch schlagen konnten, heranarbeiten können. Die Europameister Justus Schmidt und Max Boehme vom Kieler Yacht-Club qualifizierten sich mit Platz 20 ebenfalls für die Goldflotte.

Die jungen deutschen Nacra-Teams wanken unter dem Ausscheidungsdruck

Im dritten WM-Feld der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Klasse Nacra 17 zollen die beiden noch jungen deutschen Crews dem Druck der zweiten von drei Ausscheidungsregatten um das Rio-Ticket Tribut. Für sie geht es vor Clearwater weniger um die Medaillen als um eine gute Ausgangsposition für die dritte und entscheidende Ausscheidungsregatta der Nacras im Rahmen des Sailing World Cups vor Hyères (25. April bis 1. Mai).

WM 2016 Nacra 17
Fotograf: © Laurens Morel/WM2016 Clearwater

Ringen unter olympischem Ausscheidungsdruck um Anschluss an die Weltspitze, die sie zuletzt mehrfach aufgemischt hatten: Deutschlands Segel-Newcomer des Jahres 2015, Paul Kohlhoff und Carolina Werner

Paul Kohlhoff und Carolina Werner segelten am Freitag mit den Einzelrängen 25, 33 und 25 den eigenen und zuletzt so eindrucksvoll gezeigten Möglichkeiten deutlich hinterher, hatten im neunten Rennen sogar das Leestartschiff berührt und mussten das Feld als zunächst Letzte von hinten aufrollen. Mit einigem Galgenhumor kommentierte Paul Kohlhoffs Vorschoterin Carolina Werner den Rückschlag: "Wir sind noch hinter denen gestartet, die auch schon einen schlechten Start hatten." Den Grund dafür benennt sie erfrischend ehrlich: "Wir hatten Schiss vor einem Frühstart." Der Druck der laufenden Olympia-Qualifikation ist groß, denn mit Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann haben zwei Flensburger ihre Hoffnungen noch nicht ganz aufgegeben, den "German Wonder Kids" Kohlhoff/Werner die Rio-Fahrkarte doch streitig machen zu können. Die Zitterpartie der zuletzt so erfolgreichen Kieler "Newcomer des Jahres", die bei der olympischen Testregatta im Rio-Revier als Vierte die Stars der Nacra-Szene aufgemischt und im Wettstreit mit der Prominenz beinahe eine vorolympische Medaille gewonnen hatten, konnten Erichsen/Spitzmann (22.) bislang aber nicht zum eigenen Durchbruch nutzen. Die Nacra-Flotte startet heute ebenfalls in die Hauptrunde, wird aber nicht in Gold- und Silberflotte geteilt.

WM 2016 Clearwater
Fotograf: © Laurens Morel/WM2016 Clearwater

Die Österreicher Thomas Zajak und Tanja Frank starten als Vierte in die Nacra-17-Hauptrunde, kämpfen um eine WM-Medaille

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