Minitransat

Jan Heinze: "Ich habe es geliebt!"

22.11.2015 Tatjana Pokorny, Fotos: Jacques Vapillon/Minitransat 2015, Minitransat Iles de Guadloupe, Mini-Transat 2015 Iles de Guadeloupe - Zwei Hamburger im Ziel: Gut einen Tag nach Dominik Lenk hat auch Jan Heinze das Minitransat mit nur einem Ruder als Vorletzter beendet

Jan Heinze
Fotograf: © Jacques Vapillon/Minitransat 2015

Jan Heinze und das rettende Ruder seiner "Lonestar"

2700 Seemeilen ohne Windanzeige und ohne UKW. Den Spibaum "geschrottet", aber ein Ersatzteil gebastelt. 2000 Seemeilen mit nur einem Ruder. Der Hamburger Unternehmer Jan Heinze hat bei seiner Minitransat-Premiere mehr kämpfen müssen, als ihm lieb war. Am Samstag erreichte der Familienvater als 42. und vorletzter Solosegler das Ziel vor Guadeloupe. Seine ersten Worte, die er der YACHT durchfunkte: "Ich habe es geliebt!" Dazu schrieb Heinze in großen Lettern ein weiteres Wort: "Noch mal!" Kaum im Ziel angekommen, denkt der Amateursegler bereits über die Wiederholung seines Traumtörns nach.

Jan Heinze
Fotograf: © Jacques Vapillon/Minitransat 2015

Angekommen vor Guadeloupe: Jan Heinze und seine "Lonestar"

Minitransat 2015
Fotograf: © Minitransat Iles de Guadloupe

Heinzes Serienboot "Lonestar" im Hafen von Pinte-à-Pitre

21 Tage, 1 Stunde, 24 Minuten und 28 Sekunden hat Heinze für den zweiten Abschnitt des Minitransat von Lanzarote nach Guadeloupe gebraucht. Offiziell waren es 2770 zu absolvierende Seemeilen. Über Grund hat Heinze tatsächlich 3161 Seemeilen hinter sich gebracht und den Törn seines Lebens aller Widrigkeiten zum Trotz in vollen Zügen genossen. Das zweite Ruder hatte Heinzes "Lonestar" bereits in der ersten Nacht verloren. Er entschied sich zum Weitersegeln, verzichtete auf einen Reparaturstopp, akzeptierte das Handicap. "Ich wollte dieses Transatlantik-Rennen einfach genießen, hätte ohnehin keinen der vorderen Plätze erreichen können", so Heinze über seine Entscheidung.

Jan Heinze
Fotograf: © Mini-Transat 2015 Iles de Guadeloupe

Die "Lonestar" nach über 3000 Seemeilen

Am Ende überkam ihn das Gefühl vieler Mini-Skipper: "Auf der einen Seite willst du deine Familie und Freunde wiedersehen, auf der anderen Seite willst du nicht, dass es aufhört. Du willst, dass diese Geschichte weitergeht." Sein Boot sei sein Herz gewesen, berichtete Heinze auf Guadeloupe. "Ich habe mir jeden Tag gesagt, dass ich ja noch ein Ruder habe und mich also glücklich schätzen kann. Ich bin erstaunt, dass wir das alles mit einem so kleinen Boot geschafft haben." Vor Rennstart hatte Heinze über den Verkauf seines Bootes "Lonestar" direkt im Anschluss an das Rennen nachgedacht. Im Ziel sah es anders aus: "Vielleicht behalte ich das Boot..." Seine Zeit will er nach diesem Abenteuer zunächst der Familie und dem Unternehmen widmen und die vielen Emotionen des Rennens verarbeiten. Sein Buch über dieses einmalige Transatlantik-Rennen erscheint im Januar. Das letzte Kapitel wird Heinze in den kommenden Tagen schreiben: seine Geschichte der Atlantik-Überquerung.

Dominik Lenk: Gegen alle Widerstände

Etwas mehr als einen Tag vor Heinze war auch Dominik Lenk mit seinem betagten Proto ins Ziel gekommen. Der Hamburger Grafiker hatte auf jeder der beiden Etappen einen Reparaturstopp einlegen müssen und deshalb eine durchaus mögliche Top-Ten-Platzierung in der Prototyp-Wertung verpasst. Eine riesige Welle von achtern und mehr als 300 Liter Wasser im Boot hatten Lenk bereits in der ersten Nacht der zweiten Etappe um ein besseres Resultat gebracht. Unter anderem war der bis dahin wieder einwandfrei funktionierende Generator nicht mehr zu gebrauchen. Lenk erwägte die Rückkehr zu den Kanarischen Inseln, doch die waren inzwischen zu weit weg. Er wollte die Transatlantik-Überquerung zunächst so fortsetzen, doch nach drei Tagen erwies sich dieser Plan als illusorisch. Also steuerte Lenk die Kapverdischen Inseln an. Dabei musste er ohne GPS auskommen, weil nicht nur die Systeme an Bord nicht mehr funktionierten, sondern auch das GPS-Ersatzhandgerät über Bord gegangen war.

Minitransat 2015
Fotograf: © Jacques Vapillon/Minitransat 2015

Hat einen der härtesten Törns aller Teilnehmer hinter sich: Dominik Lenk

Minitransat 2015
Fotograf: © Jacques Vapillon/Minitransat 2015

Kameradschaftlicher Empfang im Ziel: Chris Lükermann begrüßt Dominik Lenk

Nachdem Lenk in Mindelo sein Boot in Gesellschaft dreier weiterer Mini-Segler und der Crew einer Class 40 aus dem Transat Jacques Vabre repariert hatte, legte er am Morgen darauf wieder ab. Doch bereits 20 Seemeilen später musste er feststellen, dass die Batterien nicht geladen wurden. Er kehrte noch einmal um. "Zu dem Zeitpunkt war ich wirklich entmutigt und dachte darüber nach aufzugeben", berichtet Lenk, "doch einer der Mini-Jungs machte mir Mut und sagte, ich könnte es eine sehr lange Zeit bereuen, wenn ich nicht wenigstens versuchen würde, das Rennen zu beenden." Der am dichtesten positionierte Konkurrent segelte bereits 450 Seemeilen entfernt von Lenk der Karibik entgegen. Lenk startete trotzdem und verfolgte sein Ziel mit eindrucksvoller Beharrlichkeit: "Ich wollte zeigen, dass die alten Boote immer noch Potenzial haben. Das ist vielleicht nicht ganz gelungen." Dennoch kann Lenk stolz auf seine Leistung sein. Von 26 Proto-Skippern und ihren Booten sind nur 14 ins Ziel gekommen. Einer davon ist er.

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