America´s Cup

Italiener wollen mitspielen

12.05.2009 Carsten Kemmling, Fotos: Todd BMW Oracle - Ein italienisches Syndikat will gegen BMW Oracles Tri antreten. Aber es geht wohl nur um Verzögerungstaktik

Fotograf: © Todd BMW Oracle
BMW Tri. Er soll 32 Knoten Speed bei 8 Knoten Wind erreichen

Zwei Tage vor dem nächsten Gericht-Duell zwischen BMW Oracle und Alinghi in New York setzen die Parteien ihre taktischen Winkelzüge fort und buhlen um die Gunst der Öffentlichkeit.

Die neueste Wendung ist die Meldung eines weiteren Herausforderers. Alinghi hat gestern offiziell den Circolo di Vela Gargnano begrüßt. Die Italiener haben ein Zertifikat für ein 90x90 Fuß-Boot eingereicht.

Der Verein vom Gardasee hatte beim 32. America´s Cup das unterfinanzierte +39-Team am Start. Innerhalb des Teams um den britischen Steuermann Ian Percy gab es viel Ärger um ausstehende Gehaltzahlungen.

‚Am 6. Mai hatten sich die Italiener schon bei BMW Oracle gemeldet und waren mit der Antwort abgespeist worden, es sei „unangebracht“ während eines laufenden Verfahrens darauf zu antworten.

Bei Alinghi heißt es dazu: „Die SNG möchte weiterhin, dass der 33. America's Cup mit zahlreichen Teams aus unterschiedlichen Nationen stattfindet; die Entscheidung, ob die italienische Herausforderung auf einem Mehrrümpfer angenommen wird, liegt aber beim Golden Gate Yacht Club und BMW Oracle Racing.“

Es ist schwer vorstellbar, dass die Herausforderung ernst gemeint ist. Denn außer BMW Oracle und Alinghi ist vermutlich zurzeit kein Segelteam in der Lage, einen siegfähigen Multihull auf das Wasser zu bekommen.

Vielmehr scheint sich hinter der italienischen Ankündigung der Versuch Alinghis zu verbergen, das Cup-Match zu verzögern, um Zeit für die Tests der eigenen Konstruktion zu bekommen. Sie soll erst im Sommer segelbereit sein.

So ist wohl auch der Streit um das Austragungsdatum zu verstehen. Das Gericht hat explizit den Februar 2009 als Datum genannt, obwohl es um den vermeintlichen Widerspruch zur Deed of Gift wusste. In der Urkunde heißt es, dass ein Match in der nördlichen Hemisphäre ab Mai stattfinden möge. Aber es ist schwer vorstellbar, dass Alinghi mit seinem Mai-Datum Gehör findet.

Wohl deshalb hat Alinghi den Gegner zu neuen Gesprächen aufgefordert. BMW Oracle lehnte das aber mit dem Hinweis darauf ab, dass man nach dem Gerichtstermin am Donnerstag gerne wieder verhandeln könne.

In den vergangenen Briefen seien viele Fakten von Alinghi falsch dargestellt worden, heißt es bei den Amerikanern. Und man stimme in vielen Positionen überhaupt nicht überein. „Deshalb können wir bedauerlicherweise nicht glauben, das Ihre Einladung zum Gespräch kurz vor der gerichtlichen Anhörung am 14. Mai etwas anderes als Prozess-Taktik ist.“

Dazu kam der Vorstoß Alinghis, vor Gericht eine Disqualifikation der Amerikaner zu erwirken. Als Grund nannten die Anwälte das fehlende Customs House Registry document, in dem die technischen Daten des gegnerischen Bootes genauer beschrieben sein müssen.

Dieses Zertifikat soll laut Deed of Gift „as soon as possible“, so bald wie möglich, vorgelegt werden — offensichtlich eine sehr ungenaue Beschreibung.

Alinghi meint, der 90-Fuß-Trimaran segelt schon seit dem 25 August 2008, der Zeitpunkt des „sobald wie möglich“ sei längst überschritten. Bei BMW Oracle heißt es, man sei erst offizieller Herausforderer seit der Gericht-Entscheidung vom 7. April.

Seitdem laufe die in der Deed of Gift genannte zehnmonatige Ankündigungs-Phase. „Wir werden das Zertifikat so bald wie möglich präsentieren.“, sagt BMW Oracle-Sprecher Tom Ehman. Alinghis Antrag auf Disqualifikation sei „albern“. Nach dem Gericht-Termin seien diese beiden Punkte hoffentlich geklärt.

Das könnte sich bewahrheiten. Aber genauso wahrscheinlich ist die Vermutung, dass beide Parteien neue Punkte finden werden, über die man sich streiten kann.

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