Jugend-WM

Israel zieht Team von Jugend-WM zurück

27.12.2015 Tatjana Pokorny, Fotos: Robert Hajduk/Volvo Gdynia Sailing Days, World Sailing, David Branigan/World Sailing - Israels Surfer können ihre Titel in Malaysia nicht verteidigen. World Sailing ist eingeschaltet – aktualisierte Fassung des Artikels

Noy Drihan
Fotograf: © Robert Hajduk/Volvo Gdynia Sailing Days

Jugend-Weltmeisterin (U17 und U19) Noy Drihan bei der RS:X-Jugend-WM in Polen auf dem Weg zu ihrem Titel, den sie in Malaysia nun nicht verteidigen darf

World Sailing
Fotograf: © World Sailing

World Sailing

Der Welt-Seglerverband World Sailing hat ein Problem zu lösen, nachdem Israel seine Windsurfer Yoav Omer und Noy Drihan sowie ihren Coach Meir Yaniv von der heute in Malaysia beginnenden Jugend-Segel-Weltmeisterschaft zurückgezogen hat. Ein Mitglied der Geschäftsführung des internationalen Dachverbandes ist nach Angaben des italienischen Verbandspräsidenten Carlo Croce auf dem Weg nach Malaysien oder bereits dort eingetroffen, um die Lage vor Ort zu untersuchen.

Der Israelische Seglerverband (ISA) hatte laut Welt-Seglerverband World Sailing Heiligabend erklärt, seine Windsurfer Yoav Omer und Noy Drihan sowie ihr Coach Meir Yaniv würden an Titelkämpfen nicht teilnehmen, weil sie 24 Stunden vor dem offiziellen Beginn der Regatta noch keine Einreise-Visa erhalten hatten. So war es auch schon am 23. Dezember in der "Jerusalem Post" zu lesen.

Gilad Amir, Vorsitzender des Israelischen Seglerverbandes, sagte gegenüber israelischen Medien, dass Malaysia "inakzeptable Forderungen" gestellt habe. So soll den Athleten schon im Vorwege der WM verboten worden sein, ihre Nationalflagge oder irgendein Symbol auf ihrer Bekleidung oder Ausrüstung zu tragen, das ihr Herkunftsland zeige. Auch würde die israelische Nationalhymne im Fall eines erneuten Sieges der Titelverteidiger nicht gespielt.

Malaysias Jugend- und Sportminister Khairy Jamaluddin erklärte gegenüber dem Online-Dienst "The Malay Mail Online" am 26. Dezember, dass Malaysia den israelischen Rückzug akzeptiert habe und sein Land sich dabei von den bestehehenden diplomatischen Gepflogenheiten habe leiten lassen. Zwischen Malaysia und Israel bestehen keine diplomatischen Beziehungen.

Jugend-Segelweltmeisterschaften werden seit 44 Jahren ausgetragen. Im malaysischen Langkawi haben sich  430 U19-Seglerinnen und Segler aus 80 Nationen zu ihren 45. Titelkämpfen im nationalen Segelzentrum versammelt. Grundsätzlich werden die Austragungsrechte für internationale Titelkämpfe im Sport unter dem Dach des Welt-Seglerverbandes nur an Gastgeber vergeben, die Seglerinnen und Segler aller Nationen die Teilnahme unter gleichen Voraussetzungen erlauben. "Diese Erwartungshaltung machen wir schon während der Bewerbungsprozesse klar, und sie ist auch Teil der vertraglichen Dokumentation, die unsere Veranstaltungen begleiten", hieß es in einem Statement von World Sailing.

Carlo Croce
Fotograf: © David Branigan/World Sailing

World-Sailing-Präsident Carlo Croce

Der Welt-Seglerverband World Sailing (vormals Isaf) hatten am 2. Weihnachtstag auf die zunehmende internationale Kritik in diesem Fall reagiert und ein offizielles Statement auf die eigene Homepage gestellt. Darin wird Präsident Carlo Croce zitiert: "Wie alle diplomatischen Angelegenheiten ist auch diese eine ziemlich delikate Sache. World Sailing ist sich der aktuellen Kommentare in der Öffentlichkeit bewusst und hat Gründe dafür anzunehmen, dass einige der Kommentare möglicherweise nicht akkurat oder aufgrund von Missverständnissen zustande gekommen sind." Weiter sagte Croce in dem Statement: "World Sailing fühlt sich in unserem Sport der Teilnahme aller Nationen verpflichtet und nimmt die Angelegenheit ernst."

Aktualisierung, 28. Dezember, 16.45 Uhr

DSV fordert "bedingungslose und zeitnahe Aufklärung"

In einem Statement fordert der Deutsche Segler-Verband (DSV) vom Welt-Seglerverband World Sailing "Aufklärung über die Vorkommnisse rund um die Jugend-Weltmeisterschaften, die heute in Malaysia begonnen haben". Weiter heißt es: "Der Israelische Segler-Verband hatte die Teilnahme seiner Sportler widerrufen und als Begründung angegeben, Malaysia habe unzumutbare Bedingungen gestellt." DSV-Präsident Andreas Lochbrunner sagte: "Sport steht für Völkerverständigung und fairen Wettkampf. Der Deutsche Segler-Verband vertritt deshalb vollumfänglich den Ethik-Code des Deutschen Olympischen Sportbundes, in dem es unter anderem heißt: Diskriminierung in Bezug auf Rasse, Ethnie, Nationalität, Religion, Weltanschauung, Alter, Geschlecht, sexuelle Identität oder Behinderung ist unzulässig. Der Deutsche Segler-Verband erwartet, dass der Welt-Seglerverband World Sailing diesen Vorfall bedingungslos und zeitnah aufklärt und entsprechende Konsequenzen zieht, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. Intoleranz hat gerade im Sport nichts zu suchen."

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