Youth America's Cup

Im Alleingang auf Cup-Kurs

17.05.2013 Tatjana Pokorny, Fotos: MRG/Andy Heinrich, tati - Nach dem offiziellen Rückzug ihres Teams vom Youth America's Cup Team hat sich die junge Crew zum Solo ohne Rückendeckung entschlossen

Youth America's Cup Team
Fotograf: © MRG/Andy Heinrich

Wollen ihren Traum nicht aufgeben: Philipp Buhl (r.), Erik Heil (l.) und das ehrgeizige Team für den Youth America's Cup

Sie wollen ihren Traum einfach nicht aufgeben: Nach dem offiziellen Rückzug ihres Teams vom Youth America’s Cup will die junge deutsche Segelmannschaft mit Skipper Philipp Buhl aus Sonthofen und Erik Heil aus Berlin die Teilnahme im Alleingang erreichen.
 
Das Sailing Team Germany und der Norddeutsche Regattaverein hatten ihr Jugendteam nach dem Unfalltod des britischen Olympiasiegers Andrew Simpson aufgrund von Sicherheitsbedenken vom Youth America’s Cup Anfang September im Cup-Revier vor San Francisco abgemeldet. Simpson war am vergangenen Donnerstag im Training nach Bruch und Kenterung des schwedischen AC72-Katamarans von Artemis Racing unter dem Wrack eingeklemmt ertrunken. Der Unfall hatte weltweit eine Sicherheitsdebatte über die riesigen Katamarane im America's Cup ausgelöst.
 
Das STG/NRV Youth America’s Cup-Team mit Skipper Philipp Buhl aus Sonthofen und Steuermann Erik Heil aus Berlin hatte zu Jahresbeginn überraschend die Qualifikation zum Red Bull Youth America's Cup gewonnen und sich damit für die Premiere der Nachwuchs-Regatta auf kleineren Katamaranen vom Typ AC 45 qualifiziert.
 
Die Absage ihrer Teamleitung wollen Buhl, Heil und ihr Team nicht hinnehmen. "Wir wollen es selbst versuchen", sagte der 23-jährige Laser-Europameister Buhl, "wir bekommen so eine Chance auf die Teilnahme am America's Cup vielleicht nie wieder. Wir wollen darum kämpfen. Wir sind so weit gekommen und wollen den Weg nun auch zu Ende gehen. Wir glauben, dass Segeln auf den kleineren Katamaranen weit weniger risikoreich ist als auf den AC-72-Booten."

Buhl Heil
Fotograf: © tati

Zwei junge Männer, ein Traum: Philipp Buhl (l.) und Erik Heil wollen entgegen aller Bedenken zum Red Bull Youth America's Cup

Sailing-Team-Germany-Gründer Oliver Schwall reagierte gelassen auf den Alleingang seiner Schützlinge: "Unseren Segen haben die Jungs nicht. STG und NRV stehen nicht zur Verfügung. Aber wir können das Engagement auch nicht verhindern. Wir können dem Team nur den Rat geben, dass sie mindestens darauf drängen mehr Trainingszeiten bekommen."

Sein Team, so Buhl, hätte gründlich abgewogen: "Natürlich finden wir als Team, dass der tödliche Unfall schrecklich war. Aber wir sind dennoch hochmotiviert, vor San Francisco an den Start zu gehen. Wir glauben, dass die AC-45-Katamarane schon erprobter sind und bei Kenterung keine Lebensgefahr besteht. Es gab Knochenbrüche, ja. Aber wir sind Leistungssportler und möchten es trotzdem riskieren." 

Für das Segel-Solo ohne Förderinitiative STG und den Norddeutschen Regatta Verein suchen die jungen Segler Partner, die etwa 80.000 bis 100.000 Euro investieren müssten. Wieviel Zeit das Management der deutschen Mannschaft zum Auftreiben des benötigten Budgets einräumen wird, war am Freitag noch unklar. Das Team rechnet mit zwei bis drei Wochen.

Auch Buhls Segelfreund und 49er-Weltcup-Sieger Erik Heil kämpft für den Cup-Start: "Wir glauben nicht, dass es zu gefährlich ist. Wir können das schaffen." Gemeinsam nehmen Buhl und Heil gerade am Match Race Germany vor Langenargen auf dem Bodensee teil. Mit an Bord sind ihre Crew-Mitglieder der Youth-America's-Cup-Kampagne: Die 49er-Segler Justus Schmidt und Max Böhme aus Kiel sowie Michael Seifarth. Bislang reichte es - nahezu ohne Matchrace- und Big-Boat-Erfahrung – im Duell mit den Profis immerhin zu einem Siegpunkt, den sich Buhls Team im Duell mit dem Deutschen Meister Sven-Erik Horsch aus Hamburg sicherte. Den Cut zum Viertelfinale werden beide deutsche Mannschaften nicht überstehen. "Wir wussten vorher, dass wir hier keinen großen Stich machen können", sagte Buhl, "aber wir sind glücklich über den einen Rennsieg, haben viel gelernt und können ja morgen vielleicht noch den einen oder anderen Punkt holen."

 

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