Minitransat

"Ich hatte das Aus vor Augen"

29.09.2015 Tatjana Pokorny, Fotos: Thierry Martinez, Mini-Transat 2015 Iles de Guadeloupe, Jacques Vapillon/Minitransat, TEAM Dominik Lenk - Dominik Lenk hat Etappe eins als 18. Proto-Segler beendet. Er hatte sich mehr erhofft, ist aber nach dem Reparaturstopp froh übers Happy End

Minitransat 2015
Fotograf: © Thierry Martinez

Dominik Lenk und sein Mini

Nach dem Münchner Chris Lükermann (Platz 30 in der Serienboot-Wertung) hat auch der junge Hamburger Dominik Lenk die erste Etappe der 20. Minitransat-Auflage beendet. Als dritter deutscher Mini-Starter wird der Hamburger Unternehmer Jan Heinze mit seiner "Lonestar" den Hafen von Arrecife voraussichtlich am Dienstagabend erreichen.

Dominik Lenke legt nach Etappe 1 im Hafen von Arrecife an
Fotograf: © Mini-Transat 2015 Iles de Guadeloupe

Glücklich im Ziel: Dominik Lenk

Dominik Lenk kam als 18. der Prototyp-Wertung ins Ziel. Hinter ihm wurden noch drei Proto-Skipper erwartet. Weitere fünf hatten die Regatta aufgeben müssen. Lenk dagegen überstand den Rückschlag, den er zu Regattabeginn hatte hinnehmen müssen, und biss sich bis ins Ziel durch. Im ersten längeren Gespräch seit seiner Ankunft am Montagabend berichtete Lenk YACHT online von seinem gelungenen Reparaturstopp in A Coruña, einem selbstlosen Helfer und den glücklichen Momenten nach der Wiederaufnahme des Rennens.

Herr Lenk, welches Problem genau hat Sie bereits am Tag nach dem Start zur ersten Minitransat-Etappe von Douarnenez nach Arrecife zum Reparaturstopp gezwungen?

Dominik Lenk: Es war die Brennstoffzelle. Sie hat keinen Strom mehr erzeugt und signalisierte das mit der Fehlermeldung "Bitte den Methanoltank füllen!". Da der aber voll war, konnte das nicht das Problem sein. Ich hatte in der Vorwoche zum Start außerdem alles erfolgreich getestet. Es war also wirklich meganervig, nun vor so einem Problem zu stehen. Und eine Brennstoffzelle an und für sich ist ja so kompliziert, dass man sich als Laie nicht traut, da ranzugehen. Ich habe mich zwar um den Rest der Elektronik selbst gekümmert, doch schon der Herstellerhinweis hält einen ja vom Öffnen dieses Kastens ab.

Welche Optionen hatten Sie nach der Erkenntnis zu diesem frühen Zeitpunkt im Rennen?

Ich hatte zwei Optionen: Entweder zurück in den Starthafen von Douarnenez, von dem ich aber schon weit mehr als 100 Seemeilen entfernt war, oder ab in einen spanischen Hafen. Ich habe mich dann für A Coruña entschieden, obwohl ich deswegen vom bevorzugten westlichen Kurs zu früh nach Süden abbiegen musste. Aber so konnte ich wenigstens einigermaßen auf der Route bleiben.

Minitransat 2015
Fotograf: © Jacques Vapillon/Minitransat

Dominik Lenk und sein betagter Mini mit der Baunummer 348

Sie sind am Abend in A Coruña eingetroffen, wussten, dass Sie laut Reglement mindestens zwölf Stunden würden bleiben müssen, wollten aber andererseits so schnell wie möglich wieder lossegeln. Was macht man da als nicht gerade gut betuchter Solosegler ohne bereitstehende Landmannschaft?

Ich bin ins Hafenmeisterbüro gegangen. Von dort haben wir zunächst einmal mehrere Brennstoffzellen-Hersteller angerufen. Die Antwort blieb immer die Gleiche: "Die müssen Sie nach Deutschland einschicken." Wie witzig! Ich spreche Gott sei Dank Spanisch und muss wohl auch ziemlich panisch ausgesehen haben. Jedenfalls hat man mir dann mitleidig einen wirklich großartigen Typen an die Seite gestellt, der im Hafen wohnt. Der ist erst einmal ganz schnell mit mir in die Stadt gefahren. Dort haben wir als Backup in einem Baumarkt den kleinsten Benzingenerator gekauft, den wir finden konnten. 100 Euro auf den Tisch, und er war meiner. Damit hätte ich auf jeden Fall lossegeln können.

Aber die Hilfe des Spaniers ging weiter …

… Mein Helfer, der Retter der Welt, hat sich dann die Brennstoffzelle vorgenommen und einfach aufgemacht. Dabei entdeckte er, dass lediglich der Schlauch verdreht und die Kontakte kaputt waren. Er hat die Pumpe auseinandergebaut, die Drähte neu verlegt, verfriemelt und wieder angeschlossen. Das war das ganze Wunderwerk. Die Fehlermeldung war damit auch verschwunden. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich das möglicherweise sogar auf See lösen können. Aber ich habe mich hier in Arrecife einmal bei allen anderen Mini-Seglern umgehört. Kein einziger hat jemals eine Brennstoffzelle geöffnet. Nun bin ich der Einzige, der weiß wie sie von innen aussieht.

Dominik Lenke legt nach Etappe 1 im Hafen von Arrecife an
Fotograf: © Mini-Transat 2015 Iles de Guadeloupe

Dominik Lenk legt nach Etappe 1 im Hafen von Arrecife an und hat wieder festen Boden unter den Füßen

Vor dem Reparatur-Stopp lagen Sie teilweise sogar wie erhofft in den Top Zwölf. Die gute Position war danach aber verloren …

Ja, ich habe durch den Stopp zwischen 350 und 400 Seemeilen auf das Feld verloren. Davon erholt man sich auch im Idealfall nicht mehr. Ich denke immer noch, dass für mich der erhoffte Platz in den Top Zwölf der Protowertung dringewesen wäre und strebe das gleiche Ziel noch einmal für Etappe zwei von Lanzarote nach Guadeloupe an. 

Minitransat 2015
Fotograf: © TEAM Dominik Lenk

Kurz vor dem Start war Lenks Welt noch in Ordnung, die Regatta konzentriert vorbereitet

Haben Sie das Segeln nach der geglückten Reparatur noch genießen können?

Ja, sehr sogar, es war sehr entspannt. Ich habe mir gesagt, dass alles, was jetzt noch kommt, ja nur besser werden kann. Ich habe viel geschlafen, gute Musik gehört und auch den Autopiloten einiges an Arbeit erledigen lassen, denn der steuert bei bestimmten Bedingungen sogar sauberer als wir Segler. 

Der Startschuss zur zweiten, mehr als doppelt so langen Etappe fällt erst am 30. Oktober. Die lange Pause ist der Hoffnung auf Vermeidung möglicher Stürme entlang des Kurses geschuldet. Wie sehen Ihre Pläne für die Zwischenzeit aus?

Ich mache jetzt erst einmal klar Schiff. Am 10. Oktober fliege ich für zwei Wochen nach Hause nach Hamburg und werde dort arbeiten, ein bisschen Geld verdienen. Dann geht es wieder zurück. Fünf Wochen auf Lanzarote abzuhängen, das wäre ja wirklich Quatsch.

Und dann geht es noch einmal um einen Platz unter den besten zwölf Protos?

Ja, das wird schwer, ist aber nicht völlig unrealistisch. Natürlich haben die Jungs, die hier vorneweg segeln, einfach alles. Ich dagegen bin glücklich, wenn es mich nur dreimal pro Tag auf die Seite wirft. Dann weiß ich, dass ich am Limit segele und alles gebe.

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