Olympia-Ausscheidung
Haie erzwingen Regeländerung
Den sechsten Tag der Segel-Weltmeisterschaft vor Perth werden fast alle deutschen Starter möglichst schnell vergessen wollen. Bis auf das Matchrace-Team um Silke Hahlbrock patzten die DSV-Teams in Serie. Allein die Bayern Ferdinand Gerz und Patrick Follmann konnten sich mit ihrem 470er trotz Rang 23 in den Top Ten auf Platz sechs halten.
Die Kielerin Moana Delle rutschte nach den Rängen 16, 18 und 13 auf Platz 14 ab und muss nun um den Einzug in das Medaillenrennen der besten zehn Surferinnen kämpfen. Laser-Radial-Steuerfrau Lisa Fasselt Essen fiel nach den Rängen 40, 23 und 22 auf Platz 18 zurück. Und Finn-Dinghy-Steuermann Jan Kurfeld liegt nach den Rängen 22 und 32 nur noch auf dem 30. Platz.
Dabei war es ein so schöner Segeltag im westaustralischen America’s-Cup-Revier vor Fremantle: Blauer Himmel, Sonnenschein, anfangs eher leichte, später aber beständige Winde. Flaute, Regen und Gewitter sind vorerst abgehakt. Trotzdem gab es Alarmstimmung an Land. Regattadirektor John Longley sagte: „Wir haben eine Hai-Meldung von einem Fischer aus der Region bekommen und nehmen sie absolut ernst.“ Ein weißer Hai soll im WM-Revier vor der westaustralischen Küste bei Perth gesichtet worden sein.
49er-Steuermann Lennart Briesenick-Pudenz, der sich mit seinem Vorschoter Morten Massmann auf den ersten Einsatz des Teams am kommenden Montag vorbereitet, sagte: „Es stimmt, dass es in diesem Jahr mehr Hai-Begegnungen mit Menschen gegeben hat als sonst. Skip Lissiman, der Hauptorganisator, hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die Coaches auf Channel 71 nach Hai-Sichtungen mithören sollten. Hier sind ständig kleine Helikopter in der Luft. Wenn ein Hai auf einem bestimmten Kurs gesichtet würde, können wir einfach ein bisschen nördlicher oder südlicher weitertrainieren. Es ist eine reine Sicherheitsmaßnahme. Statistisch ist die Chance, angegriffen zu werden, weitaus geringer, als mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Hafen zwischen den ganzen verrückten Lastwagenfahrern zu verunglücken. Außerdem wirft ein gekenterter 49er einen ziemlich großen Schatten. Ich denke, die Haie haben dann mehr Angst als wir. Als Morten allerdings nach unserem Crash so blutete, kam schon kurz der eine oder andere Gedanke an die großen Fische auf …“
Die Sicherheitsmaßnahmen der Organisatoren haben zu einer ungewöhnlichen Regeländerung geführt. Longley sagte: „Wir haben die Kursüberwachung verstärkt und die Wettsegelbestimmungen geändert. Gekenterte Segler dürfen Hilfe von außen annehmen, um möglichst schnell zurück ins Boot zu gelangen. Normalerweise wird das mit einer Disqualifikation geahndet, aufgrund der Umstände ist die Hilfe von außen aber bis auf Weiteres erlaubt.“
Den Kieler 49er-Steuermann Tobias Schadewaldt, der gemeinsam mit seinem Vorschoter Hannes Baumann am kommenden Montag in die WM-Läufe startet und schon seit Wochen im WM-Revier trainiert, schrecken die Warnungen aber ebenso wenig wie die meisten seiner Teamkameraden: „ Wir denken nicht viel über Haie nach, sind ganz entspannt. Wir segeln einfach, so schnell wir können.“
Für deutschen Glanz im WM-Revier sorgte im ersten Drittel der Serie vor allem das Team um Silke Hahlbrock, das die Matchrace-Vorrunde mit insgesamt zehn Siegen auf Platz fünf mit nur einem Punkt Rückstand auf die Spitzenreiterinnen beendete und sorglos in die nächste Runde einzog. Die zweiwöchigen Titelkämpfe der insgesamt zehn olympischen Disziplinen enden am 18. Dezember mit den letzten Medaillenrennen.










