America's Cup
Ernüchterung
Die deutsche America´s Cup Kampagne hat nicht mehr viel zu lachen. Heute gingen beide Rennen verloren. Die Tatsache als solche ist keine große Überraschung, aber das Wie ist ernüchternd.
Das Team um Jesper Bank war heute chancenlos. Die Hinspiele gegen die heutigen Gegner in der vergangenen Woche hatten noch die Illusion aufrechterhalten, dass das deutsche Schiff einigermaßen mithalten kann. Die Rennen waren relativ lange einigermaßen offen.
Aber die heutigen Duelle machen es schwer, auf weitere spannende Regatten aus deutscher Sicht hoffen zu können. Die Achillesferse bleiben die Starts. Mit einem etwas langsameren Schiff, das besonders bei Wellengang große Probleme hat, weil es wie ein Korken über die Wellen hüpft, während die Konkurrenz deutlich ruhiger segelt, müssen die Starts gewonnen werden.
Aber genau da liegt das Problem. Beide Rennen heute waren früh entschieden. Besonders gegen Victory Challenge ging der Start klar verloren. Bank hatte seinem Widersacher Magnus Holmberg, den er 2003 noch vom Steuer der schwedischen Cup-Kampagne verdrängt hatte, wenig entgegen zu setzen.
Die Luvposition eng am Gegner und eine halbe Bootslänge zu spät will man eigentlich nicht haben. „So wollten wir nicht starten. Das ist wohl klar“, sagt Taktiker Dave Dellenbaugh. Das deutsche Boot musste sofort wenden und lag danach aussichtslos hinten. „Es ist schon enttäuschend, dass wir nie einmal den first cross gewinnen — außer gegen China.“
Gegen Mascalzone Latino versuchte Jesper Bank einmal eine aggressivere Variante im Vorstart. Lange Zeit schaffte er es, den Gegner auf der linken Seite zu blocken. Die Schiffe standen mehr als zwei Minuten im Wind und trieben rückwärts.
Aber im entscheidenden Moment eine Minute vor dem Start verlor er die Kontrolle. Immerhin gelang noch ein Start mit Wind von Backbord. Aber er musste leicht in den Wind drehen, um noch am Startschiff vorbei zu kommen und verlor dabei die entscheidenden Meter, die beim ersten Aufeinandertreffen fehlten.
Zwar konnte der Gegner noch zur Wende gezwungen werden. Aber bei den nächsten Cross-Manövern profitieren die Italiener von einer leichten Linksdrehung des Windes. Sie eroberten die Führung und gaben sie nicht wieder ab. „Wir hatten im Start wieder ein leichtes Problem bei der Beschleunigung. Das Boot springt einfach nicht besonders gut an. Deshalb konnte uns Mascalzone plötzlich unter Druck setzen“, sagt Dellenbaugh.
Die Änderungen an der Kiel-Trimmklappe, die vor der zweiten Round Robin vorgenommen wurden, waren offenbar nicht sehr erfolgreich. Das Team scheint jedenfalls schon gedanklich mit dem Louis Vuitton Cup abgeschlossen zu haben. So kamen heute Segler zum Einsatz, die bisher zur zweiten Garde gehörten. Tim Daase und Wolf Dietz hatten heute ihren ersten Einsatz im Louis Vuitton Cup.
„Die haben sich doch gut geschlagen. Wir haben gezeigt, dass auch unsere Backup-Leute auf einem hohen Niveau segeln können. Die Manöver waren jedenfalls sehr gut heute. Daran hat es nicht gelegen“, so der Taktiker
Deutlich spannender verlief das Aufeinandertreffen der beiden Tabellenführer BMW Oracle und Luna Rossa. Die Paarung hielt alles was die Stärke der beiden Teams versprach. James Spithill, der 27-jährige australische Steuermann von Luna Rossa, gewann den Start klar, indem er die rechte Seite eroberte, konnte aber den Gegner nicht entscheidend abschütteln.
Auf dem Vorwindkurs betrug die Führung knapp eine Bootslänge und blieb konstant. Aber zur Mitte dieser Teilstrecke ließ Luna Rossa Taktiker Torben Grael plötzlich die Seite wechseln. Er gab die Wegerecht-Seite auf und ließ die Amerikaner hinter dem Heck nach rechts passieren. Am Leetor kamen dann die Amerikaner mit Wind von Steuerbord an und konnten Raum vom Gegner verlangen. Sie übernahmen die Führung und verteidigten sie souverän bis ins Ziel. Der Abstand: 19 Sekunden.
„Wir fühlten uns unter Druck gesetzt, weil BMW Oracle sich in Lee von uns positionieren konnte“, erklärt der Brasilianer Grael, der schon fünf Olympiamedaillen gewonnen hat. Wären wir erst auf der Anliegelinie gehalst, dann hätten sie uns in Luv überholt.“
Es ist schon der fünfte Sieg, den Chris Dickson aus der zurückliegenden Position erreichte. Das gelingt sonst keinem anderen Team. Viel hat damit zu tun, das BMW Oracle den entscheidenden Tick schneller ist. Andererseits scheinen die Gegner auch einfach nur Angst zu haben.
Sie erstarren sichtlich wie das Kaninchen vor der Schlange, wenn die Amerikaner an ihrem Heck hängen und lassen sich zu Fehlern verleiten. Dabei ist BMW Oracle keineswegs so übermächtig, wie die Tabelle glauben macht. Chris Dickson hat schon jede Menge Starts verloren.
Allerdings zeigt ihm der bisherige Verlauf der Rennen, dass er kein großes Risiko eingehen muss, um die Rennen am Ende zu gewinnen. Vielleicht erklärt das sein defensives Verhalten an der Startlinie.
Auch in den übrigen Rennen gab es keine großen Überraschungen. Shosholoza zeigte sich wieder einmal ebenbürtig mit einem der großen Gegner. Diesmal ärgerte Paolo Cian die Neuseeländer mit einem exzellenten Start. Lange Zeit konnten sie den Speed der Kiwis halten. Aber dann waren die Männer um Dean Barker doch wieder den entscheidenden Tick besser.
Ranking after LVC RR2 Flight 6
1 USA 98 BMW ORACLE Racing 29
1 ITA 94 Luna Rossa Challenge 29
3 NZL 92 Emirates Team New Zealand 28
4 ESP 97 Desafío Español 2007 23
5 SWE 96 Victory Challenge 22
6 ITA 99 Mascalzone Latino - Capitalia Team 18
7 RSA 83 Team Shosholoza 16
8 FRA 93 Areva Challenge 13
9 ITA 85 +39 Challenge 6
10 GER 89 United Internet Team Germany 5
11 CHN 95 China Team 3










