Regatta-News

Ellen MacArthur: Vorsprung futsch!

23.01.2005 Matthias Beilken - Wie befürchtet raubt ein laues Wochenende „B&Q“ Früchte vieler hart ersegelter Southern Ocean Meilen.

Schwachwind: In der vergangenen Nacht ist Ellen MacArthurs 75 Fuß großer Trimaran nie schneller als fünf Knoten gesegelt. Und für die weiteren 48 Stunden sagen die Experten von Commander’s Weather in den USA nur selten mehr als sechs Knoten Wind voraus.

Rund 700 Meilen östlich von Rio de Janeiro dümpelt der Rekordtri in einer anhaltenden Flaute. Und der Vorsprung schient mit der steigenden Temperatur zu schwinden. Bei solchen Bedingungen sind schon Segler, von innerem und äußerem Druck gepeinigt, verrückt geworden. Skipperin Ellen MacArthur dagegen bleibt kühl: „Wir sollten froh sein, dass wir es überhaupt in einem stück bis hierher geschafft haben".

Nach der anstrengenden Mastreperatur an den Tagen vor dem Wochenende und den Nachwehen der Tortur im Southern Ocean („ich möchte einfach nur, dass der Schmerz aufhört“, schrieb sie noch am Freitag auf ihrer Homepage) scheint sie körperlich einigermaßen wieder hergestellt zu sein. So sehr, dass sie sich unter die winzige Kanzel von „B&Q“ hockt und bei Fast-Flaute einen langen Text schreibt (komplette Übersetzung folgt). Für sie steht fest: „Wir können von Glück reden, wenn wir vor Francis den Äquator erreichen“. Dass der virtuell nebenhaer segelnde Noch-Rekordhalter Francis Joyon rechnerischin den nächsten Tagen jeweils über 400 Meilen im Logbuch stehen hat, macht die Situation von "B&Q" nicht besser.

Doch Ellen MacArthur reagiert fast philosophisch, scheint die Krise zu ignorieren. Stundenlang turnt sie über das Boot und beseitigt sämtliche Unordnungen, kontrolliert die Dichtungen an allen Luken, repariert Netze und peilt die Dieselstände. Zum einen, weil es sie beruhigt. Zum anderen, weil Sonntag ist. Als erfahrene See-Frau gibt sie sich gelassen. Weil sie seiß, dass gegen Flaute kein Kraut gewachsen ist. Dennoch lauert sie wie eine Katze vor dem Sprung auf die nächste Möglichkeit zumAngriff. Ob der Rekord jetzt überhaupt noch zu schaffen wäre, wurde sie gestern per Satellitenhandy gefragt. Ihre kämpferische Antwort: „Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, würde ich jetzt Kurs auf Brasilien nehmen“.

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