Regatta-News

Ellen MacArthur: Vom Hoch ins Tief

19.01.2005 Matthias Beilken, Fotos: B. Stichelbau DPPI/Offshore Challenges - Etwa auf der halben Strecke zwischen Kap Hoorn und dem Äquator herrscht instabiles Wetter zwischen verschiedenen Drucksystemen. Zeitsystem-Querelen

Fotograf: © B. Stichelbau DPPI/Offshore Challenges
"B&Q"

Frontjagen ist für die Skipperin aus England angesagt. Zwar segelt sie noch deutlich vor der Zwischenzeit ihres virtuellen Gegners Francis Joyon. Jedoch gönnt sich die Skipperin keine Ruhe, die von gleichmäßigerem Wetter geprägte Passatzone ist noch Tage entfernt. Erst gestern musste sie durch eine windschwachen Hochdruckzone navigieren, heute jagt sie schon wieder der Kaltfront eines Tiefdruckgebiets hinterher.

Die Übergangszonen ("transition zones") zwischen den Systemen sind besonders anstrengend, da muss Ellen MacArthur immer auf dem Sprung sein, nicht selten sämtliche Segel ihres 75 Fuß großen Trimarans "B&Q" lüften. "Das Wetter hier ist wirklich variabel", beklagt sie die ständige Unruhe. "Vielleicht schaffen wir es, die Front bis heute Abend einzuholen. Aber niemand weiß das".

Mit dem heutigen Tag wird der zeitliche Abstand zu der virtuell in der Nähe segelnden "Idec" (Joyons 90-Fuß-Tri) etwas anders berechnet: Aufgrund der im Atlantik gut zu berechnenden Distanz zum Ziel (die Route von Booten auf der "Zielgeraden" ist ziemlich eindeutig) werden die der virtuellen Positionen Joyons zugrunde gelegten Durchschnittsgeschwindigkeiten anders berechnet als bisher. Der zeitliche Abstand der beiden Kontrahenten verringert sich deshalb etwas. "Aber nur geringfügig", wie das Team bei MacArthurs Rennstall Offshore Challenges, Erfinder des doch recht präzisen Systems, stolz betont.

Im Southern Ocean beispielsweise sind die "kürzesten Strecken" aufgrund der verschieden langen orthodromischen (großkreisbezogenen) Distanzen schwierig zu bestimmen. Ellen MacArthurs Kollegen bei der Vendée Globe Challenge können davon ein Lied singen. Deren Positionen im Feld auf dem freien Ozean werden in Relation von ihrem Abstand zu einem willkürlich festgelegten Wegpunkt berechnet. Als Erster hat Philippe Jeantot, Erfinder der Vendée Globe und selbst erfolgreicher Einhandskipper, diese Punkte festgelegt, sie entlang einer "logischen Route" um die Welt festgelegt. Weichen Boote von dieser "logischen Route" ab, spiegeln die Ergebnisse nicht unbedingt den wahren Rennstand wider.

"Logische Routen" hin oder her, die einzige Zeit, die nicht in Frage gestellt werden kann, ist die, zu der "B&Q" die Ziellinie querab der Insel Ouessant kreuzt und die Uhr gestoppt wird.

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