Matchracing

Eine Premiere mit Luft nach oben

09.03.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Ian Roman/WMRT - Katamarane dominieren den Profisegelsport. Nun operiert auch die World Match Racing Tour auf zwei Kufen, kommt aber vom reinen Duell-Kurs ab

Saison 2016 WMRT Auftakt Fremantle
Fotograf: © Ian Roman/WMRT

Jagdszenen vor Fremantle: Saisonauftakt zur World Match Racing Tour 2016

Wenn die Oberhäuser einer Sportart sich alle in die gleiche Richtung entwickeln, dann droht neben den Vorteilen eine doppelte Gefahr: die der Verwechslung und die der Monotonie. Die anhaltende Katamaranwelle hat den professionellen Segelsport immer fester im Griff: Ob America's Cup, Extreme Sailing Series, GC 32 Racing Tour oder nun auch die World Match Racing Tour – es scheint, als funktioniere der Leistungssegelsport bei Großveranstaltungen und Profi-Serien auf internationaler Ebene nur noch auf zwei Rümpfen. Neben der Zuschauer-Attraktivität der rasenden Zweirumpfer lockt die Veranstalter auch die Möglichkeit, sich im gleichen Bootssegment wie der America's Cup als "Testfeld" und "Talent-Findungspool", als eine Art kleine Cup-Schwester zu positionieren, um namhafte Teams, deren Nachwuchs-Crews oder Cup-hungrige Stars für sich zu gewinnen. Es stellt sich aber die Frage, ob die Obergrenze der Anzahl attraktiver, doch sehr ähnlicher Formate von Weltklasse-Events auf Katamaranen nicht langsam überschritten ist und ob sie in dieser Form auf Dauer nebeneinander kommerziell bestehen können.

Auftakt zur World Match Racing Tour 2016 vor Fremantle: Wie sich der sechsmalige Weltmeister Ian Williams und sein Team bei der Auftaktregatta zur stark verkürzten WMRT-Regatta auf den neuen Katamaranen durchsetzten

Dass nun auch noch die World Match Racing Tour (WMRT) als einer der letzten internationalen Circuits auf zwei Kufen gewechselt ist und doppelrumpfig um die Krone der Duellsegler kämpfen lässt, bescherte den Seglern und Fans am vergangenen Wochenende das erste Kat-Finale bei der WMRT-Eröffnungsregatta zur stark verkürzten WMRT-Saison 2016. Nach der schwierigen Neueinführung der Katamarane in die Welttour der Duellsegler bilden zunächst nur fünf Regatten in vier Ländern das neue Tour-Programm, das dem Sieger nach dem Finale im schwedischen Marstrand mit einer Million US-Dollar Preisgeld winkt. Das Kräftemessen zum Auftakt hat mit dem Briten Ian WIlliams überraschend ein Einrumpf-Spezialist gewonnen, der bei bislang nur sporadischen Katamaran-Einsätzen eher selten glänzen konnte. Der sechsmalige Weltmeister hat nun jedoch offenbar mit Erfolg auf die Katamarane vom Typ M32 umgesattelt und das Team des schwedischen Routiniers Hans Wallén im Finale vor Fremantle in Australien besiegt. 

Geworben wird in der World Match Racing Tour mit den gleichen Attributen, die auch andere Veranstalter von Katamaran-Serien nutzen: "Stadionsegeln", "Stuntreife Manöver" und "Spektakuläre Kenterungen" prägen das Geschehen. Während die Extreme Sailing Series ihren Fleetrace-Charakter zuletzt um Matchrace-Elemente erweitert hat, kommt die World Match Racing Tour nun mit Duellsport, aber auch Fleetrace-Anteilen dazu. Beobachter haben den australischen Auftakt als spannend, nicht als klassisches Matchrace wahrgenommen. Im Welt-Seglerverband wird bereits diskutiert, ob diese Serie tatsächlich noch den Duellsegel-Weltmeister kürt oder möglicherweise neu gedacht werden muss.

Saison 2016 WMRT Auftakt Fremantle
Fotograf: © Ian Roman/WMRT

Der sechsmalige Weltmeister und sein Team GAC Pindar siegten vor Fremantle und kassierten dafür 33.000 US-Dollar

Champion Williams macht sich darüber zurzeit keine Gedanken. "Ich werde mich in den kommenden Monaten voll auf diese Boote und die Tour konzentrieren", so Williams. Man kann es dem smarten britischen Ex-Anwalt nicht verdenken: Er hat seine Augen fest auf das Millionen-Preisgeld gerichtet. Die neuen schwedischen Tour-Betreiber haben viel Geld in die Neuausrichtung der World Match Racing Tour gepumpt, nutzen die Serie auch, um die von ihnen gebauten M32-Boote zu bewerben und in größeren Stückzahlen zu verkaufen. Die hohen Betriebskosten sollen die einzelnen Regatta-Veranstalter helfen zu tragen. Zunächst ließen sich dafür aber nur wenige gewinnen.

"Man muss nicht jedes Manöver sofort mitmachen", sagte Eberhard Magg, der mit seinen Partnern Harald Thierer und Bernd Buck unter dem Dach des Match Center Germany einmal jährlich Deutschlands bekannteste Duellsegelregatta auf dem Bodensee ausrichtet. Das Match Race Germany verzichtet in diesem Jahr auf den angestammten Tour-Status, weil die von den Veranstaltern geforderten Rechte- und Austragungsgebühren nicht tragbar sind. "Wir beobachten die Entwicklung lieber von der Trainerbank aus", so Magg, "wir tragen Verantwortung für Deutschlands traditionsreichstes Matchrace und haben uns gegen eine Tour-Mitgliedschaft entschieden, weil die Forderungen der Betreiber deutlich an der Realität vorbeizielen und von kaum einem Veranstalter weltweit finanzierbar sind." Auch der radikale Umstieg auf Katamarane wird von den deutschen und weiteren Veranstaltern kritisiert, da er ohne Übergangsphase die bestehenden Flotten vieler Ausrichter von WMRT-Regatten aufs Abstellgleis geschoben hat.

Dem eigenen Anspruch an sportlich und medial erstklassig präsentierte Regatten blieben die WMRT-Veranstalter trotz aller sportlicher Spannung zum Auftakt einige Standards vergleichbarer Serien schuldig. So fehlt ein Tracking-System, wie man es aus dem America's Cup oder der Bundesliga kennt und mit dessen Hilfe der Zuschauer jederzeit Überblick über die aktuellen Positionen der Starter haben. Eberhard Magg, Mitgründer der ersten deutschen America's-Cup-Kampagne und Sportdirektor des Match Race Germany, sagte: "Wir werden die Entwicklung der Tour sehr genau beobachten und dann entscheiden, wie wir uns selbst positionieren." Das Match Race Germany findet vom 12. bis 16. Mai vor Langenargen als eigenständige Regatta außerhalb der World Match Racing Tour wie gewohnt auf Einrumpfbooten statt.

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