America's Cup
„Ein herrlicher Segeltag“
Der Wettergott macht sich lustig. Segeln als Zuschauersport? Ha, das haben die sich so gedacht. Sie hätten mich vorher fragen sollen - Es ist offensichtlich. Was der Herr über Wind und Wellen in Valencia veranstaltet, zielt darauf, den Sport von den Fernsehschirmen zu verbannen. Heute schickte er zu viel Wind.
Man kann es niemandem mehr erklären. Segeln ist so. Diese Abhängigkeit vom Wetter, dieses Leben mit der Natur, diese Unberechenbarkeit macht einen großen Teil der Faszination aus. Aber nur, wenn man den Sport selber betreibt. Für den interessierten Zuschauer, der sich auf das Segeln einlassen möchte, ist es tragisch, dass er gerade diese Seite kennen lernt.
„Heute war ein herrlicher Segeltag“, sagt Team Germany Taktiker Dave Dellenbaugh. „Aber nicht mit einem Cup-Boot.“ Die Windmess-Bojen hätten zwar oft nur Wind um 23 Knoten, dem oberen Limit, angezeigt, aber im oberen Bereich des Segels wehte es konstant 4 Knoten stärker. „Das funktioniert nicht mit diesen Booten.“
Besonders gefährlich sei es, im Vorstart eine Halse zu segeln. Durch die geringe Bootsgeschwindigkeit stehe das Großsegel und das Rigg beim Herumschlagen des Baumes unter einer extremen Belastung. Die Halsen unter Spinnaker seien dagegen kein großes Problem.
„Wir haben an der Mastspitze Windstärken bis zu 35 Knoten gemessen. Dabei ist die Gefahr viel zu groß, dass an Bord etwas zu Bruch geht und jemand verletzt wird. Deshalb ist es gut und richtig, dass die Rennen abgesagt wurden“, sagte Trimmer Matti Paschen.
Als 18. Frau war heute Angelika Volquartz, Oberbürgermeisterin der Stadt Kiel, an Bord der Germany I — und sie war trotz der Rennabsage begeistert: „Obwohl wir keine Regatta gesegelt sind, war es ein tolles Erlebnis, mit dem ersten deutschen Team beim Americas Cup dabei zu sein. Das werde ich sicher nie vergessen“, sagte sie nach der Rückkehr in den Americas Cup-Hafen.
Froh über den Abbruch war auch Team China. Voreiner Woche war den Franko-Chinesen fast der Kiel abgebrochen. „Wir wären heute kein Risiko eingegangen“, sagt Taktiker Sebastian Destremeau. „Wir hätten einfach nur versucht, in einem Stück über den Parcours zu kommen.“
Den Ruhetag nutzten die Italiener von Mascalzone Latino für entscheidende Änderungen in ihrem Team, nachdem die Überraschungsmannschaft der ersten Tage die letzten fünf Rennen in Folge verloren hatte. "Ich habe entschieden, den Steuermann zu wechseln", schreibt Syndikat-Chef Vincenzo Onorato. Der Neuseeländer Cameron Dunn löst den Italiener Flavio Favini ab. Startsteuermann bleibt weiterhin der Däne Jes Gram Hansen. "Mascalzone Latino lebt immer noch", sagt Onorato










