Extreme Sailing Series

Ecover vorn, Audi und Wirsol achteraus

27.08.2010 Jochen Rieker, Fotos: OC Events/P. Wyeth - Am zweiten Wettfahrttag in Kiel trennen sich bereits die Top-Teams von den wenig erfahrenen "Local Heroes"

Fotograf: © OC Events/P. Wyeth
Guter Lauf: Mike Goldings Ecover behält die Führung in Kiel

Mike Golding vom britischen Team Ecover vergoldete sich seinen 50. Geburtstag mit einem erneuten Tagessieg. Dagegen haderten die Deutschen mit schlechten Starts und taktischen Fehlern.

Nach fünf Wettfahrten war der Segeltag auf dem Wasser vorbei und Mike Golding, Skipper des Ecover Sailing Teams, der Mann der Stunde: Drei Siege fuhr der Mann aus Großbritannien ein, der heute seinen 50. Geburtstag feiert.

Als Weltmeister und Skipper Roland Gäbler vom Wirsol Team Germany am Abend mit einer Flasche Schampus auf die Bühne an der Kiellinie kam, um zur Gesamtführung und zum Geburtstag zu gratulieren, grinste der alte Fuchs Golding übers ganze Gesicht.

Die beiden deutschen Teams Wirsol und Audi Sailing Team Germany, die eigens für die deutsche Etappe der Extreme Sailing Series in Kiel am Start sind, belegen nach zwei Wettfahrttagen und zehn Rennen dagegen die letzten Plätze.

Dem gelungenen Start in die dritte Station der europäischen Segelserie folgte für Skipper Johannes Polgar vom Audi Sailing Team Germany ein etwas ernüchternder Tag. „Uns ist nicht alles so gelungen, wie wir uns das auf dem Kurs gedacht haben. Wir sind oft gut gestartet, waren dann aber als Vierte oder Fünfte an der Tonne. Wir haben auf Angriff gesegelt, waren auf der Ostseite aber benachteiligt, da war der Wind einfach schlechter.“

Gleichwohl haben Polgar und seine Katamaran-Neulinge Markus Koy, Lorenz Huber und Timo Koch einen Riesenspaß auf dem schnellen 40-Fuß-Renner. Polgar und Roland Gäbler sind sich in einem Punkt einig: „Es ist absolut fantastisch, dass man hier in einem Feld mit Olympiasiegern, America`s Cup-Gewinnern und Rekordhaltern segelt. Alle treffen sich auf diesen schnellen Booten."

Das Wirsol Team Germany von Gäbler holte auf, allerdings haderte Steuermann Tino Mittelmeier mit sich selbst: „Ich glaube, ich hatte `ne Sperre im Kopf — ich habe die Starts schlecht gefahren. Aber wir haben dann immer wieder aufgeholt. Wir sind jedenfalls alle noch mit Spaß dabei und haben die Power nicht verloren.“ Wirsol Team Germany rangiert mit 20 Punkten hinter dem Audi Sailing Team Germany mit 28 Zählern.

Morgen und am Sonntag wird es für die Deutschen, die über wenig (Wirsol) bis keine (Audi) Erfahrung in der Extreme Sailing Series verfügen, noch schwerer. Bei deutlich frischerem und böigerem Wind ist sicheres Bootshandling ein entscheidender Vorteil. Die Kats, die in der Spitze fast 40 Knoten erreichen können, fordern auf dem engen Regattakurs dann alles von den Crews. Ein entscheidender Vorteil für Routiniers wie den derzeit dominierenden Mike Golding.

Der ist, was das Segeln im Grenzbereich betrifft, mit allen Wassern gewaschen. Der Brite hat die BT Global Challenge gewonnen, war 2004 Sieger im legendären Transat und nahm mehrfach an der Vendée Globe teil. Auch wenn er häufig vom Pech verfolgt schien — zuletzt in Cowes und jetzt in Kiel scheint es auf dem Extreme 40 für ihn rund zu laufen. Drei erste, ein fünfter und ein dritter Platz in den Wettfahrten des zweiten Tages untermauerten die gute Leistung vom Vortag. Ecover führt mit 67 Punkten das Ranking der Extreme Sailing Series an.

Dem Regen und kühlen Wetter trotzend, harrten erneut einige tausend Zuschauer an der Kiellinie aus und sparten nicht mit Szenen-Applaus. Der Skipper hatte nur wenige Worte für den Tag: „Perfekt — alles war wirklich gut.“

Fotograf: © OC Events/P. Wyeth
Gutes Omen: Die Österreicher von Red Bull ließen sich von Model-Aspirantin Miriam Höller beflügeln

Diverse Scherze wird sich Red Bull Sailing Team-Skipper Roman Hagara (Österreich) gefallen lassen müssen. Am ersten Tag segelte das Team nur auf Platz sechs. Kaum aber hatte heute Germanys Next Top Model-Kandidatin Miriam Höller aus Schermbeck den Hightech-Katamaran der Österreicher „geentert“, lief es besser. Höller: „Das war absolut toll — ich war noch nie auf so einem Ding.“ Dann kam noch Red Bull Air Race World Champion Hannes Arch aus Salzburg an Bord und schon ging die „rote Post“ ab. Ein Wettfahrtsieg, ein zweiter Platz — jetzt rangiert das Team des Olympiasiegers, dessen Schwerter eine Meerungfrau ziert, auf Gesamtplatz fünf. Ziel von Hagara ist ein Platz auf dem Podium.

Ganz unauffällig hat sich die Groupe Edmond de Rothschild immer weiter nach vorn geschoben. Das vom Franzosen Yann Guichard — zweimaliger Nordatlantik-Rekordhalter — geskipperte Team zeigte exzellente Rennen in der Kieler Innenförde und rangiert hinter der Ecover von Mike Golding auf dem 2.Platz mit 63 Punkten — also nur vier Punkte hinter den führenden Briten.

Sonnabend beginnt die Extreme Sailing Series in Kiel mit der Öffnung des Race Village ab 11.00 Uhr, um 14.00 Uhr folgt die Parade of Sail und ab 14.30 Uhr wird die erste Wettfahrt angeschossen.

Zwischen-Klassement am Tag 2 nach insgesmat zehn Wettfahrten:
1. Ecover Sailing Team, Mike Golding (GBR) 67 Punkte
2. Groupe Edmond de Rothschild, Yann Guichard (FRA), 63
3. Oman Sail Masirah, Loick Peyron (FRA/ Oman), 59
4. The Wave, Muscat, Paul Campbell James (GBR/ Oman) 48
5. Red Bull Extreme Sailing Team, Roman Hagara (AUT), 46
6. The Ocean Racing Club, Mitch Booth (NED/ Slovenien), 40
7. Groupama 40, Tanguy Cariou (FRA), 38
8. Audi Sailing Team Germany, Johannes Polgar (GER), 28
9. Wirsol Team Germany, Roland Gäbler/ Tino Mittelmeier (GER), 20

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