Olympia-Ausscheidung

Drittes Ticket ist vergeben

12.12.2011 Tatjana Pokorny, Fotos: Richard Langdon - Gerz/Follmann sichern sich London-Fahrkarte; Großbritanniens Segelstar Ben Ainslie rastet aus; Stanjek/Kleen steigen stark in die WM ein

WM Perth
Fotograf: © Richard Langdon
Ferdinand Gerz und Patrick Follmann im 470er

Nach Surferin Moana Delle (14.) und Laser-Radial-Steuerfrau Franziska Goltz (39.) hat auch die bayerische 470er-Crew Ferdinand Gerz und Patrick Follmann die Nominierungskriterien für die Olympischen Spiele erfüllt.

Franziska Goltz sagte in Perth: „Es wird noch dauern, bis bei mir durchgedrungen ist, dass ich mich jetzt tatsächlich für die Spiele qualifiziert habe. Weil diese WM so gar nicht nach meinen Vorstellungen gelaufen ist, herrscht da noch ein Gefühlschaos.“

Weiter zittern müssen die Finn-Dinghy-Segler Jan Kurfeld (34.) aus Warnemünde und Matthias Miller (40.) aus Laupheim. Beide konnten sich in der Ausscheidung nicht in den Top-Ten-Nationen platzieren (DOSB-Kriterium) und müssen nun auf eine letzte Chance zur Olympiaqualifikation bei der Weltmeisterschaft 2012 hoffen, bei der noch sechs Last-Minute-Tickets nach England vergeben werden. Beide haben außerdem ihre Qualifikation für den Olympiakader verpasst.

Stark in die Weltmeisterschaft eingestiegen sind am Sonntag die in der nationalen Ausscheidung führenden Berliner Robert Stanjek und Frithjof Kleen, die mit den Rängen drei und fünf auf Platz zwei im Feld der 42 Starboot-Teams segelten. In der ältesten olympischen Bootsklasse kämpfen bei der WM vier deutsche Mannschaften um ein Olympiaticket. Zweitbestes Team waren zum Auftakt die Lübecker Johannes Babendererde und Timo Jacobs, die auf Platz fünf liegen. Johannes Polgar und Markus Koy aus Hamburg müssen zunächst mit Platz 17 zufrieden sein, Alexander Schlonski und Matthias Bohn segelten am ersten Wettfahrttag der Starboote auf Platz 22.

WM Perth
Fotograf: © Richard Langdon
Ben Ainslie ist der Ärger über den Ausraster anzusehen

Großbritanniens Segelstar Ben Ainslie rastet aus
Der dreimalige Olympiasieger Ben Ainslie hat sich am Samstag seiner Hoffnungen auf den siebten WM-Titel selbst beraubt. Mehrfach hatte ihn am Samstag ein Fernsehboot auf dem Regattakurs behindert. Auf dem letzten Vorwindgang der Finn Dinghies in Wettfahrt neun noch einmal so sehr, dass ihm die Wellen ins Boot schwappten. Kurz nachdem er die Ziellinie als Zweiter gekreuzt hatte, segelte Ainslie zum TV-Boot, kletterte an Bord, überzog Skipper und Kameramann mit einer Salve Schimpfwörter, sprang ins Wasser und schwamm zurück zu seinem Dinghy. (In einer Fotoserie ist das Geschehen dokumentiert.)

Die australischen WM-Veranstalter interpretierten Ainslies Vorgehen als grobes Missverhalten und Verletzung der Regel 69, auch als „Unsportlichkeitsregel“ bekannt. Diese sieht für grob unsportliches Verhalten sogar Strafen bis zu einer zweijährigen Sperre vor. Ainslie wurde nach einer Protestanhörung mit zwei Disqualifikationen für die Rennen neun und zehn bestraft und verlor als Spitzenreiter seinen bereits sicheren Platz im finalen Medaillenrennen, musste die Titelkämpfe als Elfter beenden.

In Australien und weltweit erhitzen sich nun die Gemüter: Hat die Jury verhältnismäßig geurteilt oder hat sie aus einer Mücke einen Elefanten gemacht und den besten Segler unserer Zeit um die wohl verdienten Früchte seiner Arbeit gebracht? Ainslie selbst sagte britischen Journalisten: „Ich habe in einer Situation überreagiert, in der ich meine Leistung ernsthaft behindert sah. Wir haben uns alle beieinander entschuldigt. Unglücklicherweise ist das Ganze Teil des Sports, der sich um neue Fernsehformate bemüht. Die Grenze wurde in dieser Woche aber mehrfach überschritten.“

Auch seinen Schmerz über die harte Entscheidung fasste „Big Ben“, der im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen mit einer möglichen vierten Goldmedaille zum erfolgreichsten Olympiasegler aller Zeiten aufsteigen könnte, in Worte: „Es ist sehr schade, dass die Weltmeisterschaft so entschieden wurde. Die ganze Sache war nicht so groß wie das, wozu sie später aufgeblasen wurde. Ich habe in den vergangenen sechs Wochen sehr intensiv gearbeitet und unglaublich hart trainiert, um hier erfolgreich zu sein. Das war für mich mit meiner Körpergröße gegen die größeren Segler schwer. Ich habe das Gefühl, eine der besten Regatten meines Lebens gesegelt zu habe. Es ist also enorm enttäuschend. Nun hoffe ich, dass wenigstens ein britisches Boot gewinnt – wenn ich es nicht sein kann.“ Dieser Wunsch ist am Sonntag in Erfüllung gegangen: Landsmann Giles Scott sicherte sich Gold vor dem Niederländer Pieter Jan-Postma und dem Briten Ed Wright. Damit heimsten die erfolgreichen Insel-Segler gleich zwei Medaillen in einer Disziplin ein.

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