America's Cup

"Die Intensität der Rennen wird zunehmen"

06.12.2002 Lars Bolle, Fotos: Th. Martinez - Interview mit Jochen Schümann vor dem Beginn der Halbfinalläufe

Fotograf: © Th. Martinez
Jochen Schümann am Rad der Alinghi

Jochen Schümann (48), dreimaliger Olympia-Goldmedaillengewinner, ist bei seiner weiten America's-Cup-Teilnahme Sportdirektor beim Schweizer Herausforderer Alinghi. Seine Gedanken über das anstehende Halbfinale gegen Oracle BMW Racing.

Glauben Sie, dass die Intensität der Rennen im Louis Vuitton Cup mit Beginn der Halbfinalläufe noch einmal zunehmen wird?
Jochen Schümann: Natürlich wird die Intensität der Rennen deutlich zunehmen, denn es treffen ab jetzt immer bessere Teams aufeinander. Das Leistungsniveau liegt viel dichter zusammen und natürlich war auch mehr Zeit, um sich noch besser vorzubereiten. Und es geht natürlich auch um mehr. Es wird spannender werden und sicher auch engere Resultate auf dem Wasser geben.

Wie wichtig waren die drei Wochen Rennpause zwischen Viertel- und Halbfinale für Ihr Team?
So eine Pause zwischen den verschiedenen Runden ist immer extrem wertvoll. Weil wir uns in den Rennpausen die Zeit selber einteilen. Wir können die verschiedenen Aufgaben verfolgen, die für uns wichtig sind. Man muss sich nicht an den Wettfahrtplan des Veranstalters halten. Man kann eine Menge Aufgaben erledigen, die während der Rennen nicht so einfach von der Liste gestrichen werden könnten. Und natürlich gibt es auch ein bisschen Zeit, um sich zu erholen und wieder frisch in den Wettkampf zu gehen.

Wenn Sie die Serie aus der Distanz betrachten: Glauben Sie, dass es vorhersehbar war, dass Alinghi, Oracle BMW Racing, OneWorld und Prada das Halbfinale erreicht haben?
Ja, ich denke, es ist das erwartete Ergebnis. Jetzt sehen sich die so genannten großen Vier ­ wie man sie vielleicht nennen kann ­im Halbfinale wieder. Die haben auch schon die ersten Runden als Führungsquartett beendet. Ich glaube, dieses Zwischenergebnis ist das Resultat der guten Vorbereitung für diesen Event, die in den vergangenen Jahren geleistet wurde. Deswegen ist es schon logisch, dass die starken Vier sich hier oben wieder treffen.

Könnte die Begegnung zwischen Oracle BMW Racing und der Alinghi Challenge schon das vorweggenommene Finale um den Louis Vuitton Cup sein?
Warum nicht? Einer von den beiden wird als Verlierer aus dem Semifinale nach unten in den Hoffnungslauf des Semifinals fallen und dort auf den Sieger zwischen Prada und OneWorld treffen. Und man muss dann sehen, wie stark eigentlich die obere Hälfte im Vergleich zur unteren Hälfte ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass derjenige, der jetzt das obere Semifinale verliert, nachher als Gewinner des Hoffnungslaufes wieder im Finale auftaucht und das Match also wiederholt wird.

Als Chris Dickson zum Team Oracle BMW Racing zurückkehrte, dachte jeder, dass die Chancen von Oracle sinken würden. Doch Oracle BMW Racing hat seitdem kein Match mehr verloren. Wie schätzen Sie Ihren Gegner ein?
Oracle BMW Racing ist mit Sicherheit ein sehr starkes Team, das wahrscheinlich die längste Vorbereitungszeit hatte und ja auch sonst in seinen logistischen und personellen Voraussetzungen am besten ausgerüstet ist. Es wird der erwartet starke Gegner sein. Offensichtlich hatten sie zwischendurch interne Probleme, ihr Team so stark auftreten zu lassen, wie es vielleicht sein kann. Nun muss man sehen, wie lange die Siegphase anhält. Bisher haben sie nach den letzten Veränderungen wenige Rennen verloren. Aber so eine Konstellation erweist sich ja erst dann erst als wirklich gut, wenn man auch durch Niederlagen gehen kann und anschließend erstarkt in den Wettbewerb zurückkehrt. Bisher hatten sie das Glück, dass seit Dicksons Rückkehr kein Rennen verloren ging. Aber mal schauen, wie die Situation aussieht, wenn ein Rennen verloren geht. Ich denke, es wird ein sehr spannendes Halbfinale werden.

Wer wird Ihrer Meinung nach als Sieger aus dem zweiten Halbfinal-Duell zwischen Prada und OneWorld hervorgehen?
Das Halbfinale zwischen Prada und OneWorld wird sicher recht ausgeglichen sein. Ich kann da keine Prognose über den Sieger abgeben. Ich denke, es wird mehr als ein Zu-Null-Ergebnis dabei herauskommen und wir können gespannt sein, weil der Sieger natürlich der Gegner für den Verlierer aus dem oberen Halbfinale sein wird. Da ist es für uns doch sehr wichtig, wer da weiterkommt. Ich glaube, die Frage ist noch offen und wir müssen eine Woche warten.

Welchen Fehler wollen Sie selbst niemals wieder an Bord begehen?
Fehler darf man ohnehin nicht zweimal machen. Also egal, welcher Fehler in der Vergangenheit aufgetreten ist - wenn man dazugelernt hat, darf sich dieser Fehler nicht wiederholen. Ich glaube, dass ist der einzige Weg, um erfolgreich und siegreich zu sein. Wenn es überhaupt passiert, dann sollte man jeden Fehler nur einmal machen. Alle Fehler, die man hier macht, können ein Rennen und damit einen wichtigen Punkt kosten. Man kann sie sich nicht leisten und deshalb dürfen sie auch nicht passieren.

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