Jules Vernes Trophy

Der schnellste deutsche Weltumsegler

08.01.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Idec Sport - Boris Herrmann ist nach 47 Tagen zurück von der Weltumsegelung mit "Idec Sport". Nie zuvor hat ein Deutscher die Erde so schnell umsegelt

Idee Sport und Boris Herrmann
Fotograf: © Idec Sport

Rasant auf drei Kufen um die Welt: "Idec Sport" auf dem Weg ins Ziel

Was haben Wilfried Erdmann und Boris Herrmann gemein? Genau: Beide haben den Planeten nun jeweils zweimal nonstop umsegelt. Der jüngere etwas schneller als der ältere, doch diese Leistung ist den modernen Booten und Teams zu verdanken, mit denen Boris Herrmann und die insgesamt sechsköpfige Crew um Skipper Francis Joyon auf dem 31,50 Meter langen Trimaran "Idec Sport" den Weltrekord und die Jules Verne Trophy gejagt haben. Beides blieb ihnen ebenso verwehrt wie Dona Bertarellis und Yann Guichards "Spindrift 2", die ihre Weltumseglung kurz vor der "Idec Sport" ebenfalls unvollendet beendete.

Idec Sport am Kap Hoorn
Fotograf: © Idec Sport

Seit heute schnellster deutscher Nonstop-Weltumsegler: Boris Herrmann

Dennoch schließt Boris Herrman seine insgesamt dritte Weltumsegelung mit einer ganzen Reihe persönlicher Bestmarken ab. Er ist nun der schnellste deutsche Nonstop-Weltumsegler, hat die Erde in 47 Tagen, 14 Stunden und 47 Minuten im Nonstop-Modus umrundet. Die Anzahl seiner Kap-Hoorn-Passagen erhöhte Herrmann mit dem jüngsten Rekordversuch auf vier. Die dritte hatte er im Rahmen des Rund-Amerika-Rekords auf "Maserati" absolviert. Dabei soll es nicht bleiben, denn die "Idec Sport"-Crew wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr erneut Jagd auf die Jules Verne Trophy machen. 

"Als wir schon wussten, dass es diesmal nicht klappen würde, haben wir am Äquator lebhaft über Verbesserungspotenzial diskutiert", verriet Herrmann lächelnd, "für einen Rekord braucht es meist drei Versuche." Von 28 Anläufen, den jeweils bestehenden Jules-Verne-Weltrekord zu brechen, führten bislang nur acht zu einer neuen Bestzeit. Navigator Herrmann sieht im Bereich der Radar- und Infrarottechnik zur Erkennung von Treibeis die meiste Luft nach oben. Dann könne, so Herrmann, doch die kürzere, erfolgversprechendere Südroute eingeschlagen werden, die sein Skipper Joyon bei dieser Runde bewusst vermieden hatte, weil ihm das Risiko von Kollisionen mit Eisbrocken zu hoch erschienen war.

Schreckmoment im Schlusssprint

Im Schlussspurt in Richtung Ziel hatte die "Idec Sport"-Crew noch Schreckmomente zu überstehen, als der Trimaran ein sogenanntes "Ufo", ein "Unknown floating object", rammte. "Dabei haben wir uns das halbe Luvruder abgehackt", berichtete Herrmann. Das Malheur konnte die Mannschaft nicht vom stürmischen Ritt in Richtung Heimat abhalten. "Meine letzten Stunden am Ruder habe ich mit 38 Knoten auf einem langen Nordatlantikschwell in die aufgehende Sonne gesteuert. Selbst für einen einzigen dieser Surfs würde ich es wieder machen!", so Herrmann.

Boris Herrmann
Fotograf: © Idec Sport

Boris Herrmann am Steuer des 31,50 Meter langen Trimarans

Ungünstige Wetterlagen hatten sowohl "Idec Sport" als auch "Spindrift 2" den Rekord trotz eindrucksvoller Geschwindigkeiten verpassen lassen. "Spindrift 2" kreuzte die Ziellinie nach 47 Tagen, 10 Stunden, 59 Minuten und 2 Sekunden. Um die bestehende Bestmarke der "Banque Populaire V" mit Skipper Loïck Peyron (45 Tage, 13 Stunden, 42 Minuten, 53 Sekunden) zu knacken, hätten die Jäger bereits am Mittwoch die Ziellinie kreuzen müssen. Es war aber schon länger klar, dass die im Südatlantik gegebenen Wetterbedingungen eine neue Bestmarke nicht zulassen würde.

Eine neue Rekordzeit für die schnellste Passage durch den Indischen Ozean durch "Idec Sport" und viele einzigartige Höhepunkte mehr zieren die atemberaubende Jagd der beiden Trimarane durch die Weltmeere. Dona Bertarelli, Schwester des zweimaligen America's-Cup-Gewinners Ernesto Bertarelli und Eignerin der "Spindrift 2", ist seit heute die schnellste Weltumseglerin der Sportgeschichte. 

Idee Sport und Boris Herrmann
Fotograf: © Idec Sport

Begegnung der eisigen Art: Die "Idec Sport"-Crew passiert einen gigantischen Eisberg

"Es war eine lange Zeit ein sehr kalter Kampf mit goldenen Momenten zwischen Himmel und See, wenn das Boot in einer glitzernden Schaumwolke mit unbeschreiblichen 90 Stundenkilometern über die Weite des Ozeans prescht, Tausende Kilometer vom Land und jeder vermeintlichen Rettung entfernt." Worauf sich Boris Herrman gegen Ende der knapp 50-tägigen rasanten Reise um die Welt freut? "Auf ein Toastbrot mit Marmelade beispielsweise", sagte Herrmann. Und schwärmte: "Der erste Kaffee und der erste Orangensaft,, der erste Duft einer Pflanze, das erste Geräusch von Menschen, von Zivilisation, der erste Kuss – das scheint so banal und ist doch für uns ein langersehnter Hochgenuss."

Das St.-Helena-Hoch vereitelte die Krönung

Für ihn bleibe der Rekordversuch um die Erde "rundum ein Erfolg", so Herrmann, dessen Team rund 30.000 Seemeilen hinter sich hat. Am Ende war es das berüchtigte St.-Helena-Hoch, das die Krönung vereitelte, obwohl sich die "Idec Sport"-Crew zwischenzeitlich bis zu 300 Seemeilen Vorsprung vor dem alten Rekord erkämpft hatte. "Weltumsegler teilen den Globus durch die Ozeane in sechs Hauptgewinne ein", so Herrmann über die Wetterlotterie, "dabei haben wir gleich zweimal die Niete gezogen." Francis Joyon bleibt nach der großartigen Fahrt die Hoffnung auf weitere Rekordjagden und die Gewissheit, seit 2008 mit 57 Tagen der schnellste Solo-Weltumsegler zu sein. Am Teamrekord wird er sich weiter versuchen.

Idec Sport am Kap Hoorn
Fotograf: © Idec Sport

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