Jules Verne Trophy

Der Rekord – so nah und doch so fern

03.01.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Volodiaja Net/Navionics, Spindrift/Y. Riou, Idec Sport, Volodiaja/Y. Riou, Spindrift - Das Spiel ist aus, die Jagd bleibt unvollendet: "Spindrift 2" und "Idec Sport" können den Rekord nicht mehr knacken. Was für ein Wetterpech

Dass die alte und nun weiter bestehende Rekordzeit der "Banque Populaire V" und ihrer Mannschaft um Skipper Loïck Peyron eine fabelhafte Bestmarke darstellt, war immer klar. In 45 Tagen, 13 Stunden, 42 Minuten und 43 Sekunden waren die Franzosen 2012 um die Erde gejagt und hatten sich damit die Jules Verne Trophy für die schnellste Weltumrundung mit einem Segelboot gesichert. Mit Yann Guichards und Dona Bertarellis "Spindrift 2" und der "Idec Sport" mit Navigator Boris Herrmann hatten sich gleich zwei schnelle Mehrrumpfer mit guten Aussichten daran gemacht, diese Fabelzeit zu unterbieten. Die Teams haben gekämpft, Rückschläge weggesteckt, Grandioses erlebt und abermals gekämpft. Doch zu Beginn des 43. Tages auf See ist klar: Die Jules Verne Trophy bleibt vorerst unerreichbar.

Karte Rekordfahrt Jules Verne Trophy
Fotograf: © Volodiaja Net/Navionics

Karte Rekordfahrt Jules Verne Trophy von Sonntag, 3. Januar (morgens)

Das räumte "Spindrift 2"-Skipper Yann Guichard am Sonntagmorgen ein. Etwa 266 Seemeilen hinter dem Rekord liegend und mit verbleibenden 2600 Seemeilen bis ins Ziel sah Guichard keine Möglichkeit mehr, die Bestmarke noch zu unterbieten. Obwohl die Mannschaft den Rückstand auf die Rekordmarke zuletzt binnen drei Tagen um 700 Seemeilen reduziert hatte, war der Rückstand seit Samstag wieder angeschwollen. Ein ähnliches Bild mit noch mehr Rückstand hat sich für Boris Herrmanns Team auf "Idec Sport" ergeben, die drei Stunden vor "Spindrift 2" in die Hatz um den Globus gestartet war und am Sonntagmorgen mit 512 Seemeilen Rückstand auf den Rekord ebenfalls keine Chance mehr hatte, die "Banque Populaire V"-Zeit noch zu unterbieten. "Spindrift 2" hätte die Ziellinie zum Knacken des Rekords bis zum 6. Januar um 18.57 Uhr (MEZ) kreuzen müssen. "Idec Sport" sogar noch gut zwei Stunden davor. Beides war am Sonntag nicht mehr möglich.

Spindrift
Fotograf: © Spindrift/Y. Riou

Keine Chance mehr auf den Rekord: "Spindrift 2"-Skipper Yann Guichard und seine Crew

"Wir haben unaufhörlich gekämpft", sagte Yann Guichard, "aber wir haben keine Chance mehr, den Rekord zu brechen. Das Wetter hat unser Schicksal besiegelt." Weil das Azorenhoch den direkten Weg ins Ziel blockiert und schwere Stürme vorausliegen, sei kein angemessenes Navigieren möglich. "Die Bedingungen auf dem Atlantik machen es der Crew unmöglich, die Weltumsegelung rechtzeitig zu beenden", hieß es in einer "Spindrift 2"-Pressemitteilung. Außerdem: "Von heute an ist die Crew der 'Spindrift 2' gezwungen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen."

Boris Kap
Fotograf: © Idec Sport

War als erster Deutscher auf Jules-Verne-Rekordfahrt, doch eine neue Bestmarke bleibt auch ihm verwehrt: Boris Herrmann

Der im Duell mit "Idec Sport" vorn liegende gold-schwarze Trimaran "Spindrift 2" hätte für die verbleibende Distanz eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 26 Knoten erzielen müssen, um den Rekord noch zu unterbieten. "Idec Sport" hätte sogar noch schneller sein müssen. Bis Samstagabend hatten die Teams nach ihrer zwischenzeitlich beeindruckend gelungenen Aufholjagd noch die Hoffnung, dass sich ein Wetterfenster für sie öffnen würde. Aufgrund des Hochs aber gibt es keine Möglichkeit zur Abkürzung in Richtung Zielhafen. Zusätzlich drohen Stürme zwischen Labrador und der Biskaya. Die ohnehin schon aufgewühlte See vor Ouessant dürfte sich laut Wetterexperten in den kommenden Tagen in einen "chaotischen Zustand" verwandeln. Schon am Samstag hatten hier 35 Knoten Wind und Böen mit bis zu 60 Knoten Wind geherrscht. Eine Besserung war nicht in Sicht. Für Skipper Yann Guichard war klar: "Die Sicherheit für Mannschaft und Boot steht an erster Stelle. Wenn wir langsamer segeln müssen, um das Schlimmste zu vermeiden, dann wird die Vorsicht alle anderen Gesichtspunkte überwiegen. Das ist vielleicht eine Enttäuschung für mich und die Crew, doch wir haben seit dem Start alles gegeben und können stolz auf unsere Leistung sein. Die Wettergötter haben entschieden, uns auf dem Weg ins Ziel nicht zu helfen."

Jules Verne Trophy
Fotograf: © Volodiaja/Y. Riou, Spindrift

An Silvester hatte die "Spindrift 2"-Crew noch Hoffnung, den Rekord brechen zu können

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