America´s Cup

Der neue Cupper!?

02.02.2009 Carsten Kemmling, Fotos: Alinghi - Alinghi hat das Regelwerk für den nächsten Cup vorgestellt. Das neue Boot ist 6,5 Tonnen leichter und trägt mehr Segel als der alte Cupper.

Fotograf: © Alinghi
Alt (l.) gegen neu. Der ACC33 rechts ist leichter und schneller.

Ungeachtet der am 10 Februar beginnenden Verhandlung vor dem New Yorker Berufungsgericht im Fall BMW Oracle gegen Alinghi, haben die Schweizer die Eckdaten für den Cupper vorgestellt, mit dem sie 2010 vor Valencia um den America´s Cup segeln wollen.

In Zusammenarbeit mit den Designern der 17 gemeldeten Syndikate ist der AC33 entstanden, ein modernes, großes Schiff, das wie eine große TP 52 wirkt. Die größere Segelfläche und das deutlich leichtere Gewicht sollen besonders auf der Vorwind-Strecke für mehr Überholmanöver sorgen.

Änderungen der Windstärke werden mehr als bisher für Geschwindigkeitsunterschiede sorgen. Da die Boote einen festen Bugspriet und keinen Spinnaker haben - er wird durch den starken Fahrtwind auch nicht mehr benötigt - kann der Verfolger nicht mehr klassisch von achtern abdecken. Aber es dürfte zu mehr spektakulären Luvkämpfen kommen.

Die Leistungsfähigkeit am Wind soll etwa der des bisherigen Version 5 Cuppers entsprechen. Somit wird sich die Match Race Taktik auf diesem Abschnitt nicht grundlegend ändern.

Das neue Schiff wird aber erst zum Einsatz kommen, wenn Alinghi die Berufungsverhandlung gegen BMW Oracle gewinnt. Die Entscheidung wird Ende März oder Anfang April erwartet. Dann dürfte auch Ralph Dommermuth entscheiden, ob er wieder ein deutsches Team an den Start schickt.

Die Pressemitteilung von Alinghi:

Die AC33 wurde in Diskussionen mit dem Defender, dem Challenger of Record und den übrigen 17 eingeschriebenen Teams in einem Prozess designt, der von Tom Schnackenberg geleitet wurde, dem Berater des AC-Managements für die Class Rule und die Wettkampfregeln.

Designer und Team-Manager der 19 Syndikate, die am America's Cup teilnehmen, haben sich seit Beginn des Design-Prozesses Anfang November 2008 regelmässig in Genf und in Valencia getroffen.

Diese Gruppe kam überein, ein Boot zu entwickeln, das ähnlich viel kostet wie dasjenige der America's-Cup-Class-Version 5.0, aber leistungsstärker ist. Das AC33-Regelwerk hat sich in Richtung einer Rennyacht entwickelt mit einer maximalen Gesamtlänge von 26 Metern, mit 5 Metern Tiefgang und einer Verdrängung von 17,5 Tonnen.

Der Segelfläche ist größer als beim Regelwerk der ACC-Version 5.0 (allerdings ohne die überlappenden Vorsegel) und wie bei der AC90-Regel von 2007 vorgesehen, hat das Boot einen Bugspriet. und die Spinnaker-Fläche wird nur durch die Schot-Punkte limitiert und nicht durch die Vermessung der Fläche.

Wegen der geringeren Verdrängung ist es auf dem Amwindkurs anspruchsvoller zu segeln und wird großartige Geschwindigkeiten auf den Vorwindkursen zeigen. Die Breite darf maximal 4,8 Meter betragen, was nach viel aussieht, wenn man sich den Anblick der Yachten der Version 5.0 gewohnt ist, bei denen die letzte Generation meist kaum mehr als 3 Meter breit war.

Tom Schnackenberg, der ACM-Berater für die Class Rule und die Wettkampfregeln, äussert sich zum Prozess und sagt, was von der neuen Klasse erwartet werden darf:

„Wir haben zehn sehr lebhafte Wochen hinter uns, in denen wir diese neue AC33-Class-Rule geschaffen haben. Der Prozess war demjenigen des ursprünglichen AC90 sehr ähnlich und wir haben extra darauf geachtet, an vielen Punkten festzuhalten, die wir schon 12 Monate vorher entwickelt hatten. Aufgrund unserer vorherigen Erfahrungen verlief der Prozess reibungslos, dies trotz der Unterbrechung durch die Weihnachtsferien.”

„Das Boot sollte ursprünglich Überhänge aufweisen und Umfangs-Beschränkungen (eine Art Mini-J-Klasse). Als aber verschiedene Designer zum Projekt stießen, wurde schnell klar, dass wir ein Boot anstrebten, dass nur durch die Gesamtlänge, das Gewicht, die maximale Breite und den Tiefgang definiert wird. Dies bringt einfache Messvorgänge für den Rumpf selbst, und es schien, als ob das Boot mit jeder Veränderung schneller wurde!

„Das Boot ist nun etwas länger als die Boote der ACC-Version 5.0 und mehrere Tonnen leichter, mit ähnlicher Segelfläche und aufrichtendem Moment. Es verspricht, ähnliche Geschwindigkeit auf dem Amwind-Kurs und grossartigen Leistung auf der Vorwind-Strecke.”

„Wir glauben, dass die America's-Cup-Gemeinde viel Freude an diesem Boot haben wird; es ist ein würdiger Nachfolger aller wunderbaren Boote von früher.”

Rolf Vrolijk, der Chefdesigner von Defender Alinghi sagt dies über die neue Klasse:

„Für Designer ist es immer spannender, an der Gestaltung einer neuen Klasse oder einer neuen Bootsart mitzuwirken, weil man bei der bereits bestehenden, extrem hoch entwickelten Klasse nur kleinste Optimierungen vornehmen kann. Es ist eine ziemliche Herausforderung, weil es bedeutet, dass man bei Null anfangen muss und eine Klasse wie diese hat es vorher noch nie gegeben.

Wenn man die Hausaufgaben richtig macht, dann wird man wettbewerbsfähig sein. Einige Teams werden wohl in gewissen Bereichen der Regel sehr kompetitiv sein, das wird also sehr aufregend.”

John Cutler, der technische Direktor des Challenger of Record, Desafío Español, zur Tatsache, dass die neue Klasse zur Nivellierung des Teilnehmerfeldes beitragen kann:

„Alle sitzen vor einem leeren Blatt Papier und so haben alle die Chance, ein schnelles oder sogar das schnellste Boot zu bauen. Wir denken, dass dies eine gute Chance für alle Challenger ist und es wird für Desafio Español gut sein.”

Andy Claughton, der Koordinator des Designteams vom britischen Challenger TeamOrigin sagt:

„Die neue AC33-Class-Rule ist eine tolle Leistung, die Alinghi und die Challenger gemeinsam erbracht haben. Die Vision des Bootes war klar: es musste schnell und modern sein und eine Herausforderung für die Segler, durfte aber gleichzeitig nicht extrem teuer in Bau und Unterhalt werden.

Die Entwicklung des Regelwerkes wurde bei einer Reihe von Roundtable-Gesprächen vorangetrieben, die von Tom Schnackenberg präsidiert wurde, der seine ganze Erfahrung beim Schreiben des Textes einfliessen liess.

Alle Challenger konnten sich in diesen Gesprächen einbringen und die erfahrenen Mitglieder der Gruppe haben dann auf ein Regelwerk hingearbeitet, das viel weniger Beschränkungen aufweist als die frühere Version der 5.0-Boote.”

Technische Daten der beiden Cupper im Vergleich

Version 5/ACC33 (neu)

Länge: 24.5 m/ 26 m max
Wasserlinie: 18-20 m/ 26 m max
Breite: 3.3m/ 4.8m
Tiefgang: 4.1 m/ 5.0 m
Gewicht: 24 Tonnen/ 17.5 Tonnen
Masthöhe: 32.5 m/ 33.6 m
Spinnaker: 512 qm/ unbeschränkt
Großsegel: 214 qm/ 225 qm

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