Jules Verne Trophy

Der dornige Weg zum Äquator

28.12.2015 Andreas Fritsch, Fotos: Y. Riou/Spindrift - "Idec Sport" und "Spindrift 2" quälen sich durch einen Ausläufer des St.-Helena -Hochs im Schneckentempo nach Norden. Es wird knapp

Spindrift 2
Fotograf: © Y. Riou/Spindrift

Live-Bilder von der Drohne

"Wir sind alle etwas niedergeschlagen", meldete "Idec Sport"-Skipper Francis Joyon von Bord. "Wir hatten ursprünglich erwartet, nur ein paar Stunden in dem ruhigen Hochdruckbereich zu verlieren, aber am Ende hat es uns über einen Tag gekostet! Aber jeder behält seine Gefühle für sich und bemüht sich, einfach seinen Job so gut wie möglich zu machen."

Die Sorgen der Crew sind nachvollziehbar. Seit zwei Tagen versuchen beide Boote, durch ein Band schwacher Winde zu stoßen, die den Weg weiter gen Norden zum Äquator versperren. Schlimmer als gedacht, begann sich die Zone sogar auszudehnen, je weiter die beiden Tris in sie hineinsegelten. Für beide bedeutet die Wetterlage auch noch Kreuzkurse, die ein grottenschlechtes VMG in Richtung Ziel ergeben, während Rekordhalter "Banque Populaire" 2012 an dieser Stelle direkten Kurs aufs Ziel segeln konnte. Entsprechend tickt die Uhr gnadenlos gegen die Teams. Montagabend hatte der vorn liegende "Spindrift 2" bereits rund 500 Seemeilen Rückstand angehäuft, bei Boris Herrmann an Bord von "Idec Sport" sind es sogar schon 900.

Spindrift 2
Fotograf: © Y. Riou/Spindrift

Kartenbild vom Stand des Rekordprojekts

"Spindrift 2"-Router Jean-Yves Bernot brachte es wie folgt auf den Punkt: "Das Hoch im Südatlantik von Brasilien bis Kapstadt hat uns viel Ärger gemacht. Von Süden kommend, mussten wir entscheiden, welches die weniger schlechte Option war: Die Nordroute dicht unter der Küste von Brasilien und hoch am Wind segeln in relativ konstantem Wind oder unseren Weg durch die Mitte des Hochs weiter östlich erzwingen. Wir haben die nördliche Route gewählt und sollten heute gegen Abend endlich die Passatwinde erreichen."

Für beide Teams wird es so immer schwerer, den Rekord zu knacken. Zwar hatte Loïck Peyron 2012 einen riesigen Umweg um das Azorenhoch fahren müssen, der ihn weit gen Westen von der kürzesten Route abbrachte, aber beide Tris müssten jetzt schon einen perfekten Zielsprint hinlegen, um wieder einen Tag herauszuholen. Doch wie Jean Yves Bernot weiter ausführte, ist zurzeit nicht klar, ob das gelingen kann. Es wird also knapp, besonders für "Idec Sport", die schon mehr als einen Tag Rückstand hat. Vieles hängt also davon ab, ob die beiden Boote am Dienstagmorgen endlich im Passatwind segeln oder weiter größtenteils kreuzen müssen.

An Bord von "Spindrift 2" fasste das Teambesitzerin Dona Bertarelli ganz gut zusammen. "Es gibt zwei Dinge, die für die Stimmung in der Crew derzeit gut sind: Speed und gutes Essen." Die letzten Schokoriegel werden hin und her getauscht. "Allen hängt das gefriergetrocknete Essen zum Hals raus. Das Rennen um die Welt nähert sich dem Ende und die Wetterbedingungen machen die Aufgabe nicht einfacher. Also giert jeder nach dem einzigen Komfort an Bord: Zucker!" 

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