America's Cup

„Das habe ich nicht verstanden“

21.03.2008 Carsten Kemmling - Jochen Schümann äußert sich zum Urteil in New York und wundert sich über den Kommentar von Teamchef Scheeren

Muss man sich Sorgen machen um das Team Germany? Bisher waren die Entscheidungen des Managements nachvollziehbar. Ohne eine Idee davon, was in Zukunft mit dem Cup passiert, ist es verständlich, dass der Sponsor die Verträge des Teams kündigt.

Ralph Dommermuth hat seit dem Ende des Cups einen hohen einstelligen Millionenbetrag aus seiner Privatschatulle ausgegeben, um das Team bis heute am Leben zu halten. Eine Gegenleistung gab es bisher nicht. Dennoch hieß es bisher immer, alle Beteiligten stehen nach wie vor zum Team.

Umso erstaunlicher ist jetzt die düstere Aussage des deutschen Syndikats-Chef Michael Scheeren gegenüber dem SID nach dem Urteil in New York: „Es ist vorerst ungewiss, wie es nach dem Duell mit dem Cup weitergeht. Wenn Oracle gewinnt, segelt man vielleicht erst wieder 2013 und dann auch noch in den USA.“

Ein solches Szenario steht eigentlich nicht zur Debatte. Tatsächlich gibt es nach dem Urteil mehr Gewissheit als seit Monaten. Spätestens im Juli 2009, wahrscheinlich aber schon im Oktober dieses Jahres fällt die Entscheidung darüber, wer den Cup besitzt. Der Sieger entscheidet, wie es weitergeht.

Da aber beide Parteien verkündet haben, dass sie im Falle eines Sieges 2011 in Valencia wieder einen Cup für alle ausrichten wollen, gab es nie mehr Planungssicherheit für das Team Germany als heute.

Doch Scheeren sagt weiter: „Das ist natürlich der größtmögliche Unfall und einer der Gründe, warum wir nicht weitermachen können.“

Jochen Schümann reagierte gegenüber YACHT online erstaunt auf die Äußerung seines Teamchefs. „Ich habe nicht so ganz verstanden, warum er das gesagt hat. Offenbar gibt es bei uns verschiedene Parteien mit verschiedenen Denkweisen. Man sollte sich bald noch mal zusammensetzen.“

Schümann hat aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das Auslaufen der Verträge für einen Fehler hält. „Wir sind damals zu der Schlussfolgerung gekommen, dass wir früh dran sein müssen, um Anschluss an die Spitze zu bekommen.

Das gilt immer noch. Davon sollten wir uns nicht verabschieden. Ich bin aber nicht frustriert, sondern voller Energie. Wir dürfen nur das Ziel, die Top-Vier, nicht aus den Augen verlieren.“

Prinzipiell freue er sich darüber, dass endlich eine Entscheidung in New York gefallen sei. „Aber mich persönlich überrascht es, dass so etwas möglich ist. Alinghi hat sicher im Überschwang des Sieges Fehler gemacht und Lücken im Protokoll gelassen.

Aber dass es BMW Oracle und Russell möglich war, den vollen Machtgewinn zu erstreiten, erstaunt mich sehr.“

Andere außenstehende Teams werten die jüngste Entscheidung vor Gericht denn auch nicht als Schlusspunkt, sondern als Beginn. Das neue französische Team French Spirit von Marc Pajot hat soeben den Start seiner Kampagne und die Verpflichtung der Hochkaräter Philippe Presti (ehemals Luna Rossa) und Bertrand Pacé (ehemals BMW Oracle) bekanntgegeben.

Und auch der Franzose Stephan Kandler von K-Challenge (ehemals Areva-Challenge) verkündete seine Freude über das Urteil. „Jetzt können wir unser Team wieder versammeln und uns auf 2011 vorbereiten.“

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