Segellegenden

"Darling" Willy Kuhweide wird 70

06.01.2013 Tatjana Pokorny, Fotos: YACHT ARCHIV, YACHT-Archiv, tati - 1964 bewegte er mit seinem Olympiasieg die Deutschen, heute feiert Willy Kuhweide seinen 70. Geburtstag im Wahlheimatort Carefree in den USA

Willi Kuhweide
Fotograf: © YACHT ARCHIV

Willy Kuhweides Name bleibt unvergessen

Er bleibt unvergessen: Segellegende Willy Kuhweide feiert heute seinen 70. Geburtstag in seinem Wahlheimatort Carefree im amerikanischen Bundesstaat Arizona. Sogar Kuhweide selbst hat oft seinen pittoresken Familiennamen für seinen Bekanntheitsgrad mitverantwortlich gemacht. Eine charmante Tiefstapelei. Willy Kuhweide hat sich seinen Ruhm mit Ausnahmeleistungen, zwei olympischen Medaillen, vier Welt- und drei Europameistertiteln als taktisch und technisch versierter Segler selbst erarbeitet.

Willy Kuhweide
Fotograf: © YACHT-Archiv

Willy Kuhweide

Kuhweide, der schon segelte, bevor er laufen konnte, entflammte die Deutschen 1964 mit seiner im legendären Finn-Dingi »Darling« gewonnenen Goldmedaille. Mit dem Olympiasieg stieg das damals erst 21 Jahre alte Ausnahmetalent zum Idol einer ganzen Generation auf. Seinen ersten Kieler-Woche-Sieg hatte er schon im Alter von 15 Jahren ersegelt. Anschließend wusste er zu berichten, dass er die Weite des Reviers kaum fassen konnte und der Wannsee ihm bei der Rückkehr nach Berlin wie ein kleiner Badetümpel erschien. Zum Jubiläum des 125- jährigen Bestehens des Kieler Yacht-Clubs schrieb Kuhweide: "Wenn ich an den KYC denke, dann denke ich spontan an die Preisverleihungen auf der großen Wiese. Dort herrschte immer eine sehr würdige Atmosphäre. Die Preise waren geschmackvoll und edel."

Willi Kuhweide
Fotograf: © YACHT ARCHIV

Der junge Olympiasieger Willy Kuhweide strahlt

Dem historischen Olympiasieg des dynamischen Berliners vom Verein Seglerhaus am Wannsee war eine dramatisch umstrittene innerdeutsche Ausscheidung vorausgegangen. Im nationalen Ringen zwischen Kuhweide und seinem Ostberliner Rivalen Bernd Dehmel, zwischen BRD- und DDR-Segelmannschaft, die damals letztmalig in einem gemeinsamen deutschen Team bei der olympischen Regatta vor Enoshima antraten, wurde Kuhweide erst eine halbe Stunde vor dem Olympiastart nach Eingreifen des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage nominiert. Während der Regatta trotzte Kuhweide einer hartnäckigen Mittelohrentzündung und segelte mit einem Start-/Zielsieg in der letzten Wettfahrt zu Gold.

Zurück in Berlin, wurde der junge deutsche Held von Hunderttausenden Fans jubelnd empfangen, bescherte dem deutschen Segelsport ein nie dagewesenes Hoch. Er wurde von den Medien gefeiert und durfte auf Las Palmas sogar "Schätzchen" Uschi Glas bei einem Fotoshooting das Einmaleins des Segelsports erklären. "Damals war die Sehnsucht nach Identifikationspersonen groß", verriet Kuhweide einmal der Wochenzeitung "Die Zeit", "ich bin dann eine geworden." Er besang sogar Schallplatten mit Schlagern wie "Liebe kleine Segelbraut". Man kann sie sich immer noch via Youtube anhören. Kuhweide blieb aber trotz aller Verlockungen sich und seinem Hang zu Disziplin und Konsequenz stets treu.

Bekannt war sein gutes Verständnis für Meteorologie und die technisch komplexen Zusammenhänge des Segelsports. So erklärte er vor knapp einem halben Jahrhundert einmal in einem Interview, warum er die Angaben der Wetterexperten für sich stets um ein bis zwei Beaufort herunterkorrigierte: "Die messen auf dem Leuchtturm. Mein Mast ist aber höchstens fünf Meter hoch." Insgesamt nahm Kuhweide fünfmal an Olympischen Spielen teil, gewann 1972 auf dem von ihm geliebten Revier der Kieler Förde mit Karsten Meyer Bronze im Starboot und war 1984 in Los Angeles Fahnenträger der deutschen Mannschaft. Die eigene Segelkarriere hatte Kuhweide 1985 beendet.

Willi Kuhweide
Fotograf: © tati

Willy Kuhweide zeigt die von Alinghi akzeptierte erste deutsche America's-Cup-Herausforderung

Willi Kuhweide
Fotograf: © tati

Kommodore Willy Kuhweide

Nach langer Segelpause und einem erfüllten Berufs- und Privatleben in den USA startete der ehemalige Leiter der Lufthansa-Pilotenausbilungsschule in Arizona als Rentner noch einmal in der Rolle des Botschafters und Ratgebers durch, übernahm 2005 als Kommodore des Deutschen Challenger Yacht Clubs die Rolle der Gallionsfigur der ersten deutschen America’s-Cup-Kampagne. Am 29. April 2005 herrschte in der offiziellen Stunde Null der deutschen Cup-Premiere Gänsehaut-Stimmung im Verein Seglerhaus am Wannsee, als Kuhweide das United Internet Team Germany in der Hauptstadt präsentierte. Als er über die knarrenden Holzdielen schritt und wenig später stolz die vom damaligen Verteidiger Alinghi akzeptierte Herausforderung zeigte, war das Segelglück vieler deutscher Cup-Jäger vollkommen. Die deutsche Premiere selbst verlief später nicht nach Wunsch, markierte aber dennoch einen Meilenstein in der Segelgeschichte.

Kuhweides Name ist geblieben und klingt weiter in den Ohren der nachfolgenden Generationen. Aufmerksame Besucher entdecken ihn hin und wieder im Hamburg-Blankeneser Strandlokal "Zum Bäcker", wenn er eine seiner Töchter in Hamburg besucht und beim ehemaligen MSC-Opti-Coach "Manne" Brüchmann die Aussicht auf die Elbe genießt.

Auf die Frage nach der besten Entscheidung seines Lebens sagt Kuhweide: "Dass ich nicht Musik studiert habe, aber trotzdem bis heute Klavier und Akkordeon spiele." Seine schönste Erinnerung an den Segelsport, so Kuhweide, sei die an seine Kindheit in Berlin: "Ich habe es genossen, wenn wir mit meinen Eltern und meinen drei Schwestern am Wochenende auf unserem 8-mR-Boot 'Wunschtraum’ je nach Wetter alle in Dunkelblau oder Weiß gemeinsam segeln gingen."

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