America's Cup

Coutts gefeuert

27.07.2004 Lars Bolle, Fotos: (c) Philippe Schiller/Alinghi - Team Alinghi trennt sich von seinem Star-Steuermann

Fotograf: © (c) Philippe Schiller/Alinghi

Russell Coutts

 

 

Schon seit einigen Monaten wurde der Streit zwischen Teamchef Ernesto Bertarelli und seinem neuseeländischen Steuermann Russell Coutts nicht mehr nur intern ausgetragen. Jetzt kam es zum offenen Bruch, der viele Fragezeichen über die Zukunft des Teams offen lässt.

Dass es zum Bruch kommt, war absehbar, schließlich wurde in Statements immer wieder auf Verträge hingewiesen, was nie ein Zeichen von Harmonie ist. Bemerkenswert ist jetzt aber der Tenor einer gestern von Alinghi veröffentlichten Pressemitteilung, die wir hier ungekürzt wiedergeben:

Team Alinghi sieht sich veranlasst, den Vertrag mit Russell Coutts mit sofortiger Wirkung zu beenden. Die Entlassung von Russell Coutts erfolgt aufgrund wiederholter Pflichtverletzungen.

Die Verweigerung Russel Coutts in Newport, USA, das Steuer der Alinghi zu übernehmen, obwohl er dazu aufgefordert wurde, sowie seine Entscheide, nicht mit der Mannschaft von Team Alinghi an Regatten teilzunehmen — namentlich in Marstrand (Schweden), Trieste (Italien) und Lissabon (Portugal) — stellen eine klare Verletzung des Arbeitsvertrags dar. Zusätzlich hat er sich in zahlreichen Medien Anfang Juli dahingehend geäußert, dass er nicht mehr Mitglied des Alinghi Teams sei.

Nicht minder schwerwiegend erweist sich Russell Coutts’ geheim gehaltenes Engagement bei der Planung und Entwicklung einer neuen Rennserie. Dieses Engagement ist mit seinen Pflichten und Aufgaben unvereinbar. Russel Coutts hat sich damit als Verwaltungsratsmitglied der Team Alinghi Holdings in einen unauflöslichen Interessenkonflikt gebracht.

Damit blieb Team Alinghi gar keine andere Wahl, als die Zusammenarbeit mit Russell Coutts per sofort zu beenden.

Als Leader des Team Alinghi gibt Ernesto Bertarelli seinem Bedauern und seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass es aufgrund der Faktenlage nicht mehr möglich sei, weiter mit Russel Coutts zusammenzuarbeiten. Zugleich unterstreicht Bertarelli, dass er auch in Zukunft alles tun werde, um das Team Alinghi zu schützen und die Attraktivität und Einmaligkeit des America’s Cup zu sichern.

Ausschlaggebend für den Bruch war offenbar die Tatsache, dass Coutts kaum Mitspracherecht bei der Auswahl des Austragungsortes sowie bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen gegeben wurde. Anders als in der Vergangenheit, wo beispielsweise der New York Yacht Club es immer verstanden hatte, als Cup-Halter das Reglement zu seinen Gunsten zu gestalten, hatte sich Alinghi dieses nicht vorwerfen lassen wollen und diese Entscheidungen in die eigens gegründete Firma AC Management ausgelagert. In dieser hat jedoch Michael Bonnefous, vormals Direktor bei Alinghi, das Sagen, und nicht Coutts. Ihm wurde von Bertarelli in erster Linie die Rolle des Steuermannes zugeteilt.

Diese wollte er jedoch nicht übernehmen und weigerte sich bei verschiedenen Anlässen, das Rad zu übernehmen. Wohl auch aus dem Grund, dass er sich ein Engagement bei einem anderen Team offen halten wollte. Als Alinghi vor 15 Monaten den Cup gewann, wurde ein Protokoll formuliert, das die bis dato bestehende Nationalitätenregel (dass ein Segler in dem Land ansässig sein muss, für das er startet) weitgehend gelöscht und der Wechsel von Seglern zu anderen Teams stark liberalisiert (was bis dahin wegen möglichem Technologietransfer so gut wie unmöglich war).

Im Januar wurde der entsprechende Punkt 13.12 dahingehend geändert, dass ein Segler, der des Team wechselt, 2006 nicht mit seinem neuen Team antreten darf, wenn er bei seinem alten Team seit dem vergangenen Cup gesegelt hat. Man achte auf das Wort gesegelt. Im Umkehrschluss bedeutete das: Wenn Coutts also nicht für Alinghi segelt, kann er wechseln.

Es ist wohl kein Zufall, dass nur zwei Wochen vor der Bekanntgabe von Coutts Kündigung der Punkt 13.12 nochmals geändert wurde. Jetzt heißt es, dass ein Segler das Team nicht wechseln darf, wenn er bei einem anderen Syndikat "unter Vertrag stand, engagiert, bezahlt oder auf andere Weise verpflichtet war" und zwar seit mindestens 180 Tagen seit dem vergangenen Cup. Damit dürfte die America's Cup Tür für Coutts vorerst zugeschlagen worden sein.

Und der orientiert sich schon mal anderweitig. Zusammen mit dem Amerikaner Paul Cayard und dem Emirat Dubai plant er eine neue Veranstaltung. Details sind bisher nicht veröffentlicht worden.

Die wichtigste Frage für die Zukunft wird aber sein, wie sich der Weggang von Coutts auf das Team auswirkt. Denn einer der entscheidenden Gründe für den Sieg von Alinghi beim vergangenen Cup war dessen Zusammenhalt. Diese Harmonie dürfte jetzt entscheidend gestört sein und es besteht die Gefahr, dass weitere Abgänge folgen. Mit Jochen Schümann und Peter Holmberg verfügt Alinghi zwar über erstklassige Alternativen für die Position des Steuermannes. Die weiteren wichtigen Rollen an Bord wurden jedoch von Mitgliedern des Team Magic, das Coutts um sich gruppiert hatte, besetzt. Wie wird sich beispielsweise Brad Butterworth verhalten, der als genialer Taktiker gilt und eine enge Beziehung zu Coutts hat? Werden die anderen ehemaligen Segler vom Team New Zealand, wie Stratege Murray Jones, Simon Daubney, Warwick Fleury und Dean Phipps bei Alinghi bleiben?

Der Cup ist um einen Skandal reicher. Ob er sich zur Schlammschlacht entwickelt, bleibt abzuwarten.

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