Jacques Vabre

"Cheminées Poujoulat" in Seenot

07.11.2011 Andreas Fritsch, Fotos: Transat Jaques Vabre, T. Martinez - Bernard Stamms Open 60 droht auf Höhe der Azoren zu sinken. Ein Sturm hat das Feld des Transatlantik-Rennens gestern Nacht dezimiert

Stamm
Fotograf: © Transat Jaques Vabre

"Cheminees Pujoulait" beim Start letzte Woche

Das Feld des Transatlantik-Rennens von Le Havre nach Costa Rica war extra später auf den Weg geschickt worden, um einen Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 50 Knoten und mehr direkt vor dem Start zu vermeiden. Und doch erreicht jetzt eine Hiobsbotschaft nach der anderen den Veranstalter. Gestern Nacht zog ein weiteres Sturmtief mit bis zu 45 Knoten Wind über das Feld der Yachten. 

Skipper Stamm
Fotograf: © T. Martinez

Bernhard Stamm

Letzter und prominentester Ausfall ist Bernard Stamms brandneuer Open 60 "Cheminées Poujoulat", mit dem er das erste Mal in einem Rennen unterwegs ist. Das Duo aktivierte heute Morgen um 10.50 Uhr seine Epirb-Notbake, nachdem das neue Juan-K-Design seit gestern im Vorschiffsbereich einen starken Wassereinbruch registrierte. Stamm steht seitdem im Funkkontakt mit der Rennleitung, eine Helikopter-Rettungsaktion ist bereits im Gange. Wie der Schaden entstand, ist unklar, von einer Kollision war nicht die Rede. Open 60s haben wasserdichte Crash-Boxen und Abteile im Vorschiffsbereich, doch scheint das in diesem Fall nicht die Rettung gewesen zu sein.

Skipper Stamm
Fotograf: © T. Martinez

Co-Skipper Cuzon

Ebenfalls Probleme hat Vincent Rious "PRB", der ein gebrochenes Schott nahe des Mastfußes meldet und auf die nahen Azoren abläuft, um den Schaden zu untersuchen. Schon am Freitag war auf Aranud Bossiers "Akena Verandas" der Mast gebrochen.

Einen ebenfalls spektakulären Zwischenfall gab es im Feld der Class 40s: Die Franzosen Tanguy de Lamotte und Eric Péron auf "Initiatives Alex Olivier" verloren während eines 14-Knoten-Reaches in sechs bis sieben Windstärken den Kiel – und kenterten nicht einmal! "Wir hörten ein ploppendes Geräusch, dann luvte das Boot plötzlich an. Eric meinte, wir hätten wohl den Kiel verloren, und ich schaute, ob ich unter dem Schiff noch etwas Oranges (die Farbe, in der der Kiel gestrichen ist; d. Red.) finden konnte, aber da war nichts mehr. Wir haben dann alle Segel runtergenommen und die Ballasttanks komplett gefüllt", berichtet Skipper de Lamotte erstaunlich gelassen. Er betonte ausdrücklich, dass sie kein Seenotfall seien und keine Hilfe benötigten. Mittlerweile haben die beiden unter Sturmbesegelung langsam den Rückweg nach Frankreich angetreten.

Im Feld der Multihulls bis 50 Fuß kamen die Aufgaben am Wochenende im Stakkato: "Prince du Bretagne" musste wegen eines gebrochenen Beams aufgeben, "Crepes Wahou", da sich der Skipper bei einem Sturz auf eine Winsch am Rücken verletzte, "Fenetrea Cardinal", weil ein Schott brach. Schon zuvor musste "Monopticien" wegen eines Ruderschadens die Segel streichen. 

Davon unbeirrt geht das Rennen an der Spitze weiter, nachdem sich am Freitag das Feld geteilt hatte. Das Gros der Skipper wählte einen südlichen Kurs, um genau dem Sturmtief etwas auszuweichen, dass Samstag und Sonntag die vielen Ausfälle brachte, einige andere wählten eine nördlichere Route, die in den meisten Wind führte, aber auch der direktere Kurs ist. So entschieden sich Alex Thomson und Guillermo Altadill auf "Hugo Boss" und übernahmen die Führung vor  "Paprec-Virbac", mit der Crew von Jean Pierre Dick (Skipper) und Jeremie Beyou. 

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